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Allgemeinmedizin 9. April 2008

ERWO-Pharma: Neustart aus Begeisterung

Wenn ein Manager einen „Golden Handshake“ bekommt, so sagt er, denkt man, „Danke!“ und entschwindet in ewigen Urlaub. Nicht so der „gelernte“ Mediziner Dr. Ernst Wolensky. Er sagte „Jetzt erst recht!“ und gründete bereits im Vorjahr das Nycomed Spin-Off ERWO-Pharma. Sein Credo ist gleichermaßen geradlinig wie unmissverständlich: Der Betrieb lebt nicht vom Umsatz, sondern vom Profit. Nach stillem Start bewegt sich ERWO nach nur einem Jahr laut eigenen Angaben auf Platz 17 des OTC-Firmen-Rankings und mit Jahresende träumt Wolensky von vier Millionen Euro Umsatz. Ein smartes Portfolio aus OTC- und Pharma-Produkten sowie das Schlankheitsmittel Liposinol® sollen das ermöglichen. Statt großer Töne liebt der begeisterte Menschenmotivierer Wolensky eher harte Arbeit. Dem Vater einer 8-jährigen Tochter und „begeisterten“ Heurigenbesucher mit Wohnsitz Pfaffstätten mitten in den Weinbergen südlich von Wien ist Stillstand ein Greuel.
Er fordert vom Zuhörer höchste Konzentration, wenn die Zukunftsvisionen ERWO-Pharma betreffend aus ihm geradezu herausschießen. Glaubwürdige Visionen, wenn man ein wenig hinter die Kulissen blickt. Dabei war Wolensky während seiner gesamten bisherigen Pharma-Laufbahn Konzern-Legionär und nicht Entrepreneur.
Diese Sehnsucht entstand aus der sich ständig verengenden, steriler werdenden Arbeitswelt – ein Gegenwarts-Phänomen, das für Konzerne allgemein hohe Gültigkeit hat. Parallel dazu entstand die Sehnsucht, in einem österreichischen Unternehmen zu arbeiten. Da es aber bekanntlich nicht viele heimische Pharmafirmen gibt, gründete Wolensky der Einfachheit halber kurzerhand seine eigene.
Bereits ein knappes Jahr nach der Gründung ist das Unternehmen, das zahlreiche Erfolg versprechende, aber auch einige arrivierte Produkte unter seine Verkaufsfittiche nahm, gezwungen, mit dem eigenen Credo zu brechen. Es muss nun doch ein klein wenig im benachbarten Ausland produziert werden. ERWO kann bereits sehr viel, könnte aber noch mehr. Neben zahlreichen Handelslizenzen darf man sogar Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika und selbst Lebensmittel produzieren.
Die Organisation ist betont schlank. Derzeit arbeitet man von einer kostengünstigen Business Base aus mit nur sechs Mitarbeitern, die bis Jahresende auf zehn aufgestockt werden sollen. Dienstleistungen wie Marketing werden dort zugekauft, wo sie benötigt werden, um teure Personalposten zu vermeiden. Plausibel, denn einschlägige Dienstleister stehen unter wesentlich höherem Erfolgsdruck als jeder Gehaltsempfänger. Eine klare Sache, die aber noch nicht allerorts verstanden wird.
Stichwort schlank – dieser Begriff spielt auch in anderer Hinsicht eine wichtige Rolle. Liposinol® heißt das Zauberwort in den Gängen von ERWO-Pharma. Von diesem pflanzlichen Schlankmacher aus den Fasern des Feigenkaktus sollen bereits vor Einführung Packungszahlen verkauft worden sein, die ein begeistertes Lächeln in Managergesichter zaubern. Die Pille, die aus dem Kaktus kam und nur exklusiv in Apotheken erhältlich sein wird, macht in Großbritannien und Skandinavien bereits seit zwei Jahren Furore. Präsentiert wird das neue Produkt am 17.4.2008 in einer Pressekonferenz im ORF-Funkhaus in Wien von keinem Geringeren als dem Grazer Magen-Darm-Doyen Prof. Günther Krejs. Das Wirkprinzip besteht – vereinfacht – darin, dass die pflanzlichen Bestandteile Nahrungsfette binden, diese gelartigen Faser-Wasser-Fett-Komplexe das Sättigungsgefühl erhöhen und die gefürchteten Heißhungerattacken verhindern. All das wird im Gegensatz zu allen anderen Schlankmachern durch Einnahme nach den Mahlzeiten erreicht, sodass man gleichsam von einem pflanzlichen Digestiv sprechen könnte.
Wer aber nun hinter ERWO eine Neuauflage von Hildegards freundlich abzockender Pflanzenmedizin vermutet, irrt gewaltig. In der Pipeline für die nächste Zukunft steht ein Gen-diagnostisches System, das in der Lage sein soll, die Bösartigkeit von Tumoren und damit deren Prognose zu analysieren. Das wird dem Gesundheitssystem tatsächlich dienen, denn damit sollen superteure onkologische Therapien an Patienten, die diese gar nicht benötigen, weitgehend der Vergangenheit angehören.

Dr. Wolfgang A. Schuhmayer, MedCommunications

Quelle und Rückfragehinweis:
ERWO-Pharma GmbH
Europaring 15/202
2345 Brunn/Gebirge
02236/320255

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