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Augenheilkunde 17. April 2008

Doch nicht so zielgerichtet?

Die Ergebnisse einer Studie des indisch-stämmigen US-Wissenschaftlers Jayakrishna Ambati von der University of Kentucky in Lexington widersprechen einer herrschenden Lehrmeinung. Demnach wirke eine neuartige Therapie, die Gene gezielt stummschalten soll, auf andere Weise, als bislang angenommen.

Ambati baut bei die Erforschung der „small interfering RNA Technologie“ auf den Erkenntnissen von Craig C. Mello und Andrew Z. Fire auf, die dafür 2006 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Diese hatten eine Technik gefunden, mithilfe von Boten-RNA (mRNA) gezielt spezifische Gene zu zerstören. Dabei wird der Vorgang der RNA-Interferenz genutzt, eine Methode zum gezielten Stummschalten von einzelnen Genen.
2001 gelang es erstmals, den Mechanismus nicht nur im einfachen Tiermodell, sondern auch in menschlichen Zellen anzuwenden, in dem die RNA in winzige Schnipsel, sogenannte small interference RNA (siRNA), zerteilt wurde.

Arzneimittel gegen pathologische Angiogenese

Die Entwicklung der small-interfering-RNA-Technologie versprach eine Revolution in der Behandlung von Krankheiten, bei denen es zu massiven Neubildungen von Blutgefäßen kommt: Beim Krebswachstum, bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei der feuchten Form der Altersbezogenen Makuladegeneration (AMD). Bei letzterer Erkrankung kommt es zum Einwachsen pathologischer Gefäße unter die Netzhaut (choroidale Neovaskularisation) und Erblindung.
Für die Behandlung der AMD wurde auch das erste Medikament entwickelt, das auf der RNA-Interferenz-Technologie basiert. siRNA, mit der Bezeichnung Bevasiranib, soll – in den Glaskörper injiziert – zu einer selektiven Hemmung eines Wachstumsfaktors der Gefäßneubildung VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) führen. Er wird zurzeit in einer klinischen Phase-III-Studie erprobt.

Breite, statt selektive Wirkung

In der nun in Nature veröffentlichten Arbeit konnten Ambati und sein Team jedoch keine selektive Wirkung finden. Zwar wurde das Wachstum von Blutgefäßen in der Netzhaut von Versuchsmäusen verlangsamt. Aber dieser Effekt trat unabhängig davon ein, welche von unterschiedlichen Sequenzen siRNA injiziert wurde.
Ambati geht davon aus, dass die Arznei das Immunsystem im Auge ganz allgemein fördert und damit das Wachstum der Blutgefäße in der Netzhaut unterdrückt. Er sagte, dass diese Untersuchung zeige, dass siRNAs die pathologische Angiogenese unabhängig davon unterdrücken könnten, welches Gen dabei angesteuert wird.
Auf den ersten Blick ein Vorteil. Allerdings warnt Ambati vor unerwünschten Wirkungen. Denn wie in seiner Studie gezeigt, können die siRNAs zur Zerstörung von anderen Zellen innerhalb des Auges führen. Diese Mittel sollten, meint der Forscher, zur Vermeidung von Komplikationen nur mit großer Vorsicht in klinischen Studien angewendet und der genaue Wirkmechanismus erforscht werden.

Quellen: Nature 452, 591-597 (3 April 2008); :
Triumphs and tribulations for RNA interference, 26. März 2008
Gynäkologe 2006, 39:996-999,
© SpringerMedizin Verlag

Inge Smolek, Ärzte Woche 16/2008

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