zur Navigation zum Inhalt
Foto: www.glaukom-vorsorge.at
„Spielen Sie nicht mit Ihrem Augenlicht!“ – mit diesem eingängigen Slogan soll die Aufmerksamkeit auf die Glaukom-Vorsorge gerichtet werden.
 
Augenheilkunde 11. März 2009

Poker mit dem Augenlicht

Kampagne zur Vermeidung von Blindheit.

80 Prozent aller durch Augenkrankheiten verursachten Erblindungen sind vermeidbar. Das Glaukom ist mit 20 Prozent die zweithäufigste Ursache für den Verlust der Sehfähigkeit. Anlässlich des Weltglaukomtags am 12. März startet die Österreichische Ophthalmologische Gesellschaft (ÖOG) mit einer Awareness-Kampagne.

 

Das Glaukom kann jeden treffen. Deshalb sollte die Bevölkerung die wesentlichen Risikofaktoren kennen und auf die Möglichkeiten der Früherkennung und Therapie aufmerksam gemacht werden. „Ziel ist es, das Bewusstsein der Menschen für die Gefahren der Erkrankung zu schärfen, Vorsorgeuntersuchungen zu fördern und dadurch Früherkennung und einen rechtzeitigen Therapiebeginn zu ermöglichen“, bestätigte Prof. Dr. Susanne Binder, Leiterin der Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung Wien und Präsidentin der ÖOG, bei der Pressekonferenz zum Start der Kampagne.

Auch die Ärzteschaft ist aufgerufen, die Aufmerksamkeit ihrer Patienten auf die anfangs unmerkliche Augenkrankheit zu lenken und einen Facharztbesuch beim Ophthalmologen anzuregen. Denn die Früherkennung sei grundlegend, um die Sehkraft und damit die Lebensqualität zu erhalten. Der geläufige Name „Grüner Star“ ist „out“ und sollte für die Krankheit heute nicht mehr verwendet werden.

Die Feststellung von Patienten „Ich sehe ja gut“ ist leider kein Garant, dass die Augen tatsächlich gesund sind. Nur der Ophthalmologe kann Veränderungen am Sehnerven und Ausfälle des Gesichtsfelds erkennen. Ein einmal eingeschränktes Gesichtsfeld kann nicht mehr wegtherapiert werden. Augenarzt Dr. Anton Hommer, Mitglied der Glaukomkommission der ÖOG, betont: „Das Glaukom ist nicht vermeidbar, aber behandelbar.“ Durch Tropfbehandlung kann das Fortschreiten und eine Erblindung verhindert werden. Wichtig ist dabei die Konsequenz in der Therapie, die Compliance.

Hohe Dunkelziffer

In Österreich sind etwa 80.000 Menschen am Glaukom erkrankt, jährlich kommen 8.000 bis 16.000 Glaukompatienten dazu. Weltweit werden 2010 nach Schätzungen der WHO 60 Millionen Menschen von der Augenkrankheit betroffen und acht Millionen daran erblindet sein. Die Krankheit bleibt oft lange unentdeckt, weshalb mit einer hohen Dunkelziffer von 50 Prozent gerechnet wird.

Der größte Risikofaktor für die Entstehung eines Glaukoms ist der erhöhte Augeninnendruck. Nach neueren Erkenntnissen definiert sich die Augenkrankheit aber nicht mehr, denn der Augeninnendruck kann auch im Normbereich liegen, und trotzdem aufgrund einer schlechten Durchblutungssituation im Augenhintergrund ein Glaukom entstehen. Weitere Risikofaktoren sind ein Lebensalter über 40 Jahre und eine erbliche Disposition. OA Dr. Karl Rigal vom Wiener Hanuschkrankenhaus wies darauf hin, dass aufgrund der demografischen Entwicklung und der zunehmenden Lebenserwartung der Menschen mit einer starken Zunahme der Glaukomerkrankungen zu rechnen ist.

Ökonomische Aspekte

21 bis 23 Millionen Euro geben die Krankenkassen österreichweit für Früherkennung, Diagnose und Therapie des Glaukoms aus, sagte der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, der selbst am Glaukom erkrankt ist. „Ein eher bescheidener Beitrag“, bemerkte Bittner etwas bitter, „weil die Personen kaum zum Arzt gehen. Kosten von 30 bis 40 Millionen Euro würden mich nicht stören, weil die Früherkennung des Glaukoms die beste Primärprävention ist.“ Hommer wies auch auf die ökonomischen Folgen des glaukombedingten Sehverlusts hin. Höhere Behandlungskosten im Spätstadium der Krankheit durch chirurgische Eingriffe, vermehrte Untersuchungen und reduzierte Wertschöpfung der Erkrankten für die Gesellschaft könnten durch die Früherkennung vermieden werden. Bittner bezeichnete die Aktion der ÖOG denn auch als „eine der positivsten“ Awareness-Kampagnen: „Man muss nicht erblinden, und ich möchte auch nicht erblinden.“

Im Aktionszeitraum vom 5. März bis 15. April 2009 gibt es Patientenveranstaltungen, Fachanzeigen, City-Lights, Poster für Arztpraxen und Apotheken sowie Informationsbroschüren, die in Arztpraxen und Apotheken aufgelegt oder ausgegeben werden.

www.glaukom-vorsorge.at

Foto: www.glaukom-vorsorge.at

„Spielen Sie nicht mit Ihrem Augenlicht!“ – mit diesem eingängigen Slogan soll die Aufmerksamkeit auf die Glaukom-Vorsorge gerichtet werden.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben