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Augenheilkunde 15. Mai 2008

Von Blinzel-Aufforderung bis Bevacizumab

Im Ambiente altehrwürdiger Industrie-Architektur der Grazer Seifenfabrik trafen sich etwa 300 Ophthalmologen. In 77 Vorträgen, Fortbildungsmodulen und Posterpräsentationen wurde „ein breites Programm für den Wissens- und Erfahrungsaustausch geboten, das für jeden Augenarzt von Interesse ist“, betonte die Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Susanne Binder.

Nicht weniger als neun Beiträge beschäftigten sich mit Anwendungen der Anti-VEGF-Therapie mit dem monoklonalen Antikörper Bevacizumab. In ersten Studien wird die Substanz topisch zur antian­giogenetischen Therapie der Kornealen Neovaskularisation eingesetzt. An der Wiener Universitätsaugenklinik wurde intravitreales Bevacizumab bei Patienten mit Makulaödem nach retinalen Venenverschlüssen erprobt. Nach zwölf Monaten, erklärte Prof. Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, zeigte sich eine signifikante Verbesserung des Visus, sowie eine signifikante Abnahme der zentralen Netzhautdicke.

Interdisziplinäre Diagnostik

Die gute Zusammenarbeit der Augenklinik mit der Inneren Medizin am Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinische Privat-Universität betonte Doz. Dr. Herbert Reitsamer. Der Ophthalmologe ist auf den Einsatz der Doppler Sonografie und der statistischen und dynamischen Gefäßanalyse in der klinischen Praxis spezialisiert. Diese ermöglicht eine quantitative Einschätzung von vaskulär bedingten Erkrankungen des Auges, wie z. B. der diabetischen und hypertensiven Retinopathie. Grundlage ist die arteriovenöse Ratio, das ist der Quotient aus den Durchmessern der Arterien und Venen im Augenhintergrund. Die Augengefäße bieten eine gute Vorhersagemöglichkeit auch bei systemischen Erkrankungen wie endotheliale Dysfunktion, Bluthochdruck und Hypothonie. Zurzeit laufen Studien zu zerebrovaskulären Erkrankungen, KHK, Herzinsuffizienz, Metabolisches Syndrom, renale Dysfunktion und Diabetes. Die primär auf die Augenheilkunde ausgerichtete Untersuchungskompetenz wurde also zur unterstützenden Diagnostik bei interdisziplinären Fragenstellungen in der inneren Medizin und Neurologie erweitert. In den vergangenen zwei Jahren wurden die Vorarbeiten für eine Gründung einer interdisziplinären Durchblutungsambulanz getroffen.

Späte Nebenwirkung

„In fünf bis zehn Jahren wird uns dieses im Moment ein wenig weit hergeholt erscheinende Problem eingeholt haben.“ Mit diesen Worten kündigte der Vorstand der Universitäts-Augenklinik Salzburg, Prof. Dr. Günther Grabner, den Vortrag seiner Innsbrucker Kollegin Prof. Dr. Lilly Speicher an. Das anstehende Problem: Bei Patienten, die einen refraktiven Eingriff hinter sich haben, ist die für die Kataraktoperation nötige Berechnung der künstlichen Linse (IOL) schwierig. Die gängigen Formeln beruhen auf einer normalen Hornhaut-Form. Nach der refraktiven OP (nach LASIK oder PRK) funktioniert das nicht mehr, weil die Krümmungen der äußeren Oberfläche verändert sind. Je mehr Daten über die Verhältnisse vor der Refraktiven Chirurgie vorhanden sind, desto besser. Speicher wies darauf hin, dass die Ungenauigkeit in der Linsenberechnung als eine postoperative Komplikation anzusehen sei und Patienten eigentlich bereits vor dem refraktiven Eingriff darauf hingewiesen werden müssten. In einer Sitzung der Kommission für Refraktive Chirurgie der ÖOG während des Kongresses wurde auch besprochen, einen Refraktionspass zu entwickeln, in dem die voroperativen Daten dem Patienten mitgegeben werden können.

Dem trockenen Auge vorbeugen

Einen Ansatz zur Vermeidung des durch Computerarbeit hervorgerufenen trockenen Auges präsentierte die Grazer Augenklinik in Form eines Posters. Jeder, der viele Stunden lang konzentriert in den Computerbildschirm schauen muss, kennt das Problem: Die Augen brennen und fühlen sich an, als hätte jemand Sand hineingestreut. Ursache ist eine zu geringe Frequenz des Lidschlags. Bis zu einer Minute kann ohne Blinzeln vergehen – aber schon nach 20 Sekunden kann der Tränenfilm abreißen. Typische Beschwerden und Folgeschäden des trockenen Auges sind die Folge. Eine konstante Befeuchtung der Augenoberfläche ist jedoch die Voraussetzung, dass sich kein trockenes Auge durch übermäßige Verdunstung der Tränenflüssigkeit ausbildet. Ein Computerprogramm, das in regelmäßigen Zeitintervallen ein farbiges Zeichen auf den Bildschirm erscheinen lässt und den Betrachter daran erinnert, bei der Computerarbeit zu blinzeln, soll dem trockenen Auge vorbeugen helfen. Untersuchungen an Freiwilligen zeigen, dass die Probanden dadurch regelmäßig blinzeln. Die Autoren des Posters hoffen, dass durch diese Information das für die Befeuchtung der Augenoberfläche notwendige Blinzeln in physiologischen Abständen durchgeführt wird. Denkbar ist eine Erweiterung mit einer am PC angeschlossenen Kamera, die das Blinzelverhalten erkennt.

Die Abstracts aller Vorträge der Tagung sind erschienen in Spektrum der ­Augenheilkunde, Band 22 Heft 2 2008 © SpringerWienNewYork

Inge Smolek, Ärzte Woche 20/2008

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