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Prof. Dr. Susanne Binder Vorstand der Augenabteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien
 
Augenheilkunde 28. September 2010

Besser sehen

Rechtzeitig den Augenarzt konsultieren hilft, Komplikationen in der Netzhaut zu vermeiden.

43 Prozent der Österreicher haben gesundheitliche Probleme mit ihren Augen, so eine altersbedingte Makuladegeneration, diabetische Augenkomplikationen oder ein Glaukom. Je älter die Bevölkerung, desto größer das Risiko für Augenerkrankungen und Sehstörungen. Am 1. Wiener Augentag wollen eine Publikumsveranstaltung und eine Fachtagung über Innovationen in der Augenheilkunde informieren.

Die Fachtagung richtet sich an niedergelassene Augen- und Allgemeinärzte und alle Ophthalmologie-nahen Berufsgruppen. Renommierte Experten werden über aktuelle Behandlungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse berichten, erzählt Prof. Dr. Susanne Binder, Primaria der Augenabteilung Krankenanstalt Rudolfstiftung, im Gespräch mit der Ärzte Woche.

Frau Prof. Binder, wünschen sich die Augenärzte häufigere Überweisungen von niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Internisten?

Binder: Nach unserer Erfahrung kommen die Menschen nicht zum Augenarzt, solange sie keine akuten Schmerzen oder Sehstörungen haben. Sie denken, wenn sie eine Brille haben, ist alles in Ordnung und es kann nichts passieren. Unsere Aufgabe ist, darauf hinzuweisen, dass es auch bei gutem Sehen und ohne Schmerzen eine Reihe von bedrohlichen Augenerkrankungen gibt, die man rechtzeitig erkennen und behandeln muss. Die Fachtagung soll ein Update geben, das auch für Nicht-Ophthalmologen verständlich bleibt, und wichtige Fragen klären wie: Wann weise ich zu? Was ist als bedrohlich einzustufen? Was habe ich in einem solchen Fall zu tun? Welche Erklärungen über Behandlungsmöglichkeiten kann ich meinen Patienten geben?

Besonders bei Diabetespatienten ist die Kontrolle durch den Augenarzt wichtig, um Komplikationen an der Netzhaut zu vermeiden. Geschieht das im ausreichenden Maß?

Binder: Nach wie vor werden nur die Hälfte der Diabetiker zugewiesen. Dieses Phänomen betrifft nicht nur Österreich, sondern alle Industrieländer. Vor allem in ländlichen Regionen wird der Diabetes oft gegenüber dem Patienten als Lappalie angesehen. Diese Diabetespatienten kommen dann oft erst sehr spät und bereits mit Komplikationen zum Augenarzt. In England wurde eine Lösung für dieses Problem gefunden: Dort fahren nichtärztliche Diabetesdienste zu den Patienten in ländlichen Regionen. Eine Schwester und ein Fotograf fertigen Bilder vom Augenfundus an, die dann von Spezialisten ausgewertet werden. Wo es Anzeichen für eine diabetische Retinopathie gibt, werden die Patienten einbestellt. Es ist eigentlich kaum nachvollziehbar, dass es so große Schwierigkeiten gibt, eine flächendeckende Untersuchung zu erreichen.

Ein Großteil der Patienten hat bereits Schäden im Auge, wenn erstmals die Diabetesdiagnose gestellt wird. Auf der anderen Seite gibt es auch Fälle, wo der Augenarzt den Diabetes im Auge als Erster erkennt.

Binder: Es gibt diese Fälle, aber sie sind eher selten. Dass es unerkannte diabetische Retinopathien gibt, sollte heute eigentlich nicht mehr sein.

Eine weitere Krankheit, die buchstäblich ins Auge gehen kann, ist der Bluthochdruck. Auch ein wichtiges Thema für die Fortbildung?

Binder: Ja, im Rahmen eines Bluthochdrucks gibt es eine Stadieneinteilung. Die Beurteilung ist oft subjektiv: Wie eng ist das Gefäß tatsächlich, wo sind die Kreuzungszeichen? Neue Methoden ermöglichen die genaue Messung der Gefäßkaliber. So kann die Durchblutung des Auges besser kontrolliert werden. Diese Messung lässt auch einen besseren Rückschluss zu, wie lange ein Patient schon an Hypertonie leidet. Man kann besser beurteilen, ob bereits eine permanente oder noch eine reversible Gefäßschädigung vorliegt.

Im Bereich der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) gilt es, den Ärzten besonders große Fortschritte zu vermitteln.

Binder: Gerade im Bereich der AMD ist in den vergangenen Jahren Enormes an Fortbildung geschehen. Aber manchmal wird es aus Zeitgründen nicht umgesetzt. Es gibt jedoch auch unter den niedergelassenen Augenärzten Netzhautspezialisten, die eine genauere Untersuchung der Retina durchführen können.

Das Gespräch führte Inge Smolek.

Von Inge Smolek, Ärzte Woche 39 /2010

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