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Allgemeinmedizin 19. Juni 2008

„Cancer Tales“

Von 29. bis 31. Mai fand in Salzburg die 16. Wissenschaftliche Tagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft statt. Einen wichtigen Punkt auf der Tagesordnung stellte dabei das Thema „Kommunikation mit Krebspatienten“ dar. Um auf die Problematik einer umfassenden Verständigung mit Krebspatienten aufmerksam zu machen und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wurde das Bühnenstück Cancer Tales – Krebsgeschichten von Nell Dunn aufgeführt.

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„Na ja, wir haben die Ergebnisse bekommen und die Eierstöcke sind negativ, die Ultraschalluntersuchung, die scheint auch ganz in Ordnung zu sein, allerdings haben wir auf der Gebärmutter ein Karzinom gefunden (…).“

Foto: Welldone Werbeagentur GmbH

Die Medizin weiß, wie man Krebs therapiert. Weiß sie jedoch auch, wie man einem Patienten die Diagnose näher bringt? Um auf diese Frage und der damit verbundenen Thematik einer angemessenen Kommunikation mit Krebspatienten aufmerksam zu machen, wurden die Cancer Tales aufgeführt. „Sie sind ein wirksames Instrument, um die Ärzte in ihrer Gesprächsführung zu sensibilisieren und ihr Bewusstsein zu dieser Thematik zu schärfen. An den Cancer Tales ist zu sehen, dass es kein Patentrezept in der Verständigung mit Krebspatienten gibt. Kommunikation bedarf einer persönlichen Einlassung und Authentizität, aber vor allem Sensibilität. In manchen Situationen sind Worte überflüssig und es ist besser, bei den Patienten zu sein und nur deren Hand zu halten, um sie zu unterstützen“, fasst Prof. Dr. Rudolf Likar, Ärztlicher Leiter der interdisziplinären Schmerzambulanz am Landeskrankenhaus Klagenfurt und Präsident (past) der österreichischen Schmerzgesellschaft, seine Einstellung zusammen.
Die Cancer Tales zeigen anhand von zwei wahren Schicksalen, wie Patienten mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurden, wie sie fühlten, dachten, kämpften und behandelt werden wollten. „Es ist unglaublich, wie viele Personen von Krebs betroffen sind. Das Sterben wird unter den Teppich gekehrt, abgeschoben, denn das passiert im Spital und im Hospiz. Ich finde es sehr mutig an dem Stück, dass es die sterbenden Personen in den Mittelpunkt stellt. Dass es nicht nur zeigt, wie die Verwandten betroffen sind, sondern die Sterbenden selber“, fasst die Regisseurin des Stücks, Dr. Victoria Martin vom Max Reinhardt Seminar, ihre Intention zusammen.

Wenn Krebspatienten erzählen

Das Bühnenstück Cancer Tales dient als Basis für das Arbeitsbuch Cancer Tales – Communicating in cancer care, das für alle gedacht ist, die Krebspatienten betreuen, um deren kommunikativen Fähigkeiten in diesem Kontext zu verbessern. Das Originalstück der englischen Schriftstellerin Nell Dunn basiert auf wahren Erlebnissen von fünf Patienten und zeigt deren Geschichten von der Diagnose bis hin zur Heilung oder dem Tod. Für die auf zwei Patientengeschichten gekürzte Fassung, die am 29. Mai 2008 bei der 16. Wissenschaftlichen Tagung der Österreichischen Schmerzgesellschaft im Ferry Porsche Congress Center in Zell am See aufgeführt wurde, wurden die Geschichten von Marilyn und Anna ausgewählt. Anna überlebt und Marilyn stirbt. „Es war mir sehr wichtig, keine Geschichte mit Happy End daraus zu machen. Denn es ist auch in der Realität so, dass Krebs nicht für alle gut ausgeht“, so die Regisseurin. Bei der Inszenierung stand vor allem die Arzt-Patienten-Beziehung im Vordergrund, um einen Impuls für das Arzt-Patienten-Gespräch zu setzen, wie Ärzte mit Patienten umgehen und umgekehrt. „Dabei haben wir erkannt, dass jeder ganz anders mit seiner eigenen Krankheit umgeht, und dass dieses Wort, das für den einen Patienten genau das richtige Wort ist, für den anderen genau das falsche Wort ist. Wir haben versucht, die Subjektivität des einzelnen Erlebnisses hervorzukehren“, beschreibt Martin ihre Absicht. In den Rollen der Patienten und der behandelnden Ärzte waren Schauspieler des Max Reinhardt Seminars zu sehen. Das Bühnenstück Cancer Tales wurde mit freundlicher Unterstützung von Mundipharma Ges.m.b.H aufgeführt.

Über die Kommunikation mit Patienten

Ärzte wissen, welche Untersuchungen für eine fundierte Diagnose notwendig sind und wie Krebs zu behandeln ist. Bei der Übermittlung der Diagnose gibt es jedoch oft Schwierigkeiten mit der Kommunikation. Die Patienten haben Fragen, die unbeantwortet bleiben. Dadurch werden die Patienten und deren Angehörige oftmals noch mehr verunsichert, als sie es ohnehin schon sind. Cancer Tales dienen als Basis für das Arbeitsbuch Cancer Tales – Communicating in cancer care, das sowohl für Angehörige von Patienten als auch für medizinische Berufe, die nicht nur ausschließlich mit Krebspatienten zu tun haben, gedacht ist, um das Problem bewusst zu machen und über richtige Kommunikation zu informieren und diese anzuwenden. Neu an dem Arbeitsbuch ist, dass auch die Patienten zu Wort kommen und deren Sichtweise gezeigt wird. Prim. Doz. Dr. Michael A. Fridrik, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin 3 – Zentrum für Hämatologie und medizinische Onkologie am Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Linz, war an der Entstehung des Buches, welches bisher nur in englischer Sprache verfasst ist, maßgeblich beteiligt. „Offenbar ist eine sensible Kommunikation in unserer Gesellschaft völlig verloren gegangen. Es ist erschütternd, wie wenig sensibel die Kommunikation selbst von Patient zu Patient stattfindet. Man sollte glauben, dass Patienten, die selbst Krebs haben oder gehabt haben, die Problematik kennen. Ich stelle immer wieder fest, dass die Verständigung von Patient zu Patient auf Selbstdarstellungen und auf Horrorgeschichten beschränkt ist. Umso schlimmer wird die Situation, wenn Angehörige oder auch Freunde und Bekannte mit den Patienten kommunizieren. Selbst bei medizinischem Personal finden sich beträchtliche Defizite. Noch immer glauben manche, es wäre richtig, den Patienten möglichst wenig oder auch die Unwahrheit zu sagen, um sie nicht zu entmutigen. Statt Mitgefühl wird Mitleid gegeben. Oft werden diese Probleme auch an den Psycho-Onkologen delegiert, ohne dass man sich selbst auf ein ehrliches Gespräch einlässt“, fasst Fridrik seine Intention zusammen, an dem Projekt mitzuarbeiten. Um das Thema der Patientenkommunikation nachhaltig zu verankern, sei es langfristig aber dringend nötig, die Kommunikation in die Ausbildung medizinischer Berufe aufzunehmen, fordert Fridrik.

Informationen zum Arbeitsbuch Cancer Tales – Communication in cancer care finden Sie unter:
www.cancertales.org

Rückfragehinweis:
Welldone Werbeagentur GmbH
Mag. Elisabeth Kranawetvogel
Lazarettgasse 19/4. OG, 1090 Wien
01/4021341 – 40

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