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Augenheilkunde 9. April 2008

Faszinierende Einblicke

Das Sehorgan birgt eine große Vielfalt feinster Strukturen und Funktionssysteme, die, feinst aufeinander abgestimmt, dafür sorgen, dass die Umwelt optisch wahrgenommen werden kann. Lichtmikroskopie, Elektronen- und Rasterelektronenmikroskopie haben hier neue, zuvor ungeahnte Einblicke eröffnet und zugleich die Einsichten über die Funktion wesentlich erweitert.

Die Idee lag nahe: Die in ihrer speziellen Ästhetik beeindruckenden Bilder, die moderne Untersuchungsmethoden vom menschlichen Sehorgan in zunehmender Qualität liefern, in einem Bildband zu veröffentlichen. Prof. Dr. Elke Lütjen-Drecoll und Prof. Dr. Johannes W. Rohen vom Anatomischen Institut II der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg waren dem Vorschlag des Augenarztes und Verlegers Dr. Reinhard Kaden sofort zugetan, ein solches Buch zu gestalten. Aber ein reines Bilderbuch, das war bald klar, konnte es nicht werden.
Die beiden Anatomen wollten vielmehr zum Staunen über die prachtvollen, auch winzigste Details der Gewebestrukturen preisgebende Ansichten, das Staunen und Verstehen hinzufügen, wie Sehen funktioniert.
So vermitteln nun im Augenwunderbuch erklärende Texte, Grafiken und Bilder beispielsweise, wie das System rund um die Augenlinse für Akkomodation und Desakkomodation (Bild und Grafik links oben) sorgt. Oder, wie im Bild rechts oben, die Zirkulation des eiweiß- und zellfreien, transparenten Kammerwassers (Pfeile im Schema), das die Augenlinse und die Innenfläche der Hornhaut umspült und damit den Stoffwechsel dieser beiden gefäßfreien Linsensysteme unterhält. Ganglienzellen, Schlemmscher Kanal, eine Augenlinse mit beginnendem, sternförmigem Katarakt, der Abbau der Hyaloideagefäße während der Embryonalentwicklung und vieles mehr: Noch nie war es so einfach, sich im wahrsten Sinn des Wortes ein Bild von der Schönheit und Komplexität des Wunders Auge zu machen.

 Augen
Akkomodation: Rasterelektronenmikros­kopische Aufnahme des Ziliarkörpers mit mehreren Ziliarfortsätzen und dazwischen liegenden Zonulafaser­bündeln, die nach vorne (oberer Bildrand) in die Zonulagabel übergehen. Die Zonulafasern strahlen ringförmig am Rand der Linse sowohl in die vordere als auch hintere Linsenkapsel ein.

 Augen
Kammerwasserzirkulationssystem: Ausschnitt aus der vorderen Augenhälfte nach Entfernung des Glaskörpers (Ansicht von Innen). Zu erkennen sind die Ziliarfortsätze, in denen das Kammerwasser gebildet wird, das die Linse umspült.

Fotos (4): Dr. Reinhard Kaden Verlag GmbH & Co.KG

Inge Smolek, Ärzte Woche 15/2008

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