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Augenheilkunde 1. September 2011

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei OperateurInnen in der Versorgung der rhegmatogenen Ablatio retinae

HINTERGRUND: In der Literatur gibt es zahlreiche Hinweise, dass Ärzte eher zu aggressiveren Methoden und intensiveren Therapien tendieren, Ärztinnen sich dafür mehr Zeit für PatientInnen nehmen. Ziel dieser Studie war es, geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Operateurinnen und Operateuren zu evaluieren. MATERIAL UND METHODE: Retrospektiv wurden die Daten von allen PatientInnen (n=103), die innerhalb eines Jahres mit rhegmatogener Ablatio retinae an die Universitätsaugenklinik, AKH Wien, kamen, evaluiert. Alter, Geschlecht der PatientInnen, Geschlecht des/der Operateurs/Operateurin, Symptomdauer, Wartezeit bis zur Operation, Ausmaß der Ablatio, Bestehen einer proliferativen Vitreoretinopathie (PVR), Mitbeteiligung der Makula, Art der Versorgung, sowie prä- und postoperativer Visus wurden erhoben. RESULTATE: 58,3% der PatientInnen waren männlich. Das Durchschnittsalter war 58,3 Jahre. Frauen waren etwas älter als Männer (57,4 vs. 59,6 Jahre, p=0,481). Ärzte operierten signifikant jüngere PatientInnen (56,6 vs 63,5 Jahre, p=0,028). Die durchschnittliche Symptomdauer war bei Operateuren 12,3, bei Operateurinnen 20 Tage. Operateure operierten PatientInnen mit einem signifikant besseren präoperativen Visus (0,45 vs. 0,19 Snellen, p=0,002). Postoperativ verzeichneten Operateurinnen einen signifikanten Visusanstieg (0,19 auf 0,33 Snellen, p=0,008), während sich der postoperative Visus bei Operateuren nur minimal verbesserte (0,45 auf 0,46, p=0,306). Bei Operateurinnen wurde häufiger eine PVR gefunden (12% vs. 1,3%, p=0,043), weiters war die Macula häufiger abgehoben (56% vs. 33,3%, p=0,059). Die Operation erfolgte bei Operateuren durchschnittlich nach 0,46, bei Operateurinnen nach durchschnittlich 0,84 Tagen (p=0,025) und somit nach signifikant kürzerer Wartezeit. Bezüglich der Anwendung einer Vitrektomie oder Buckle-Chirurgie gab es keine signifikanten Unterschiede. SCHLUSSFOLGERUNG: Operateure operieren signifikant jüngere PatientInnen mit einem signifikant besseren präoperativen Visus nach signifikant kürzerer Zeit von Eintreffen im Krankenhaus bis zur Operation. Andererseits erreichen von Ärztinnen operierte PatientInnen einen postoperativen signifikanten Visusanstieg.

B. Weingessel, A. Scholler, J. Fischl, P. V. Vécsei-Marlovits , Spektrum der Augenheilkunde 4/2011

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