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Foto: Privat
Prof. Dr. Michael Stur Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Wien
 
Augenheilkunde 1. Dezember 2010

Mit Laserlicht im Auge heilen

Nach 50 Jahren ist der Laser in der Ophthalmologie aktuell wie nie.

Der erste Laser – ein Rubinlaser – wurde von Theodore Maiman am 16. Mai 1960 fertiggestellt. Laser steht für „Light Amplification Stimulated by Emission of Radiation“. Die Augenheilkunde war jene Disziplin, die als erstes erkannte, welche Möglichkeiten der Laser für die Augenbehandlung bietet.

 

Prof. Dr. Michael Stur, Wiener Ophthalmologe und ausgewiesener Experte in diesem Bereich, lässt im Interview mit der Ärzte Woche die Entwicklung der Laseranwendungen in der Augenheilkunde Revue passieren, spricht über die aktuellen Errungenschaften der Technologie und wagt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.

 

50 Jahre Laser – die Technologie hat vor allem in der Augenheilkunde große Veränderungen bewirkt. Wie waren die Anfänge?

STUR: Der Laser wurde Anfang der 70er-Jahre in die Augenheilkunde eingeführt. Die Lasertechnologie wurde zuerst dazu verwendet, um die wesentlich härter wirkende Lichtkoagulation mit Xenonlichtlampen abzulösen, die seit den 50er-Jahren verwendet wurde. Licht fand in der Augenheilkunde also bereits Verwendung, bevor es den Laser gab. Weil man den Laser besser dosieren konnte, war er ein willkommener Ersatz.

Bei der ursprünglich verwendeten Lasertechnik wurden Verbrennungen in der Netzhaut gesetzt und damit kontrollierte Vernarbung erzeugt. Aber es gibt heute natürlich auch andere Anwendungen des Lasers, die später hinzugekommen sind. In der Augenheilkunde wird eigentlich jede Art von Laser verwendet. Es ist unglaublich, wie die Augenheilkunde jede neue Lasertechnologie in das Fach integriert. Mit dem Laser kann die Netzhaut durch Veröden kontrolliert zum Vernarben gebracht werden, mit dem Laser können wir aber auch schneiden.

Seit Mitte der 1980er-Jahre gibt es zudem den gepulsten YAG-Laser, mit dem sich die Möglichkeit bot, den Nachstar zu eröffnen. Diese Entwicklung hat die Staroperation komplett revolutioniert, weil man nun die Linsenkapsel im Auge zurücklassen konnte. Der gepulste YAG-Laser arbeitet mit einer völlig anderen Technik und wird heute routinemäßig verwendet, mindestens ebenso häufig, wie der Netzhautlaser.

 

Bei welchen Augeneingriffen wird der Laser am häufigsten eingesetzt?

Stur: Netzhaut-Laseroperationen sind immer noch durchaus häufig, etwa bei der diabetischen Retinopathie oder bei Netzhautrissen. Diese werden mit dem Laser verödet. Es werden viele Menschen Star-operiert. 20 bis 50 Prozent dieser Patienten benötigen im späteren Verlauf einen Nachstarlaser, eine konstante bis leicht ansteigende Zahl. Ein weiteres großes Arbeitsfeld für den Laser ist die Korrektur der Kurzsichtigkeit. Dafür verwendet man wieder eine andere Art von Laser. Während der Netzhautlaser im sichtbaren Längenbereich – Grün, Gelb, Rot – arbeitet, wird für die Korrektur der Kurzsichtigkeit ein Ultraviolett-Laser verwendet. Weil man damit Gewebe abtragen kann, ist es möglich, die Hornhaut kontrolliert an der Oberfläche abzuschleifen und das Ausmaß der Fehlsichtigkeit zu verringern.

Der innovativste Laser ist zurzeit der Femtosekundenlaser. Damit kann die Hornhaut kreisförmig geschnitten werden. Eine wichtige Technik für die Hornhauttransplantation.

 

Beim Glaukom wird ein gepulster Laser verwendet?

Stur: Der gepulste Laser mit grüner Wellenlänge ist besonders schonend und putzt gewissermaßen das Trabekelwerk frei. Der dabei erzielte Drucksenkungseffekt ist ungefähr so stark wie jener von drucksenkenden Augentropfen. Der Effekt hält zwar nicht lebenslang an, nur einige Jahre. Es ist aber möglich, die Behandlung zu wiederholen, mit dem Laser mehrmals zu „putzen“. Diese selektive Lasertrabekuloplastik genannte Technik wirkt nicht bei jedem Patienten, die Erfolgsquote liegt bei 70 Prozent.

 

Sind noch Fortschritte und Entwicklungen zu erwarten?

STUR: Es gibt immer Fortschritte und Weiterentwicklungen, vor allem im Bereich der bildgebenden Verfahren. Die Optische Kohärenztomografie (OCT) haben wir noch nicht angesprochen. Wobei im OCT kein klassischer Laser verwendet wird, sondern eigentlich Leuchtdioden.

 

Aber es hat schon damit zu tun?!

STUR: Beim OCT wird das Phänomen der Laserinterferenz verwendet, der klassische Laser hat hingegen nur eine Wellenlänge. Das OCT benötigt Lichtquellen mit einem gewissen Wellenlängenbereich, um die Bildqualität zu gewährleisten. Prof. Dr. Wolfgang Drexler hat an der MedUni Wien, Institut für Medizinische Physik, OCT sogar mit weißem Licht gemacht, was die Bildqualität noch weiter verbessert. Er verwendet spezielle Leuchtdioden, die weißes Licht emittieren. Die gelten aber nicht mehr als klassischer Laser. Letztlich ist das OCT aber eine Weiterentwicklung der Lasertechnologie.

Bei der Laserbehandlung wird eine jeweils konkrete Wellenlänge verwendet, z. B. 532 nm oder 1.064 nm. Das OCT deckt mit der Superluminiszenzdiode (SLD) einen Bereich zwischen 780 und 820 nm ab. Diese Bandbreite entspricht nicht dem des normalen Laserlichts. So kann man sagen, dass der Laser für die Bildgebung verwendet wird und damit sehr hochauflösende Bilder der Netzhaut oder auch des vorderen Augenabschnitts erzeugt werden können.

Es gibt bei den bildgebenden Verfahren Geräte, die gleichzeitig ein OCT-Schnittbild und ein Laserscan-Fundusbild als Auflichtbild machen. Das ist das Scanning-Laser-Ophthalmoskop. Die Art des Laserlichts kann dabei gewählt werden, ob Infrarot oder Blau oder Grün. Das ist sehr interessant, weil hier Bilder angefertigt werden können, die viel Aussagekraft haben.

 

Was bedeutet Fundus-Auto-Fluoreszenz für die Augenheilkunde?

Stur: Bei der Fundus-Auto-Fluoreszenz (FAF) wird mit einem blauen Laser ein Scanning-Laserbild der Makula erzeugt und durch einen Gelbfilter aufgenommen. Sichtbar wird so die Eigenfluoreszenz von verschiedenen Pigmenten, vor allem von Alterspigmenten in der Netzhaut. Damit kann das Fortschreiten insbesondere der trockenen Makuladegeneration sehr gut beobachtet werden.

 

Welche der Technologien sind für die Zukunft besonders interessant?

STUR: Vor allem die bildgebenden Verfahren, weil die nächste Herausforderung in der Augenheilkunde ist die Behandlung der trockenen AMD, gegen die es bislang nichts gibt. Da laufen verschiedenste Studien, die alle diese FAF mit dem blauen Laserlicht für die Dokumentation des Verlaufs der Krankheit verwenden.

 

Wie ist das in der Ordination – ein guter Arzt hat heute auch ein OCT?

STUR: Ich hab schon das zweite OCT in der Ordination. Das Hauptproblem ist, wenn wir prinzipiell über die Kassenleistungen reden: Die Wiener Gebietskrankenkasse zahlt zumindest einen Nachstarlaser oder einen Netzhautlaser. Nicht aber ein OCT. Das ist einer der springenden Punkte - die niedergelassenen Ärzte sollten eigentlich alle ein OCT haben, schon für Screening-Untersuchungen, sowohl für die Glaukom-Früherkennung als auch für die Früherkennung der AMD, die Verlaufskontrolle der behandelten Patienten. Weil die Kassen hier nicht zahlen, ist das derzeit nur im Spital möglich.

Das Gespräch führte Inge Smolek

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