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Foto: Ärztekammer für WienGregor Zeitler
Dr. Helga Azem, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, ÖOG
 
Augenheilkunde 21. September 2011

„Wir brauchen ein neues Selbstwertgefühl“

Eine geplante Imagekampagne der österreichischen Augenärzte soll den Stellenwert der Ophthalmologie in der Öffentlichkeit heben.

Dr. Helga Azem wurde bei der Jahrestagung in Mayrhofen im Zillertal zur neuen Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft gekürt. Für die kommenden Jahre lenkt sie nun die Geschicke der heimischen Augenärzte. Azem, seit Jahren standespolitisch in der Wiener und Österreichischen Ärztekammer aktiv, zeigte sich bei der Vollversammlung der ÖOG-Mitglieder kämpferisch und rief die Kollegen dazu auf, mit ihr gemeinsam die Wertigkeit der Augenheilkunde in der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Der Vorschlag zur Finanzierung einer Imagekampagne in den kommenden drei Jahren durch einen zusätzlichen Beitrag der ÖOG-Mitglieder wurde dabei mit großer Mehrheit angenommen. Im Interview mit der Ärzte Woche erläutert sie die Beweggründe für diese Initiative.

Frau Dr. Azem, Sie sind nun neue ÖOG-Präsidentin. Bei der Vollversammlung der Gesellschaft kam es zur Abstimmung über die Finanzierung einer Imagekampagne. Worum geht es?

Azem: Bereits seit 15 Jahren versuchen die Augenoptiker durch, wie sie es nennen, „höher qualifizierte Dienstleistungen“, sprich gewisse Screeninguntersuchungen wie etwa Augendruckmessung, in den Kompetenzbereich des Augenarztes hineinzukommen. Während wir früher lediglich damit zu tun hatten, dass die Optiker als handwerkliche Berufsgruppe versuchen, sich ärztliche Kompetenz anzueignen, Ärzten aber Diagnose und Therapie nach dem Ärztegesetz vorbehalten sind, hat sich die Situation nun noch verschärft: Die Optiker haben sich mit den Bandagisten und den Zahntechnikern zur Innung der Gesundheitsberufe zusammengeschlossen. Damit haben sie das Wort ‚Gesundheit‘ in ihren Namen implementiert. Gesundheitsberufe können für den Menschen und seine Gesundheit da sein, lautet das Verständnis des Bürgers. Das ist bereits ein großer Werbegewinn.

 

Wie ist das geglückt? ?

Azem: Mit dem Lobbying der Wirtschaftskammer. Die Optiker versuchen massiv, sich mit einer Ausbildung weiterzuentwickeln. Sie absolvieren über drei Jahre Wochenendkurse, in Summe ergibt das ein theoretisches Studium von der Dauer von sechs Wochen an der Donau-Uni Krems oder an der Universität Philadelphia sowie sechs Wochen praktische Übungen in Philadelphia, weil in Österreich ein Nichtmediziner nicht an den Patienten Hand anlegen darf. Damit erreichen sie den Titel „Master of Clinical Optometry“. Das kostet viel Geld, 20.000 bis 40.000 Euro – ich denke, dass man hier ohne Weiteres vom „Kaufen eines Titels“ sprechen kann.

 

Gegen eine bessere Ausbildung ist doch an sich nichts einzuwenden.

Azem: Ausbildung ist immer etwas Gutes und ich habe auch nichts dagegen. Aber es ist nicht adäquat, zu sagen, „ich werde jetzt konservativ augenärztlich tätig“. Die Optiker fordern eine Gatekeeper-Funktion, sie wollen die Zugangsbeschränkung zum Augenarzt sein. Damit würde das Krankenkassensystem 50 Euro pro Person einsparen, weil die Optiker den Betrag filtern, den der Facharzt bekäme. Wir sagen, dass wir aus ethischen und moralischen Gründen verpflichtet sind, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und alles ins richtige Licht zu rücken: Für Auge, Augengesundheit, Sehprobleme usw. ist der primary eyecare, der Augenarzt, zuständig und sonst niemand.

 

Die ÖOG möchte nun in einer Kampagne Bürger, Stakeholder und Politik informieren. Was ist geplant?

Azem: Wir wollen uns positionieren, die Ophthalmologie positionieren. Die Grundlage unseres Strategiekonzepts ist ein Dossier, das den gesamten Leistungsumfang und die Bedeutung der Ophthalmologie umfassen wird. Es ist ausgearbeitet, aber noch nicht ausgefeilt. Sämtliche Agenden der konservativen und chirurgischen Ophthalmologie und Optometrie werden aufgezeigt, mit allen Facetten, was sie kann und wofür sie zuständig ist, wie wichtig sie ist. Das soll dann die Grundlage für unsere Arbeit sein. Unsere Zielgruppen sind einerseits die Politiker. Ihnen wollen wir das mit Lobbying-Arbeit klarmachen, deshalb haben wir uns dafür entschieden, eine Agentur zu engagieren, die seit Langem in der Gesundheitspolitik als Lobbyist bekannt ist. Diese soll jetzt unsere Anliegen an die Politik herantragen. Wir werden an die Medien herantreten, mit verschiedenen Einschaltungen in Hörfunk und Printmedien, aber auch im Fernsehen. Wir werden in kleinen und großen Aktionen an die Bevölkerung herangehen. Wir müssen die Politiker informieren, die Bevölkerung und auch die Ärzte.

 

Nur die Augenärzte oder auch Mediziner anderer Fachrichtungen?

Azem: Auch die Kollegen aus anderen Fächern. Wenn ein Chirurg nicht einmal weiß, warum er zum Augenarzt geht, dann ist das tragisch. Und es gibt absolut Kollegen aus anderen Fächern, die meinen: „Wenn ich mich operieren lasse, gehe ich schon zum Augenfacharzt, aber sonst kann ich doch auch zum Optiker gehen.“ Das sind Sätze, die ich in der Ärztekammer schon gehört habe. Wir müssen ein neues Selbstwertgefühl entwickeln und kundenorientiert werden. Wir werden den Kollegen eine Art Leitlinie an die Hand geben, die zeigt, wie sich ein Augenarzt mit seiner Kompetenz positionieren kann.

 

Sollen die Ärzte die Diskussion hinaustragen?

Azem: Ja, diese Bitte haben wir in der Vollversammlung an jede einzelne Kollegin, an jeden einzelnen Kollegen gerichtet: „Sie mögen dieses Problem thematisieren im Bekanntenkreis, bei Patienten, mit den nächsten Kollegen. Denn nur so können wir eine breite Diskussion, und in der Diskussion auch einen Weg finden, wie wir unsere Position festigen können. Ich wünsche mir, dass alle Für und Wider diskutiert werden. Das muss zum Thema werden: unsere Zukunft, die Bedeutung der Ophthalmologie und der Augenärzte. Das ist unser Ziel.

 

Das Gespräch führte Inge Smolek

http://www.augen.at

Veranstaltungstipp

Heute in einer Woche am 28.9. 2011 ist "Wiener Augentag"
http://www.augentag.at/Augentag_2011_Programmfolder.pdf

Inge Smolek, Ärzte Woche 26 /2011

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