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Gesichtsfeldveränderung eines Patienten mit traumatischer Optikusneuropathie vor und nach der Stimulation mit Wechselstrom.

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Augenheilkunde 24. Dezember 2011

Hirn kompensiert Schaden

Schwache Stromreize können die Sehleistung bei Patienten mit Gesichtsfeldeinschränkung verbessern.

Erste Ergebnisse einer neuen Therapie zur Behandlung von Patienten mit Schädigungen des Sehnervs haben Wissenschaftler des Magdeburger Universitätsklinikums und der Berliner Charité vorgestellt. Die Mediziner konnten nachweisen, dass eine nicht-invasive Stimulation mit Wechselstrom die Sehleistung und die sehbezogene Lebensqualität verbessern kann. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Brain Stimulation publiziert.

Schädigungen des Sehnervs sind häufig die Folge eines Schlaganfalls in der Netzhaut, eines Schädelhirntraumas oder von Hirntumoren. Die Betroffenen können nur noch einen Teil ihrer Umwelt sehen. Früher waren Ärzte davon überzeugt, dass derartige Schäden im Zentralnervensystem unumkehrbar sind. Neurowissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen drei Jahrzehnte zeigten jedoch, dass das Gehirn Schäden oftmals noch kompensieren kann. Ein Ziel der aktuellen neurowissenschaftlichen Forschung ist es, geeignete Verfahren zu entwickeln, die das Gehirn bei seiner Kompensationsfähigkeit unterstützen.

Die aktuelle Studie von Wissenschaftlern aus Magdeburg und Berlin zeigt nun, dass Patienten mit einer Teilblindheit auf Grund einer Sehnervschädigung von einer nicht-invasiven Wechselstrom-Therapie profitieren können (siehe Literatur). Bei dieser Therapie – von den Forschern als „ alternating current stimulation“ (ACS) bezeichnet – werden Elektroden vorübergehend oberhalb der Augenbrauen und neben den Nasenflügeln auf die Haut aufgeklebt. Über die Elektroden erhält der Patient abwechselnd schwache Wechselstromreize.

In dieser Studie wurden 42 Patienten mit Gesichtsfeldeinschränkung nach chronischen Sehnervschädigungen aufgenommen und zufällig entweder der rtACS-Behandlungsgruppe oder einer Placebogruppe zugeordnet. Beide Gruppen wurden in einem Zeitraum von zehn Tagen (für jeweils etwa 30 bis 40 Minuten am Tag) behandelt, wobei die Placebogruppe nur scheinbar eine rtACS-Behandlung bekam. Auch die Studienmitarbeiter, die die Diagnostik vor und nach der Behandlung durchführten, wurden nicht über die Gruppenzugehörigkeit in Kenntnis gesetzt.

ACS-Therapie

Wie das Team um Prof. Dr. Bernhard Sabel, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität, in der Zeitschrift Brain Stimulation (Vol. 4 (4):175-188) berichtet, führte die ACS-Therapie durchschnittlich zu einer etwa 40-prozentigen Verbesserung des erblindeten Bereichs im Vergleich zum noch unbehandelten Erstbefund. Bei den Patienten aus der Placebogruppe, die nur zum Schein eine ACS-Therapie erhielten, war dagegen keine Verringerung des Gesichtsfeldausfalls zu erkennen.

Außerdem konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass der Grad der subjektiven Beeinträchtigung durch den Gesichtsfeldausfall nach der ACS-Therapie geringer ausfällt. In einem „Fragebogen zur Sehkraft“ (National Eye Institute Visual Function Questionnaire) gaben die mit ACS behandelten Patienten im Vergleich zu Placebopatienten subjektiv bedeutsame Verbesserungen im Bereich „allgemeine Sehkraft“ an. Diese waren umso größer, je deutlicher die Reduktion des zuvor diagnostizierten Gesichtsfeldausfalls war.

„Unsere Resultate zeigen, dass das adulte visuelle System sehr viel modizifierbarer als bisher angenommen ist“, schlussfolgert Sabel. Teilschädigungen des visuellen Systems nach Sehnervverletzungen könnten durch eine nicht-invasive Wechselstromstimulation zu neuroplastischen Veränderungen angeregt werden, die sich funktionell in verbesserten Gesichtsfeldern messen lassen.

Die Wissenschaftler haben ihre neuen Ergebnisse auch am 16. November 2011 auf dem Jahrestreffen der Society for Neuroscience in Washington vorgestellt.

Literatur: Noninvasive transorbital alternating current stimulation improves subjective visual functioning and vision-related quality of life in optic neuropathy, Brain Stimulation, 4(4):175-188.

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1935861X11001094

 

Quelle: Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU), Institut für Medizinische Psychologie

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