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Augenheilkunde 20. Mai 2008

Ayurveda beim trockenen Auge: Therapie mit Ghee

In Indien ist die Behandlung als „Netra Tarpana“ bekannt, als „Goldener Blick“, der nach der traditionellen ayurvedischen Medizin bei Augenreizungen hilfreich sein soll. An der Grazer Universitäts-Augenklinik wurde die Wirksamkeit des Augenbads mit Ghee beim Sicca-Syndrom erstmals wissenschaftlich überprüft.

Trockene Augen gehören zu den häufigsten Augenproblemen – die Schätzungen gehen von einer Inzidenz von zehn Prozent aus, Tendenz stark steigend. Es gibt viele Behandlungsmethoden für das Sicca-Syndrom, die aber nicht immer zum gewünschten Erfolg führen. Der Leidensdruck der Betroffenen ist meist hoch, das Eintropfen von Tränenersatzmitteln mehrmals täglich kann die Symptome wohl lindern, aber nicht völlig beseitigen. Zumindest bleibt das subjektive Gefühl zurück, dass die Beschwerden ohne diese Mittel viel schlimmer sein würden.
Die Ursachen der Erkrankung sind multifaktoriell. Das Sicca-Syndrom kann sowohl durch Erkrankungen der Augenoberfläche als auch durch Störungen des Tränenfilms hervorgerufen werden. Letztere können nach der vorwiegend betroffenen Phase der Tränen eingeteilt werden. So kann die Lipid-Schicht, die wässrige Phase oder die Muzinschicht betroffen sein.
Prof. Dr. Otto Schmut, Biochemiker an der Augenabteilung der MedUni Graz, und Dr. Gisela Mathew, zurzeit im Krankenhaus der Barmherzingen Brüder in St. Veit an der Glan tätig, untersuchten nun zum ersten Mal in einer kontrollierten klinischen Studie, ob bei einer ausgewählten Patientengruppe mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion das seit Jahrhunderten bei verschiedenen Beschwerden verwendete Ghee zur Therapie des trockenen Auges geeignet wäre.

Ghee – zum Kochen und Heilen

Dass geklärte Butter wesentlich länger hält als frische Butter, ist schon sehr lange bekannt. Das reine Butterfett – das in Butter enthaltene Eiweiß gerinnt und setzt sich ab, der Wassergehalt verdunstet bei der Herstellung des in unseren Breiten als Butterschmalz bekannten Kochfetts (aus einem Kilogramm Butter wird laut Wikipedia 700 Gramm Butterfett) – ist monatelang auch ungekühlt haltbar. Das in Indien und Pakistan auch in der Küche häufig verwendete Ghee ist im Prinzip nichts anderes als geklärte Butter, also Butterschmalz. Allerdings wird es unter ayurvedischen Gesichtspunkten ausschließlich im Siedeverfahren hergestellt. Es schmeckt leicht nach Nüssen und ist angeblich viele Jahre lang haltbar.
Therapeutisch werden dem Ghee entzündungshemmende Wirkungen zugeschrieben. So ist die Verwendung als erwärmtes Augenbad als „Netra Tarpana“ oder „Goldener Blick“ bekannt.

Gutes Schmiermittel: Butterfett aufs Aug

Für die Studie wurden Patienten und Patientinnen der Sicca-Ambulanz der Universitäts-Augenklinik Graz mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion nach ihrem Einverständnis gefragt. Eine Apotheke stellte das Ghee her und füllte es in kleine Fläschchen, deren Inhalt jeweils für eine Anwendung reichte. Beide Augen wurden nacheinander jeweils für zehn Minuten in eine Augenbadewanne mit dem erwärmten, flüssigen Ghee getaucht. Mittels standardisierter Tests wurde schließlich der Therapie-Erfolg abgefragt und statistisch ausgewertet.
Das – durchaus erstaunliche – Ergebnis war eine signifikante Verbesserung (p=0,028) der subjektiven Befindlichkeit der mit Ghee behandelten Personen. Auch der Ocular Surface Disease Index (OSDI®) ergab schon nach fünf Anwendungen deutliche Fortschritte. Außerdem meinten die Patienten, dass sie in der Folge weniger Tränenersatzmittel eintropfen mussten. Schmut: „Die Frauen und Männer, die an der Studie als Probanden teilgenommen haben, waren ausgesprochen zufrieden. Das zeigte sich etwa darin, dass sie auch nach Abschluss der Studie die Behandlung mit Ghee fortsetzen wollten.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 21/2008

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