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Foto: flickr / Jorge Franganillo
Holzblasinstrumente benötigen einen erheblichen Anblasdruck.
 
Augenheilkunde 20. Jänner 2010

Mit voller Kraft Töne produzieren

Das Spielen von Blasinstrumenten erhöht den Augeninnendruck und kann so den Sehnerv gefährden.

Eine Studie zeigt erstmals, dass professionelle Holzbläser ein erhöhtes Glaukomrisiko haben. Denn wer ein Blasinstrument spielt, erhöht dabei den Druck im Blut und in den Augen. Zu diesem Schluss kommt Dr. Gunnar Schmidtmann in seiner Dissertation am Studiengang Augenoptik und Optometrie an der Fachhochschule Lübeck.

Der Innendruck der Augen sorgt dafür, dass der Augapfel seine Form behält, und er reguliert den Stoffwechsel des Auges über das Kammerwasser. Ein erhöhter Druck ist der wichtigste Risikofaktor für das Glaukom und eine der häufigsten Erblindungsursachen in den Industrieländern.

Frühere Studien unter Orchestermusikern haben gezeigt, dass Bläser häufiger von Verlusten des Sehfelds betroffen sind als andere Musiker. Welche Rolle dabei der erhöhte Augeninnendruck spielt, überprüfte Schmidtmann nun für seine Dissertation an 15 professionellen Oboisten und Klarinettisten. „Die Versuchspersonen spielten ein zehnminütiges Mozart-Konzert für Klarinette und Oboe. Dabei wurden in kurzen Intervallen Blut- und Augeninnendruck gemessen“, so Schmidtmann.

Kurzfristige Druckspitzen

Es bestätigte sich ein vorübergehend angestiegener Druck im Blut wie auch im Auge, besonders beim Spielen von hohen Frequenzen. Unterschiede zwischen den Instrumenten kamen dabei nicht zutage, obwohl die Oboe mehr Anblaswiderstand verlangt als die Klarinette. Nach Ende des Musikstücks fiel der Druck wieder ab. „Bei längeren Spielphasen war der Anstieg weniger deutlich. Berufsmusiker, die wöchentlich 25 Stunden oder mehr ein Holzblasinstrument spielen, haben einen tendenziell erhöhten Augeninnendruck“, betont der Optometrist.

Blutstau im Auge

Zustande komme dieser Effekt durch Blutgefäße, die den vom Pressen gegen das Rohrblatt des Instruments verursachten Druck weiterleiten. „Wenn man ein Blasinstrument spielt, steigt zunächst der Luftdruck im Brustkorb an. Das hat zur Folge, dass auch in den Venen der Druck steigt und in den Augen einen kleinen Blutstau verursacht, der den Fluss des Kammerwassers behindert.“ Das Ergebnis dürfte für eine ganze Reihe von Blasinstrumenten gelten. Das lässt zumindest eine kürzlich an Blechbläsern durchgeführte Studie an der Universität Jena vermuten, die ähnliche Ergebnisse brachte.

„Erstmals wurde der Augeninnendruck in einer natürlichen Situation und bei Musikern mit verschiedenen Instrumenten gemessen“, betont Prof. Dr. Hans-Jürgen Grein, der die Arbeit betreute. Aus den Ergebnissen könne man schließen, dass eine regelmäßige ärztliche Untersuchung der Augen bei professionellen Holzbläsern von Vorteil sei. „Es ist nicht ungesund, ein Blasinstrument zu spielen. Allerdings sollten besonders ältere Berufsmusiker wie auch Augenärzte aufmerksam für das Thema werden“, sagt Schmidtmann.

http://www.fh-luebeck.de

http://www.fielmann-akademie.com

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