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Augenheilkunde 19. März 2008

Früh erkennen statt spät erblinden

Am 6. März fand der erste Welt-Glaukomtag statt. Das Ziel der Initiative: Die Bevölkerung auf die wenig bekannte Krankheit aufmerksam zu machen und zu den ab 40 Jahren empfohlenen jährlichen Augenarztbesuchen zu motivieren.

„Die sprechen ja von mir!“ Prof. Dr. Siegfried Meryn war vor Jahren eingeladen worden, als Betroffener bei einem Glaukomkongress über seine persönlichen Erfahrungen als Patient zu sprechen. Im Auditorium den Ausführungen der Fachexperten lauschend, überkam ihn ein beklemmendes Gefühl: Wahrscheinlichkeiten der Erblindung, Komplikationsraten, neueste Operationsmethoden... Die emotionslos berichteten Fakten betrafen ihn im Besonderen, der an beiden Augen am Glaukom erkrankt ist.
Nun, bei der Pressekonferenz zum ersten Welt-Glaukomtag, erzählte der bekannte Mediziner den anwesenden Journalisten wiederum von seiner persönlichen Betroffenheit. „Als Arzt“, so Meryn, „bekommt man durch eine Krankheit eine stärkere Sensibilität.“

Hohe Dunkelziffer

Rund 80.000 Menschen erkranken am Glaukom, referierte Dr. Anton Hommer von der Augenabteilung des Sanatoriums Hera in Wien. Die Dunkelziffer liegt laut einer schottischen Untersuchung bei rund 50 Prozent. 35.000 Österreicher sind aufgrund der Krankheit sehbehindert. Das Glaukom macht sich anfangs nicht bemerkbar. Die Gesichtsfeldausfälle durch die unbehandelt stetig zunehmende Schädigung der Ganglienzellen der Netzhaut und deren Nervenfasern fallen Betroffenen erst spät auf. Die Sehstärke bleibt erhalten, der Blick jedoch wird zum Tunnelblick, wenn die Exkavation des Sehnervenkopfs sich vergrößert. Dieses untrügliche Zeichen wird freilich nur bei der augenärztlichen Untersuchung des Augenhintergrunds sichtbar. Deshalb gehört diese Diagnosemethode neben der Messung des Augeninnendrucks (nur die Applanationstonometrie ist exakt genug) zur Routine bei jeder augenärztlichen Untersuchung. Und bei Verdacht auf Glaukom reiht sich auch noch die Perimetrie ein. Doz. Dr.
Andrea Mistlberger, Vorsitzende der Glaukomkommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft, stellte bei der Pressekonferenz klar: „Es ist ein Kunstfehler, wenn ein Augenarzt den Augeninnendruck nicht misst.“
Ab einem Alter von 40 Jahren sollte jeder jährlich die drei Untersuchungen in Anspruch nehmen. Mit dem Weltglaukomtag wollen die Augenärzte die Patienten mit Postern und Informationsfoldern motivieren, sich regelmäßig untersuchen zu lassen. Auch Hausärzte sind aufgerufen, ihre Patienten dahingehend zu beraten und aufzuklären.

Kleine Ursache – große Wirkung

Ursache des Glaukoms ist zu 90 Prozent ein verminderter Abfluss des Kammerwassers (Offenwinkelglaukome). Erst nach fünf bis zehn Jahren treten merkbare Schäden auf, wobei die Druckempfindlichkeit des Sehnervs individuell verschieden ist. Als Risikofaktoren werden höheres Alter, Kurzsichtigkeit und erbliche Belastung angegeben. Kompliziert ist die Krankheit, weil das Glaukom nicht immer mit einem erhöhten Augeninnendruck einhergeht (Normaldruckglaukom). Beim selteneren Winkelblockglaukom kommt es zum plötzlichen Druckanstieg unter massiven Schmerzen.
Erster Behandlungsschritt ist immer die medikamentöse Glaukomtherapie. Es stehen verschiedenste Augentropfen als Einzel- und Kombinationstherapie zur Verfügung. Betablocker verringern etwa die Bildung von Kammerwasser und senken so den Augeninnendruck. Nur ein geringer Anteil der Patienten muss heute operiert werden. Mistlberger: „Sein ursprüngliches Sehvermögen können wir dem Glaukompatienten nicht zurückgeben, wir können aber den Status quo erhalten und eine Erblindung verhindern. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser sind die Aussichten. Deshalb ist die Früherkennung so wichtig.“

Inge Smolek, Ärzte Woche 12/2008

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