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Allgemeinmedizin 5. Juni 2008

„Stiller Killer“ auf dem Vormarsch

Am 19. Mai 2008 fand der fünfte „World Hepatitis Awareness Day“ statt. Laut einer Studie des RobertKochInstituts liegt das HepatitisCVirus an zweiter Stelle der gefährlichsten Krankheitserreger – nach dem InfluenzaVirus und noch vor HIV. Nach einer weltweiten Schätzung leidet jeder Zwölfte an einer viralen Infektion mit Hepatitis. Etwa 12 Millionen Menschen in Europa und 180 Millionen Menschen weltweit sind mit Hepatitis C infiziert, allein in Österreich gibt es ca. 80.000 Betroffene. Damit ist die Anzahl von HepatitisCInfizierungen siebenmal so hoch wie jene für HIV/Aids. Gleichzeitig darf Hepatitis B nicht vernachlässigt werden. Das Infektionsrisiko ist 100mal höher als für HIV/Aids. „Trotz nationaler Impfprogramme ist die Hepatitis B in Westeuropa aufgrund globaler Entwicklungen wieder im Zunehmen. Eine spät diagnostizierte HepatitisBInfektion mit fortgeschrittener Lebererkrankung wird besonders bei Personen mit Migrationshintergrund beobachtet“, berichtet Prof. Dr. Markus PeckRadosavljevic, Klinik für Innere Medizin III, MedUni Wien.
In Zusammenhang mit den alarmierenden Zahlen erhebt die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ), eine der größten gemeinnützigen Patientenorganisationen in Österreich, zwei wesentliche Forderungen an die Politik:
1. Annahme einer EURatsempfehlung über „Vorsorgemaßnahmen zu viraler Hepatitis in Europa”, um die Früherkennung und einen breiteren Zugang zu Behandlung und Versorgung zu gewährleisten.
2. Verpflichtung der Bundesregierung und der übrigen EUMitgliedstaaten, die vom Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) aufgestellten Kriterien zur Kontrolle/Überwachung von viraler Hepatitis anzuwenden.
Eine wesentliche Verbesserung der Dunkel oder Krankheitsfälle kann durch Tests erreicht werden. „Derzeit planen viele europäische Länder die Einführung nationaler ScreeningProgramme, unklar ist jedoch, wer und wie gescreent werden soll. Eine unserer Studien zeigt, dass Screening nur in Populationen mit erhöhter HepatitisCVirusPrävalenz kosteneffektiv ist“, berichtet Prof. Dr. Uwe Siebert, Department of Public Health, Medical Decision Making and Health Technology Assessment (UMIT), Hall in Tirol.

Therapie

Hepatitis B und C werden auch als „stiller Killer” bezeichnet, denn sie werden häufig nicht entdeckt und können zu Leberzirrhose, Leberkrebs und tödlichem Leberversagen führen. Die einzige Behandlungsoption im späten HepatitisCStadium ist die Lebertransplantation. Circa 60 Prozent der späten Stadien könnten aber durch rechtzeitige antivirale Therapie vermieden werden. „Die akute Hepatitis B heilt in 95 Prozent der Fälle aus. Für die nicht ausheilenden steht uns heute ein Repertoire an Therapieoptionen zur Verfügung, das sich aus Interferonen und Nukleosid und Nukleotidanaloga zusammensetzt“, so Prof. Dr. Edward Penner, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, MedUni Wien.
„Bei der chronischen Hepatitis C kann bei etwa 40 bis 50 Prozent der Patienten mit Genotyp1 und 70 bis 85 Prozent der Patienten mit Genotyp2 und 3 eine Heilung erzielt werden. Die derzeitige Standardtherapie besteht in einer Kombination aus Peginterferona plus Ribavirin“, so Doz. Dr. Michael Gschwantler, 4. Medizinische Abteilung, Wilhelminenspital, Wien. Ein Teil der Patienten kann unter der antiviralen Therapie eine Reihe von Nebenwirkungen entwickeln. Um diese rasch zu erkennen und entsprechend reagieren zu können, müssen während der Therapie zunächst alle zwei Wochen, später in vierwöchigen Abständen klinische Kontrolluntersuchungen und Laborkontrollen durchgeführt werden. „Die lange Therapiedauer und die möglichen Nebenwirkungen stellen besondere Anforderungen an den Arzt: Neben großer Erfahrung mit der Therapie ist für ihren Erfolg der Aufbau eines guten Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Arzt entscheidend. An den wichtigsten gastroenterologischen Abteilungen wurden deshalb Spezialambulanzen für HepatitisPatienten eingerichtet“, so Gschwantler.
Wichtig ist auch die Entwicklung neuer Substanzen zur HPCTherapie. „Am vielversprechendsten sind Proteasehemmer. Erste Ergebnisse wissenschaftlicher Studien deuten darauf hin, dass durch die Zugabe von Proteasehemmern zur derzeitigen Standardtherapie die Heilungschancen beim Genotyp1 um ungefähr 20 Prozent gesteigert werden können“, berichtet Gschwantler.

Quelle und Rückfragehinweis:
Hepatitis Hilfe Österreich – Plattform Gesunde Leber
01/4932111 oder 02234/72283

HHÖ/EM

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