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Augenheilkunde 1. November 2009

Die Verweildauer von Pollen an der Augenoberfläche – erste Beobachtungen in vivo

EINLEITUNG: Im Rahmen verschiedener Studien präparieren Biochemische Analytikerinnen in den Laboratorien der Universitäts-Augenklinik, Medizinische Universität Graz, regelmäßig Birkenpollen (Betula pendula). Birkenpollen zählen bekanntermaßen zur Gruppe besonders aggressiver Pollen. Noch einige Stunden nach der Pollenexposition klagen die Analytikerinnen über Trockenheits- und Fremdkörpergefühl an der Augenoberfläche und in der Nase. Wir untersuchten die Verweildauer von Pollen an der Augenoberfläche in-vivo.

METHODE: Zwei biochemische Analytikerinnen präparierten Birkenpollen in unserem Labor. Bei einer Arbeitsentfernung von ungefähr 40 cm isolierte jede von ihnen 50 mg Pollen für 30 Minuten. Die getrockneten männlichen Blütenstände, welche Pollen enthalten, wurden getrennt, gesiebt und bei Raumtemperatur (20° C) entleert. Direkt danach, 10 Minuten später und nach 3 und 5 Stunden wurde ein Bindehautabstrich im Bereich des medialen unteren Fornix mit Hilfe einer Plastiköse abgenommen und auf einen Objektträger aufgebracht. Anschließend wurden diese lichtmikroskopisch untersucht. Nach dem ersten Abstrich wurde eines der Augen jeder Analytikerin 4-mal mit 0,25% Na-Hyaluronat gespült.

ERGEBNISSE: Direkt nach der Pollenexposition konnten in den Bindehautabstrichen aller Augen Pollen gefunden werden. In den Abstrichen der ungespülten Augen konnte nach 10 Minuten, 3 und 5 Stunden immer noch die Anwesenheit von Pollen bestätigt werden. Die Abstriche der gespülten Augen hingegen zeigten schon nach 10 Minuten eine deutliche Reduktion. Eine Abnahme der Pollenzahl mit zunehmendem Abstand zur Pollenexposition konnte bei allen Augen beobachtet werden. Die Analytikerinnen klagten noch für mehrere Stunden über Trockenheits- und Fremdkörpergefühl vor allem an der Augenoberfläche der ungespülten Augen und in der Nase.

SCHLUSSFOLGERUNG: Aktuelle Studien haben gezeigt, dass Pollen neben ihrem allergenen Potential, den Tränenfilm und die Augenoberfläche auch über eine Proteasereaktion schädigen und damit eine saisonale nicht-allergische Konjunktivitis (SNAK) auslösen können. Unsere Beobachtungen bestätigen, dass die Verweildauer von Pollen an der Augenoberfläche ausreichend ist, um eine solche Reaktion auszulösen.

D. F. Rabensteiner, E. Spreitzhofer, S. Kirchengast, C. Wachswender, J. Horwath-Winter, O. Schmut, Spektrum der Augenheilkunde 5/2009

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