zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 20. Februar 2008

Weniger Risiko für den Recurrens-Nerv

Ob subtotale oder partielle Resektion der Schilddrüse – vorübergehende und anhaltende Recurrensparese stellen immer noch die häufigste postoperative Komplikation dar. Wenngleich dieses Risiko in den letzten Jahren gesunken ist, ist es in der Vorstellung des Patienten immer noch omnipräsent. Als erstes österreichisches Spital setzt das Evangelische Krankenhaus-Wien seit kurzem eine neue, noch präzisere Ultraschall-Schere ein. Mehr als 9.000 Schilddrüsenoperationen werden pro Jahr in Österreich durchgeführt, davon allein 3.000 in Wien. Indikationen für eine Schilddrüsenoperation sind Euthyreote Struma nodosa, Struma multinodosa Grad II, hyperthyreote Struma mit Zusatzindikationen und Schilddrüsenkarzinom.
Die heikle Lage von Schilddrüse und Glandulae parathyroideae bedeuten für den Chirurgen immer noch eine Herausforderung. Schließlich gilt es, ausreichend viel Schilddrüsengewebe zu entfernen und gleichzeitig die unmittelbar benachbarten, feinen Strukturen maximal zu schonen und Nervenschädigungen auszuschließen. Das bisherige Standardverfahren, das Arbeiten mit dem Cauter, bedarf sehr erfahrener Chirurgenhände, denn es wird dabei mit elektrischem Strom gearbeitet und damit sind Verbrennungen des umliegenden Gewebes trotz Kontrollgeräten nie ganz auszuschließen.
Erstmals in Österreich wird nun seit kurzem im Evangelischen Krankenhaus-Wien ein innovatives Instrument bei Schilddrüsen-Operation eingesetzt: Eine weiter entwickelte, noch präzisere Ultraschall-Schere. „Damit kann man nicht nur ,unblutig‘ und ohne Verbrennungsgefahr, sondern bei Bedarf in allernächster Nähe feinster Gewebestrukturen arbeiten, ohne mit den sensiblen Stimmbandnerven auch nur in Berührung zu kommen“, gibt sich Chefchirurg Prof. Dr. Wolfgang Feil von der neuesten Technologie begeistert. Denn „die vier Nebenschilddrüsen, die bei solchen Eingriff immer besonders gefährdet sind, sind durch das unblutige Arbeiten frei sichtbar und die ergonometrisch optimierten, feinen Scherenenden erlauben ein Arbeiten unter größtmöglicher Schonung aller unmittelbar benachbarten Gewebsstrukturen.“
Feil, dessen fachliche Inputs in die Entwicklung dieser neuen Scherengeneration von der Firma Ethicon eingeflossen sind, führt nach den ersten, mit der neuen Ultraschall-Schere durchgeführten Eingriffen weitere Patientenvorteile ins Treffen: „Die gute Sicht aufs Operationsfeld verkürzt die OP-Zeit. Es sind keine Drainagen erforderlich. Patienten können am selben Tag wieder essen und haben aufgrund des wenig traumatischen Eingriffs vorübergehend nur eine kleine Schwellung am Hals.“ Das neue Präzisionsinstrument (UltraCision-Focus“) wird übrigens seit einigen Tagen auch im AKH Linz sowie in einem Vorarlberger Spital eingesetzt.

Quelle und Rückfragehinweis:
Consulta1
Mag. Karin Hönig-Robier
01/4702526

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben