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Justierung der implantierten Linse mithilfe von UV-Licht.
 
Augenheilkunde 17. Mai 2011

Scharfe Sicht auf Probe

Die lichtadjustierbare Linse (LAL) lässt sich auch noch nachträglich einstellen.

Ohne Brille lesen, am Computer arbeiten oder Auto fahren – diese Wünsche kann eine Linse Patienten mit Katarakt erfüllen. Die lichtadjustierbare Linse (LAL), wird an der Augenklinik der Ruhr Universität Bochum eingesetzt. Ihre Brechkraft lässt sich nach dem Einsetzen mit UV-Licht einstellen. Erst wenn der Patient zufrieden ist, wird die Linseneinstellung fixiert. Studien haben gezeigt, dass die Sicht nicht nur dauerhaft gut bleibt, sondern dass sich die LAL auch für „extreme“ Augen eignet.

 

Der Ersatz getrübter Augenlinsen zählt aufgrund der steigenden Lebenserwartung zu den häufigst durchgeführten Operationen überhaupt. Der Ophthalmologe kann die Ersatzlinse so wählen, dass vorhandene Sehfehler einigermaßen korrigiert werden; dennoch müssen fast alle Patienten später eine Brille tragen. Denn beim Einheilen kann sich die neue Linse ein wenig verschieben oder die Hornhaut kann unebene Narben bilden – beides verursacht neue Sehfehler. Auch weichen die Brechwerte der Linsen teils vom auf die Packung gedruckten Wert ab. Die geltende DIN-Norm erlaubt diese Abweichungen.

UV-Strahlung justiert die Linse – auch mehrfach

Fast garantiert scharfe Sicht ermöglicht die lichtadjustierbare Linse. Sie ist mit kurzen Silikonmolekülen gefüllt, die sich bei UV-Bestrahlung einer bestimmten Wellenlänge verketten. Über Nacht wandern dann kurze Moleküle aus der Umgebung an die entsprechende Stelle, um das Konzentrationsgefälle kurzer Moleküle auszugleichen. Die Linse verdickt sich. Durch zielgenaue Bestrahlung lässt sie sich so beliebig formen. Und damit nicht genug: Hat der Patient die so eingestellte Linse zu Hause im Alltag getestet und ist nicht zufrieden, wird sie nachjustiert. Die Justierung der Linse dauert nur 40 bis 150 Sekunden, während derer der Patient einen grün blinkenden Punkt fixiert (siehe Abbildung). Zur Stabilisierung wird eine Kontaktlinse aufgesetzt. Der Augenarzt behält die Linse des Patienten durch ein Fadenkreuz im Blick und gleicht mit einer Art Joystick eventuelle Augenbewegungen aus. Erst wenn der Patient zufrieden ist, wird die Linse fixiert, auch das mit UV-Strahlung.

Eine Studie an der RUB-Augenklinik hat ergeben, dass die Fehlsichtigkeit aller mit der lichtadjustierten Linse versorgten Augen nach der Behandlung im Bereich von einer Dioptrie um den angepeilten Zielwert liegt, egal ob die Augen zuvor „normal“ oder sehr stark fehlsichtig waren. Bei den „normal“ fehlsichtigen Augen gelang in 95 Prozent sogar die Punktlandung: Die Sehschärfe wich nur maximal 0,25 Dioptrien vom Zielwert ab. Bei den „extremen“ Augen gelang dies je bei zwei Dritteln.

Um den Komfort durch die neue Linse noch weiter zu verbessern, ermöglicht Dr. Fritz Hengerer von der Bochumer Augenklinik auf Wunsch inzwischen auch die multifokale Einstellung. Im Zentrum der Linse befindet sich dann der Nahsichtbereich. Schaut der Linsenträger in die Ferne, öffnet sich die Pupille und somit die Sicht durch die gesamte Linse, deren äußere Bereiche für die Fernsicht optimiert sind. Der zentrale Bereich stört dann nicht.

Ebenfalls möglich ist es, die Linsen beider Augen unterschiedlich einzustellen, das heißt eine für die Nah- und die andere für die Fernsicht. „Ein Unterschied von bis zu zwei Dioptrien zwischen beiden Augen bereitet dem Gehirn aufgrund der geringen Bildgrößenunterschiede keine Schwierigkeiten“, sagt Hengerer.

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