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Foto: Aamon/Fotolia.de
Das Hirn ergänzt Unvollständiges, das zweite Kind wird übersehen.
 
Augenheilkunde 16. März 2011

Aus dem Blickfeld verschwunden

Einschränkungen des Gesichtsfeldes durch ein Glaukom können folgenreich sein.

Irreparable Ausfälle des Gesichtsfelds sind auch in Österreich nicht selten. Etwa 80.000 Menschen sind vom Glaukom betroffen, einer Augenkrankheit, die unbehandelt zur Erblindung führt. Wahrscheinlich sind es noch mehr, denn Ophthalmologen gehen davon aus, dass nur jedes zweite Glaukom entdeckt ist, weil die Erkrankung in der Regel nicht weh tut. Vorsorge ist nötig.

Die meist schmerzfreien Sehbeeinträchtigungen durch zerstörte Fasern des Sehnervs fallen im Alltag lange Zeit nicht auf. Denn das Gehirn ergänzt unbemerkt, was an Bildteilen nicht im Sehzentrum ankommt. Erst wenn mehr als die Hälfte der Nervenfasern nicht mehr funktionieren, wird der Schaden bemerkbar.

Der Augenarzt erkennt das Glaukom durch die Inspektion des Augenhintergrunds, insbesondere des Sehnervenkopfs. Aber dazu muss er die Gelegenheit bekommen. Wer sich die Lesebrille vom Augenoptiker anpassen lässt und auf den Besuch beim Augenarzt verzichtet, läuft Gefahr, dass die Glaukomerkrankung unerkannt fortschreitet und zu irreversiblen Schäden führt. Die Perimetrie zeigt dann das Ausmaß des Gesichtsfeld-Schadens.

Tropfbehandlung

Dabei ist das Glaukom gut therapierbar. In den meisten Fällen reicht eine Behandlung mit Augentropfen, es stehen viele Substanzen und auch Kombinationspräparate zur Verfügung. In schwerwiegenden Fällen ist eine Augenoperation erforderlich, bei der das Kammerwasser abgeleitet wird. Dr. Anton Hommer, Ophthalmololge in der Wiener Krankenanstalt Sanatorium Hera und Mitglied des Executive Board der Europäischen Glaukomgesellschaft (EUGS): „Das Glaukom beruht immer auf einem Abflussproblem des Kammerwassers, es ist nie ein Problem der Produktion.“

Ob beim Gehen, Rad- oder Autofahren: Kaum jemandem ist bewusst, welche Auswirkungen Gesichtsfeldeinschränkungen auf die Verlässlichkeit des Sehvermögens haben. Es sind mehr Blicksakkaden zur Orientierung auf der Straße nötig, Einzelheiten wie Straßenschilder sind kaum mehr erkennbar. Mitunter geraten sogar kleine Kinder aus dem Blickwinkel (siehe Abbildung).

 

Kostenloser Download der Glaukomleitlinien der Europäischen Glaukomgesellschaft in englischer Sprache:

www.eugs.org

 

Quelle: Pressekonferenz am 7. 3. 2011.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 11 /2011

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