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Fotos (2): Doz. Dr. Andrea Mistlberger
Abbildung 1: trockenes Auge.

Abbildung 2: Pseudoexfoliation, Linsenauflagerung – Risiko für Glaukom.

Foto: Privat

Doz. Dr. Andrea Mistlberger Niedergelassene Augenfachärztin in Salzburg

Checkliste Augenheilkunde Burk, Annelie; Burk, Reinhard O.W. 615 Seiten, € 72,00 Thieme, 2010 ISBN 9783131005748 Aus der Reihe „Checklisten der aktuellen Medizin“ gibt dieses – trotz des Seitenreichtums – handlichen Buchs in der vierten Auflage einen komplett überarbeiteten und aktuellen Überblick im Bereich der Augenheilkunde. Die Farbcodierung erleichtert die Orientierung: Grau umfasst die Diagnostik; wichtige Leitsymptome und Leitbefunde sind im grünen Teil, blau sind alle relevanten ophthalmologischen Krankheitsbilder inklusive Therapieoptionen markiert, und der rote Teil gibt den Überblick über alle Therapieverfahren.n

Trockenes Auge Alles zum Sicca-Syndrom Wedrich, Andreas; Schmut, Otto; Rabensteiner, Dieter 176 Seiten, € 14,90 Verlagshaus der Ärzte, 2009 ISBN 9783902552426 Dieses von Experten der Grazer Universitäts-Augenklinik verfasste Buch trägt dazu bei, das Verständnis für das Sicca-Syndrom zu verbessern und den aktuellen Stand der Forschung sowie die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten zu geben. Viele Faktoren verursachen Brennen, Jucken, Fremdkörpergefühl und gerötete Augen und führen die Patienten in die Facharztpraxis. Die Therapien reichen von Augentropfen bis zu Augenbädern mit Ghee. n

Tipps und Tricks für den Augenarzt: Problemlösungen von A - Z Schmidt, Dieter 464 Seiten, € 36,00 Springer, 2008 ISBN 9783540487173 Dieses Buch ist vollgefüllt mit Problemlösungen. Die Augenheilkunde ist ein zentrales medizinisches Fach mit zahlreichen Kontakten, die in die Nachbarschaftsdisziplinen wie Innere Medizin, Pädiatrie, Chirurgie, HNO-Heilkunde, Dermatologie und nicht zuletzt Allgemeinmedizin hineinreichen. Die in dem Buch zusammengetragenen Tipps & Tricks sind daher auch für Mediziner aus diesen angrenzenden Fachgebieten hilfreich, und das Buch sollte daher in keiner Klinik und Praxis fehlen. n

 
Augenheilkunde 23. November 2010

Im Auge behalten

Einblicke in die aktuelle Augenheilkunde.

Für die meisten Augenerkrankungen gilt, dass Früherkennung die beste Therapie ist. Dazu gehört nicht nur die regelmäßige augenfachärztliche Untersuchung, sondern vor allem das Bewusstsein, dass Augenleiden keineswegs mit Schmerzen, von außen sichtbaren Veränderungen oder einer Sehverschlechterung verbunden sein müssen.

 

Bei Kleinkindern stehen in der Augenheilkunde neben diversen angeborenen Fehlbildungen vor allem Refraktionsfehler oder Schielstellungen im Vordergrund. Es gilt, die Behandlung wie Brillenkorrektur, Okklusionstherapie usw. möglichst früh einzuleiten, damit einer lebenslangen Sehschwäche (Amblyopie) vorgebeugt werden kann.

Für Jugendliche ist bei Fehlsichtigkeiten die Entscheidung zwischen Brille, Kontaktlinse oder operativer refraktiver Eingriff eines der Hauptthemen im Gespräch mit dem Augenarzt.

Das rote Auge

Ein klassisches Krankheitsbild, das im Routinealltag zu den häufigsten Beschwerden zählt, ist das „rote Auge.“

Differenzialdiagnostisch weist eine Sekretabsonderung auf eine Konjunktivitis hin. Wenn nach längstens drei Tagen nach Verabreichung antibiotischer Augentropfen keine Besserung eintritt, sollte der Hausarzt unverzüglich an einen Augenfacharzt überweisen.

Eine weitere Ursache für gerötete Augen ist das Sicca-Syndrom (Trockenes Auge), das sehr weit verbreitet ist. Die Ursachen dafür liegen in Umweltfaktoren, hormonellen Einflüssen oder auch in Bildschirmtätigkeit mit einer Verminderung der Häufigkeit des Lidschlages. Konjunktivale Rötung im Lidspaltenbereich, Tränenfluss, Fremdkörpergefühl, schaumiges Sekret und Verkrustungen nach dem Aufwachen sind typische Beschwerden (siehe Abbildung 1). Es steht eine Vielzahl von Tränenersatzmitteln als Augentropfen, Gels oder Augensalben zur Verfügung, vorzugsweise solche ohne Konservierungsmittel. Adjuvant werden Erfolge durch systemische Verabreichung von Omega-3-Fettsäuren und Vitaminen verzeichnet.

Iritis oder Iridozyklitis

Ein besonders im perilimbalen Bereich gerötetes Auge, ohne Sekret, mit Reizmiose, Lichtempfindlichkeit und dumpfem Druckschmerz spricht für eine Iritis oder Iridozyklitis. Meist gibt es eine rheumatische Genese, und die Erkrankung sollte in Zusammenarbeit mit einem Facharzt für Innere Medizin abgeklärt werden. Wenn keine infektiöse Ursache gefunden wird, besteht die übliche lokale Therapie in pupillenerweiternden Augentropfen und Kortikoiden. Manche Fälle, bei schwerem, chronischem und rezidivierendem Verlauf, erfordern die systemische Kortison- oder immunsuppressive Therapie.

Akutes Glaukom

Hingegen liegt bei einem roten Auge verbunden mit heftigen Schmerzen, akuter Sehstörung, trüber Hornhaut, erweiterter Pupille und steinhartem Bulbus ein akutes Glaukom vor. Nach der konservativen Augeninnendrucksenkung mit lokalen augendrucksenkenden Tropfen und systemischen Karboanhydrasehemmern erfolgt eine sogenannte YAG-Iridotomie mit dem Laser.

Chronisches Glaukom

Jedes zweite chronische Glaukom ist nicht diagnostiziert. Definitionsgemäß handelt es sich um eine chronische progressive Sehnerverkrankung (Optikusneuropathie), die durch Veränderungen am Sehnerv (der Papille) und der retinalen Nervenfaserschicht charakterisiert ist. Der wesentliche Risikofaktor ist der erhöhte Augeninnendruck. Es kommt dabei zu einer schmerzlosen Schädigung des Sehnervs. Galt früher ein Wert von 21 mmHg als obere Grenze, wissen wir heute, dass bei manchen Menschen auch Werte von beispielsweise 17 mmHg schon zu hoch sein können (Normaldruckglaukom), andererseits muss aber auch ein Wert von 28 mmHg noch nicht zwingend eine Glaukomerkrankung bedeuten (okuläre Hypertension). Weitere Risikofaktoren sind Alter, familiäre Belastung oder allgemeine Durchblutungsprobleme. Neue diagnostische Verfahren (Gesichtsfelduntersuchungen, Sehnerv- und Nervenfaseranalysen etc.) lassen heute eine frühe Bestimmung von Risikogruppen (z. B. Pseudoexfoliationen, siehe Abbildung 2) und damit auch eine frühzeitige Therapie zu. Augentropfen verschiedener Wirkgruppen und deren Kombinationen stellen die Therapie der ersten Wahl dar. Kommt es trotzdem zur Progredienz, sind Laser- und chirurgische Maßnahmen möglich. Unbehandelt führt das Glaukom zur Erblindung.

Getrübte Linse

Bei einer Katarakt, der meist altersbedingten Trübung der Augenlinse, kommt es zu einer Sehverschlechterung mit Schleiersehen, Verblassen von Farben, Blendung und/oder häufiger Änderung der Brillenglasstärke. Die Therapie der Wahl ist hier die Operation, der Operationszeitpunkt richtet sich nach den individuellen Bedürfnissen. Kleinschnitttechniken und Einsetzen von Faltlinsen ermöglichen bei geringem Operationsrisiko eine rasche Rehabilitation und in den meisten Fällen eine deutliche Sehverbesserung.

Von Doz. Dr. Andrea Mistlberger, Ärzte Woche 47 /2010

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