zur Navigation zum Inhalt
Foto: Wolfgang Fuchs
Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth Vorstand der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Medizinische Universität Wien
Foto: Wolfgang Fuchs

Prof. Dr. Michael Georgopoulos Universitätsaugenklinik Wien

Foto: Wolfgang Fuchs

Prof. Doz. Dr. Matthias Bolz Universitätsaugenklinik Wien

 
Augenheilkunde 10. Jänner 2012

Netzhautschäden behandeln

State of the Art in Forschung und Klinik von retinalen Erkrankungen.

Fortschritte in Bildgebung und Funktionsdiagnostik, internationale Empfehlungen über Medikamente mit bester Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit bei knappen Gesundheitsbudgets, Erfolge in der Netzhautchirurgie mit endoskopischer Technik – das waren einige der Themen, die auf Einladung der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie auf dem diesjährigen internationalen Jahreskongress Artvienna 2011 präsentiert wurden.

 

Krankhafte Veränderungen der Netzhaut sind ein zunehmendes Gesundheitsproblem in der Gesellschaft, Fortschritte in Diagnostik und Therapie daher besonders von Bedeutung. Das hat Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, im Blick, wenn sie meint: „Fortbildung und Weiterbildung bedeuten ein Mehr an Wissen und versetzen uns in die Lage, unabhängig und kritisch Stellung zu beziehen und letztendlich bieten sie die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, zu benennen und zu lösen.“ Eine solide Diagnose von retinalen Veränderungen aufgrund von Diabetes mellitus und altersbedingter Makuladegeneration (AMD) ist die Voraussetzung für eine effektive Therapie. Schmidt-Erfurth: „Die Patienten werden von den wesentlichen Fortschritten, die wir in Bezug auf aktuellste Diagnostik und Therapie in der Netzhautforschung und -klinik gerade miterleben, außerordentlich profitieren.“

Schäden an der Netzhaut

Die AMD ist in Europa bei den über 65-Jährigen die häufigste Ursache für hochgradige Sehbehinderungen und Erblindungen, gefolgt von der diabetischen Retinopathie. Unter den im Rahmen von Diabetes auftretenden Gefäßveränderungen leidet besonders das Auge und die angegriffene Netzhaut verursacht eine deutliche und bleibende Sehverschlechterung, die dem Diabetiker die Kontrolle über seine chronische Erkrankung und seine Lebensführung entzieht. Die Experten der Diabetic Retinopathy Research Group Vienna (DRRG Vienna) unter Bolz‘ Leitung haben eine telemedizinische Plattform entwickelt, die ein effizientes Betreuungsnetz für die Patienten bietet und die Kommunikation zwischen allen medizinischen Partnern ermöglicht.

AMD, diabetische Retinopathie, Ödeme und Netzhautlöcher können Strukturveränderungen der mehrschichtigen Retina bewirken. Mit der optischen Kohärenztomografie (OCT) können diese diffizilen Netzhautschichten exakt dargestellt werden. Damit wird eine neue Dimension der Diagnostik erreicht und viele schwerwiegende Erkrankungen des Augenhintergrunds können schon erkannt werden, bevor sie sich in anderen Untersuchungen zeigen. Hilfreich ist diese Untersuchungsmethode auch zur Verlaufskontrolle der Netzhautveränderungen. So hat sich das OCT zur wichtigsten Diagnosemethode entwickelt. Es ist jedoch noch nicht in die derzeitige Infrastruktur der augenärztlichen Versorgung eingebettet. Hier sehen Ärzte Innovationsbedarf: Die Wiener Uniklinik für Augenheilkunde und Optometrie bietet deshalb die Kooperation mit dem niedergelassenen Bereich an. Allerdings: „Im extramuralen Bereich werden Leistungen wie die OCT-Untersuchung und die Anti-VEGF-Therapie zurzeit nicht refundiert“, so Prof. Dr. Matthias Bolz von der Wiener Universitätsaugenklinik.

Arzneimittel in den Augapfel

2008 startete das US-amerikanische National Eye Institute eine Arzneimittelstudie, um Ranibizumab (Lucentis®) und Bevacizumab (Avastin®) in Wirkungen und Nebenwirkungen miteinander zu vergleichen. Beide Arzneimittel werden für die Behandlung der feuchten AMD eingesetzt, obwohl nur Lucentis® dafür zugelassen ist. Beide hemmen das Einwachsen von krankhaften Blutgefäßen in die Netzhaut, wodurch eine rasche Sehverschlechterung vermieden und häufig sogar eine Sehverbesserung erzielt werden kann.

Das Ergebnis dieser CATT-Studie (CATT = Comparison of AMD Treatment Trials): Die Sehschärfe nimmt bei Behandlung mit Ranibizumab und Bevacizumab gleichermaßen gut zu. 70 bis 90 Prozent des Sehschärfeanstiegs wurden in den ersten drei Monaten erreicht, beide Wirkstoffe waren dafür gleich effektiv.

Aus medizinischer Sicht ist der Vergleich zwischen Ranibizumab und Bevacizumab klar, aber was bedeutet er aus ökonomischer Sicht? Avastin© ist nach wie vor für die Anwendung am Auge nicht zugelassen; es gibt also ein teures zugelassenes und ein preisgünstiges nicht zugelassenes Medikament.

In der CATT-Studie wurden auch verschiedene Therapieschemata untersucht. In der einen Gruppe wurden die Medikamente monatlich injiziert, in der zweiten bedarfsorientiert. Dabei wurde nach den ersten drei Injektionen im Monatsabstand erst erneut behandelt, wenn die feuchte AMD wieder aktiv war. Mit bedarfsorientiertem Applizieren von Ranibizumab wurde eine ähnliche Sehschärfe erreicht wie mit einem starren monatlichen Therapieplan. Bei Bevacizumab war das Ergebnis nicht so eindeutig. Bei der Applikation nach Bedarf waren im Schnitt nur sieben statt zwölf Injektionen pro Jahr nötig.

VEGF Trap-Eye

Erst vor wenigen Wochen erhielt das neue Medikament VEGF Trap-Eye von der FDA die Zulassung zur Behandlung der feuchten AMD. Es handelt sich dabei um eine vollkommen neuartige Medikamentenspezies, ein sogenanntes Fusions-Protein, d. h. ein im Labor designtes Molekül, zusammengesetzt aus den optimal wirksamsten Komponenten. VEGF Trap-Eye ist ein humanes, lösliches Rezeptorbindungsprotein des Wachstumsfaktors VEGF (vascular endothelial growth factor). Es bindet an sämtliche Formen des VEGF-A sowie zusätzlich an den verwandten Placenta Growth Factor (PIGF). VEGF ist ein spezifischer hochwirksamer Hemmstoff für diese Wachstumsfaktoren. In zwei randomisierten, doppelblind durchgeführten klinischen Studien der Phase III (VIEW-1-Studie und VIEW-2-Studie) zeigte VEGF Trap-Eye in allen Dosierungen (0,5 oder 2,0 mg monatlich; 2 mg alle zwei Monate) eine vergleichbare Wirkung gegenüber der aktuellen Standardbehandlung mit Ranibizumab in einer Dosierung von 0,5 mg monatlich.„Wir müssen uns immer wieder neu ausrichten, um unseren Patienten den größten Nutzen und die beste Sicherheit zu bieten“, so Schmidt-Erfurth.

Feinste OP-Instrumente

Bei Netzhautablösungen besteht die akute Gefahr, das Augenlicht zu verlieren. Das kann zu einer ähnlich drastischen Einschränkung der Lebensqualität führen wie nach einem Schlaganfall. Vor kurzem bedurfte es noch der klassischen Operation, heute kann oft ambulant behandelt werden, erklärt Prof. Dr. Miachael Georgopoulos, Spezialist an Europas größter Augenklinik am Wiener AKH. Die Vewendung von 23 Gauge-Injektionsnadeln (23 Gauge = 0.6 mm Durchmesser) hat die Vitrektomie revolutioniert. Die Miniaturisierung der Beleuchtung, der Saug-Schneide-Geräte, der Scheren, Pinzetten und Laser ist so weit fortgeschritten, dass mittlerweile alle operativen Indikationen mit dieser neuen Technik durchgeführt werden können. So ist das chirurgische Vorgehen schonender und risikofreier und erlaubt eine patienten- und budgetfreundliche tagesklinische Chirurgie der Zukunft. Die Erweiterung der Indikationen der Vitrektomie hat dazu geführt, dass fast alle operativen Versorgungen der Netzhautablösung mit der Vitrektomie durchgeführt werden.

www.artvienna.eu

www.facebook.com/pages/OphthalNet-Vienna/194030770680281

 

Quelle: Presseinformation der Artvienna 2011.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben