zur Navigation zum Inhalt
 
Augenheilkunde 9. Dezember 2009

Wenn Lues ins Auge geht

Uveitis hat manchmal völlig unerwartete Ursachen.

Nicht immer sind die Ursachen für Sehprobleme naheliegend, manchmal weichen sie vom Gewohnten ab. Etwa, wenn Kinder betroffen sind. Oder wenn Geschlechtserkrankungen auch die Sehfähigkeit in Mitleidenschaft ziehen. Wegen der Spezifität dieser Krankheitsfälle ist eine frühzeitige Erkennung wesentlich, wie interessante Vorträge beim 32. Treffen der Alpe Adria Association in Graz offenbarten.

 

Uveitiden sind in der Kindheit eine überaus seltene Erkrankung. Ihre Komplikationen sind jedoch mannigfaltig. „Im schlimmsten Fall können sie zum völligen Verlust der Sehkraft führen“, führte Dr. Nicolette Sohar aus. Ihr Team von der Universität Szeged, Ungarn, hat sich dabei 31 Fällen von zwischen 2000 und 2006 behandelten Kindern angenommen und die dazugehörigen Daten erhoben. Neben der Erhebung der Sehschärfe und des intraokulären Drucks wurden dabei Untersuchungen mit der Spaltlampe, dem Ophthalmoskop und Kontaktspiegeln durchgeführt. In 26 Prozent der Fälle wurde unter anderem eine bestehende Katarakt – weltweit die häufigste Ursache für Erblindungen – festgestellt, während bei 29 Prozent der Patienten eine pathologische Makulaveränderung und außerdem in 13 Prozent der Fälle ein sekundäres Glaukom auftraten.

Die Komplikationsraten nahmen mit der Dauer der Erkrankung zu. Mit einer aggressiven Behandlung kann die Entzündung allerdings eingedämmt und die Sehschärfe verbessert werden. „Trotz der Therapie konnten jedoch in letzter Konsequenz bedauerlicherweise nicht alle Augen gerettet werden“, schloss Sohar ihren Vortrag. Wachsamkeit und schnelles Handeln sind daher gefordert.

Geschlechtskrankheit mit Folgen für die Augen

Die Häufigkeit von Syphilis oder Lues, ausgelöst durch das Bakterium Treponema pallidum, steigt weltweit. Seit 2000 auch in Österreich wieder. Die Geschlechtskrankheit erscheint dabei in vielerlei Variationen, wobei ihre neurologischen Auswirkungen noch eher als bekannt vorausgesetzt werden können. „Über ihre Manifestationsarten im Auge ist meist wenig bekannt, diese sollten aber keinesfalls übersehen werden“, so Dr. Beate-Julia Langner-Wegscheider.

Die Ophthalmologin an der Augenklinik der MedUni Graz präsentierte anhand von vier Fällen die Ausprägungen der sexuell übertragbaren Krankheit in den Augen. Sie führte die akute posteriore plakoide Chorioretinitis und unilaterale Panuveitiden an. Bei allen vier jungen Patienten wurde eine massive Einschränkung des Visus festgestellt. In 100 Prozent der Fälle wurde das Serum auf Lues positiv getestet, während in jedem zweiten Fall Lues auch in der Spinalflüssigkeit nachgewiesen werden konnte. Nach Behandlung mit intravenösem Penicillin wurden eindeutige Verbesserungen des Visus festgestellt.

Gerade die Panuveitis kann vielerlei Ursachen haben und diese sind niemals allein durch die zugrundeliegende Morphologie verifizierbar. „Daher ist bei allen Patienten mit unklarer Entzündungsursache im Auge auch immer eine Syphilis in Erwägung zu ziehen“, riet Langner-Wegscheider.

Von Christian Vajda, Ärzte Woche 50 /2009

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben