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Allgemeinmedizin 3. April 2008

Neues Arzneimittel gegen Prostatakrebs

Positive Ergebnisse einer Phase-III-Studie von Ferring Arzneimittel zum GnRH-Blocker Degarelix wurden anlässlich des 23. Jahreskongresses der European Association of Urology vorgestellt. Die Studiendaten zeigen eine signifikante Senkung der Testosteronwerte1,2 durch Degarelix. Innerhalb von nur drei Tagen konnte bei mehr als 96 Prozent der Patienten mit Prostatakrebs2 die Ausschüttung des männlichen Sexualhormons Testosteron, das die Produktion von bösartigen Tumorzellen anregt, unterbunden und somit der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden. Prostatakrebs ist die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern, der bei rund einem Drittel der Erkrankten tödlich endet. Erkennt man den Krebs rechtzeitig, sind die Heilungschancen sehr gut. Ob und wie schnell die entarteten Tumorzellen wachsen, hängt vom männlichen Sexualhormon Testosteron ab. Die Produktion von Testosteron wird durch Hormone angeregt, deren Freisetzung vom Gonadotropin Releasing-Hormon (GnRH) gesteuert wird. Gelingt es, das Hormon GnRH zu blockieren, sinkt der Testosteronspiegel und es kommt zu einem Rückgang bzw. Stillstand der Erkrankung. Die neuen Daten der Phase-III-Studie zeigen, dass der Wirkstoff Degarelix einen äußerst raschen Effekt auf die Senkung der Testosteronwerte hat – vergleichbar mit der Sofortwirkung der chirurgischen Entfernung der Hoden (Orchiektomie), die in jedem Fall allerdings eine irreversible Impotenz zur Folge hat2,3.
Im Rahmen der Studie wurde die monatliche Verabreichung von Degarelix mit der ebenfalls monatlichen Gabe von 7,5 mg des LHRH-Agonisten Leuprorelin in einer 12-monatigen randomisierten offenen Studie mit parallelen Gruppen an Patienten mit Prostatakarzinom (PCa) verglichen. Im Vergleich zu Leuprorelin bewirkte Degarelix eine deutlich raschere Unterdrückung des Serum-Testosterons und des prostataspezifischem Antigens (PSA). Darüber hinaus konnten diese niedrigen Werte mit Degarelix während der gesamten 12-monatigen Studie gehalten werden2.
Innerhalb von nur drei Tagen waren der Testosteronspiegel bei 96,1 Prozent der Degarelix-Patienten auf den erforderlichen Wert von <_ 0,5 ng/ml gesunken. Kein einziger Patient, der Leuprorelin erhielt, erreichte diesen Hormonstatus. Bis zum Tag 14 sank der Testosteronspiegel bei 100 Prozent der Degarelix-Patienten auf diesen Wert. In der Vergleichsgruppe erreichten das nur 18,2 Prozent der Patienten2.
„Unser Ziel ist die beständige, rasche und dauerhafte Senkung der Testosteronwerte“, so John Anderson, Facharzt für Urologie und spezielle urologische Chirurgie am The Royal Hallamshire Hospital in Sheffield, Großbritannien. „Diese neuen Daten belegen, dass Degarelix eine äußerst rasche Wirkung zeigt, die der Unmittelbarkeit eines chirurgischen Eingriffs gleichkommt.“
Das Prostata-spezifische Antigen (PSA) ist ein wichtiger Indikator für das Ausmaß der Krebserkrankung und wird für die Verlaufskontrolle des Prostatakarzinoms herangezogen. Nach einer Behandlungsdauer von zwei Wochen waren die PSA-Werte bei den mit Degarelix behandelten Patienten um 64 Prozent (Medianwert) gesunken, bei den mit Leuprorelin behandelten Patienten dagegen um 18 Prozent. Beide Therapien wurden gut vertragen und zeigten ähnliche Nebenwirkungsprofile. „Die Patienten wollen eine medizinische Behandlung, die ebenso wirksam ist wie die Orchiektomie, jedoch ohne die damit verbundenen unangenehmen physischen und psychischen Folgen“, kommentiert Dr. Erik Bries vom belgischen Patientenverband Europa Uomo. „Eine medikamentöse Behandlung mit äußerst rascher Testosteron-Unterdrückung wäre eine höchst willkommene Alternative für Männer mit Prostatakarzinom.“
Degarelix ist eines der ersten Medikamente einer völlig neuen Klasse von GnRH-Blockern, das zurzeit für die Behandlung von Prostatakarzinom entwickelt wird. Degarelix wurde einem umfangreichen klinischen Programm mit mehr als 20 Studien unterzogen. Alle Studien zeigten die Sicherheit und die gute Verträglichkeit von Degarelix, wobei keine systemischen allergischen Reaktionen auftraten2,4,5. Die Zulassung in Österreich wird mit Anfang nächsten Jahres erwartet.

Literatur:
1 Van Poppel H et al., Degarelix Study Group; Abstract (23.) Euro Urol Suppl 2007;6(2):28.
2 Boccon-Gibod L et al., Abstract 537 vorgestellt beim 23. Jahreskongress der EAU in Mailand (Italien) 2008.
3 Nielsen S et al., Abstract 539 vorgestellt auf dem 23. Jahreskongress der EAU in Milan, Italien, 2008.
4 Gittelman M et al., Poster vorgestellt bei der 1. EMUC in Barcelona vom 2.-4.11.2007.
5 Tammela T et al., Abstract No. 904, European Urology Supplements 4 (2005) Nr.3, S. 228 f.

Quelle und Rückfragehinweis:
Ferring Arzneimittel GmbH
Dr. Bernhard Bachna
01/60 808 – 26

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