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Augenheilkunde 1. September 2008

Therapie der Durchblutungsstörung beim Glaukom – Theorie und Wirklichkeit

Die vaskuläre Theorie der Glaukomentstehung beim primären Offenwinkelglaukom (POWG) konnte sich in den letzten Jahren aufgrund neuer Forschungsergebnisse, die den okulären Perfusionsdruck, die Blutflussgeschwindigkeiten in retrobulbären Gefäßen sowie die Durchblutung und deren Regulation im Sehnervenkopf mit dem Vorliegen, dem Risiko oder der Progression eines POWGs in Verbindung brachten, weiter etablieren und festigen. Weiters wurden die Erkenntnisse über den Einfluss von systemischen und lokalen Risikofaktoren für das POWG erweitert. Nach wie vor fehlen jedoch kontrollierte Studien zur Evaluierung therapeutischer Interventionen zur Verbesserung der Durchblutungssituation am Auge und deren Auswirkung auf das Risiko einer Glaukomentstehung bzw. auf die Progression eines bestehenden Glaukoms. Dazu kommt noch, dass für die Feststellung einer Durchblutungsstörung im individuellen Fall aufwändige Untersuchungsmethoden mit großem Zeitaufwand nötig sind, die in den meisten Fällen nicht vorhanden und praktikabel sind. Vor allem das Fehlen einer quantitativen klinischen Methode zur volumetrischen Durchblutungsmessung im Sehnervenkopf wäre wünschenswert, steht jedoch zurzeit noch nicht zur Verfügung. Aufgrund der multifaktoriellen Genese vieler Glaukomformen mit systemischen und lokalen Risikofaktoren bzw. Ursachen beschränken sich eine erfolgreiche Diagnose und Behandlung in vielen Fällen nicht ausschließlich auf das Auge. Besteht der Verdacht einer nicht zufrieden stellenden Durchblutungssituation am Auge eines Glaukompatienten sollte eine erste vaskuläre Durchuntersuchung bereits vom niedergelassenen Augenarzt veranlasst werden und gegebenenfalls der Patient an ein spezialisiertes Zentrum zugewiesen werden, um ein 24 h Blutdruckprofil und ein Profil des Augendrucks sowie eine labortechnische Abklärung, eine Untersuchung im Schlaflabor und eine detaillierte Beurteilung der lokalen Situation durchführen zu lassen. Wesentlicher Ansatzpunkt für eine Intervention besteht in der 24 h Stabilisierung des Augendrucks, des Blutdrucks (Vermeidung von Hyper- und Hypotonie) und der Sauerstoffsättigung. Weiters können vasospastische Syndrome und Hypovolämie identifiziert und behandelt werden. Nicht selten enthalten die Ergebnisse der Untersuchungen Erstdiagnosen, die in Kooperation mit den VertreterInnen der entsprechenden medizinischen Fachgebiete einer gemeinsamen Behandlung zugeführt werden müssen.

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