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Augenheilkunde 1. Dezember 2010

Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede bei rhegmatogener Ablatio retinae?

HINTERGRUND: Frauen gehen laut Literatur öfter zum Arzt und zu Vorsorgeuntersuchungen. Im Bereich der Augenheilkunde gibt es nur wenige Studien zu genderspezifischen Unterschieden. Ziel dieser Studie war es, geschlechtsspezifische Unterschiede bei PatientInnen mit rhegmatogener Ablatio retinae zu evaluieren.

METHODE: Retrospektiv wurden die Daten von allen PatientInnen (n = 103), die innerhalb eines Jahres mit rhegmatogener Ablatio retinae an die Universitätsaugenklinik, AKH Wien, kamen, evaluiert. Alter, Geschlecht, Symptomdauer, Vorliegen einer Facharzt-Zuweisung, Ausmaß der Ablatio, Art der Versorgung, Visus prä- und postoperativ sowie Wartezeit bis zur Operation wurden erhoben.

ERGEBNISSE: 58,3% der PatientInnen waren männlich. Das Durchschnittsalter war 58,3 Jahre, Frauen waren etwas älter als Männer (57,4 vs. 59,6 Jahre, p = 0,481). Die durchschnittliche Symptomdauer war 14,2 Tage. Frauen warteten doppelt solange wie Männer (10 vs. 20 Tage, p = 0,066). Bei Patientinnen wurde häufiger eine proliferative Vitreoretinopathie (PVR) gefunden (7,0% vs. 1,7%, p = 0,306), allerdings war die Makula häufiger anliegend (72,1% vs. 53,3%, p = 0,066). Der präoperative Visus war bei Frauen tendenziell besser (0,38 vs. 0,41 Snellen, p = 0,748), auch postoperativ schnitten sie besser ab (0,38 vs. 0,48 Snellen, p = 0,166). Bezüglich des Ausmaßes der Ablatio gab es keine signifikanten Unterschiede. Die Operation erfolgte durchschnittlich nach 0,55 Tagen, auch hier zeigten sich keine signifikanten Unterschiede. Patientinnen wurden häufiger mit Plombe oder Cerclage versorgt (97,7% vs. 78,3%, p = 0,007), Patienten erhielten öfter eine Gastamponade (26,7% vs. 11,6%, p = 0,083).

SCHLUSSFOLGERUNGEN: Patientinnen kommen mit deutlich längerer Symptomdauer und höherer PVR-Rate zur Ablatio-Operation. Allerdings dürfte bei Patientinnen, die Symptomatik weniger rasch fortschreiten, die Macula ist noch häufiger anliegend. Insgesamt ist eine durchschnittliche Symptomdauer von 2 Wochen als zu lang zu werten. Bessere Aufklärung der PatientInnen könnte zu einer früheren Versorgung und damit zu einer höheren Erfolgsrate beitragen.

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