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Foto: Martin Glösmann

Schilddrüsenhormon hemmt über einen Rezeptor die Synthese des UV/Blau-Sehpigments und aktiviert die Produktion des grünen Sehpigments.

 
Augenheilkunde 6. April 2011

Farbsehen mithilfe von Schilddrüsenhormonen

Neue Studie enthüllt Regulierungsmechanismus von Sehpigmenten in den Zapfen.

Die Lehrmeinung bisher: Die Farbempfindlichkeit der Zapfen ist bei Adulten in der Retina festgelegt. Aktuelle Forschungsergebnisse stützen jedoch diese These: Ein im Erwachsenenalter auftretender Schilddrüsenhormonmangel (Hypothyreose) hat negative Auswirkungen auf das Farbensehen.

 

Das Hormon der Schilddrüse entscheidet maßgeblich mit, welches Sehpigment in den Zapfen gebildet wird. Forscher der MedUni Wien und der Wiener Veterinärmedizinischen Universität haben gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung nun gezeigt, dass bei Mäusen und Ratten auch in bereits ausgereiften Zapfen die Produktion des Sehpigments durch Schilddrüsenhormone reguliert wird (Journal of Neuroscience 31(13): 4844-4851).

Zunächst untersuchten die Forscher die Rolle des Schilddrüsenhormons in der frühen Entwicklung von Zapfen nach der Geburt. Die Frage war, wie groß das Zeitfenster für den Einfluss des Hormons ist und ab wann es die Opsin-Produktion nicht mehr steuert. Ein Endpunkt der Hormonwirkung war aber nicht zu finden.

„Opsinprogramm“ nicht fix

Also untersuchten die Forscher ausgewachsene Nager, deren Schilddrüsenhormonpegel sie pharmakologisch absenkten. Alle Zapfen schalteten daraufhin die Produktion des UV/Blau-Sehpigments um, während die Produktion des grünen Sehpigments heruntergefahren wurde. Nach Absetzen der Behandlung normalisierte sich der Hormonspiegel wieder und die Zapfen produzierten das „angestammte“ Sehpigment: ein Zapfentyp Grün, der andere UV/Blau.

Es wird vermutet, dass auch beim Menschen dieser Regelkreis vorliegt. Klinisch relevant dürfte er jedoch nicht sein, weil bei Hypothyreosen das Schilddrüsenhormon ohnehin substituiert wird.

http://www.jneurosci.org/content/31/13/4844.abstract

VetMed Wien/IS, Ärzte Woche 14 /2011

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