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Augenheilkunde 1. Dezember 2011

Klinisches Risikomanagement bei High-Volume Kataraktchirurgie

HINTERGRUND: "Wo gehobelt wird, da fallen Späne" so der allgemeine Tenor. Zu schnell wird menschliches Versagen als Ursache eines Fehlers identifiziert. Dabei liegen die Fehler in den meisten Fällen im System. Dies ist erstmals 1999 mit einer Studie der World Health Organization (WHO) wissenschaftlich aufgearbeitet worden. Seither ist auf diesem Sektor viel passiert. In neueren Studien wurde inzwischen nachgewiesen, dass durch entsprechende Maßnahmen eine deutliche Senkung der Fehlerquote erreicht werden kann. MATERIAL UND METHODIK: Mit der Rezertifizierung des Modells "Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen" (KTQ) wurde ein Projekt zu mehr Patientensicherheit im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Linz umgesetzt. Im Rahmen des Projektes wurden die korrekte Identifikation der Patientinnen und Patienten, die abgesicherte Kommunikation zwischen dem Behandlungsteam und das Team Time Out vor dem chirurgischen Eingriff genau durchleuchtet. Als Basis für die Gestaltung der Checkliste wurde die "Surgical Safety Checklist" der WHO verwendet und angepasst. Weiters wurde ein Critical Incident Reporting System (CIRS-System) in das Computersystem des gesamten Krankenhauses integriert. RESULTATE: Es wurde zur besseren Patientenidentifikation ein doppelter Check der Patientenidentität eingeführt. Weiters wurde eine Checkliste im Bereich der präoperativen Vorbereitung und eine zweite direkt vor dem chirurgischen Eingriff entwickelt. Die Einführung des CIRS-Berichtsystem soll helfen, zukünftige Fehler zu erkennen und entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können. SCHLUSSFOLGERUNG: Die erfolgreiche Implementierung eines Risikomanagements ist ein umfangreicher Prozess, in dem viele Faktoren berücksichtigt werden müssen. In diesen Prozess eingebunden wurden Führungskräfte, eine adäquate Ressourcenplanung, eine umfassende Testphase mit der Möglichkeit die Ergebnisse nochmal kritisch zu überarbeiten, eine Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und eine Trainingsphase. Eine Herausforderung stellt die Einführung des CIRS-System dar. Dies liegt daran, dass niemand gerne eigene Fehler eingesteht und auch keine Kollegin bzw. keinen Kollegen benennen möchte. Hier war eine Veränderung in den Köpfen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter notwendig. Neben Schulungen waren vor allem die Führungskräfte gefordert mit gutem Beispiel voranzugehen, damit dieses System sich in der Fläche durchsetzen konnte. Das klinische Risikomanagement hat das Potential Risikofälle "menschliches Versagen" erheblich zu reduzieren. Die Evaluierung der Ergebnisse ist eine weitere Herausforderung. Qualitätsstandardisierungsprogramme wie das European Registry of Quality Outcomes for Cataract and Refractive Surgery (EUREQUO) sind dazu im Wesentlichen ungeeignet und auch CIRS-Systeme können diese Aufgabe derzeit noch nicht quantitativ übernehmen. Mittelfristig kann die Verminderung der gemeldeten Schadensfälle als Messgröße herangezogen werden.

Peter Reinelt, Hans Härting, Britta Lübke, Paul Jirak, Ulrich Schönherr, Spektrum der Augenheilkunde 6/2011

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