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Augenheilkunde 1. April 2011

Outcome nach Augenuntersuchungen auf der jemenitischen Insel Socotra

HINTERGRUND: Im Rahmen eines fünf-tägigen Ärzteeinsatzes wurde eine ophthalmologische Notambulanz mit zwei Untersuchungszimmern in Hadibou, der Hauptort der Insel Socotra, Jemen, aufgebaut und zwei, von insgesamt drei beschäftigten Ärzten ausgebildet. Die ophthalmologische Daten wurden zusammengefasst und bearbeitet, um die Notwendigkeit einer Augenklinik für Socotra zu evaluieren. PATIENTEN UND METHODEN: Bei 299 Patienten wurde eine komplette ophthalmologische Untersuchung durchgeführt. Die Daten wurden zusammengefasst und nach folgenden Kriterien analysiert: Geschlecht, Alter, städtische/ländliche Bevölkerung und ophthalmologische Diagnosen: anatomische Klassifikation, Verlauf: akute und chronische Erkrankungen. Verschiedene Kultur – und Umweltfaktoren sowie deren Auswirkung auf die Pathogenese der ophthalmologischen Krankheitsbilder wurden berücksichtigt und zur Diskussion gestellt. ERGEBNISSE: Es wurden insgesamt 299 Patienten untersucht: 199 Männer und 100 Frauen, davon waren 26 (8,7%) Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Bei 278 Patienten wurden eine oder mehrere ophthalmologische Erkrankungen festgestellt. Lediglich bei 21 (7,02%) Patienten, davon 19 (90,48%) Männern und nur zwei (9,52%) Frauen, wurde der ophthalmologische Status als unauffällig, im Sinne eine Vorsorgeuntersuchung, beschrieben. 235 Patienten kamen aus der Hauptstadt (78,6%) und 64 (21,4%) von auswärts: d.h. aus anderen kleinen Städten bzv. vom Land. Bei den Patienten mit unauffälligem Augenstatus zeigte sich die gleiche Tendenz: 17 Patienten (80,95%) stammen aus der Hauptstadt, vier (19,05%) vom Land. Von auswärts hat keine Frau die Untersuchung in Sinne einer prophylaktischen Untersuchung in Anspruch genommen. Das Alter der untersuchten Patienten war zwischen acht Monaten und 80 Jahren, bei einem mittleren Wert von 40,52 Jahren. Am häufigsten wurden Erkrankungen der Hornhaut diagnostiziert: 144 Patienten (48,16%), davon 71 Patienten (49,31%), die eine beidseitige Beteiligung zeigten. 12 Patienten (8,33%) hatten eine akute Hornhauterkrankung, zwei davon beidseitig. An zweiter und dritter Stelle kamen die Erkrankungen der Linse bei 121 Patienten (40,47%) und der Bindehaut bei 85 Patienten (28,43%). Es gab keine akuten Erkrankungen der Linse und nur 18 Patienten (21,18%) mit einer akuten Bindehauterkrankung, die nur in einen Fall mit Trachom als visusbedrohlich klassifiziert wurde. Bei 14 Patienten (4,68%) wurde ein Glaukom und bei sechs Patienten Pseudoexfoliation der Linse (PEX) festgestellt. Alle Patienten waren zum Zeitpunkt der Diagnose ohne Therapie. Erkrankungen im Lidbereich und der Tränenwege hatten neun Patienten (3,01%), davon zeigten sechs Patienten eine Dacryostenose, alle mit akuten entzündlichen Zeichen. Erkrankungen der Netzhaut wurden bei sechs Patienten (2%) diagnostiziert: fünf Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration und ein Patient mit einer alten proliferativen Netzhautabhebung. Uvea- und Sklerabeteiligung wurden bei vier Patienten (1,33%) als akute, visusbedrohliche Erkrankungen diagnostiziert. Glaskörper (Synchisis scintilans) und Orbitaerkrankungen (Protrusio bulbi) sind je bei einem Patient festgestellt worden. SCHLUSSFOLGERUNG: Hornhauterkrankungen repräsentieren fast 50% der diagnostizierten Augenerkrankungen in Ländern mit einer hohen Staub- und Sand-Exposition. Aufbau von medizinischen Einheiten und Personalschulungen sind das Wichtigste in einer Entwicklungsarbeit. In nur fünf Tagen wurden zwei Ärzte mit den Prinzipen der Vorsorgemedizin und mit 36 ophthalmologischen Diagnosen vertraut gemacht und für die erste Hilfe bei 26 ophthalmologischen Notfällen ausgebildet.

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