zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 30. April 2008

COPD, Asthma und Sport

COPD und Asthma sind Krankheiten mit einem ähnlichen Hauptsymptom – der Atemnot. Für beide Krankheiten soll daher ein ausreichendes Maß an Bewegung Teil eines umfassenden medizinischen Managements sein. Experten fordern zudem mehr Lungenfunktionstests und ein Rauchverbot in Lokalen und auf öffentlichen Plätzen.

 Pressekonferenz
v.l.n.r. Prof. Dr. Paul Haber, Herbert Hodac (Patient), Otto Spranger, Prim. Prof. Dr. Otto Burghuber und Dr. Christian Dreger (AstraZeneca Geschäftsführer).

Foto: Pressefoto.at / Thomas Preiss

Weltweit gesehen nehmen die COPD-Erkrankungsfälle exponentiell zu. Gemäß der WHO wird die COPD bis zum Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache, nach Herzkreislauf-Erkrankungen und dem Schlaganfall, in der westlichen Welt sein. „Einer aktuellen Studie1 zufolge leiden 26 Prozent der Österreicher an einer leichten Obstruktion und rund elf Prozent weisen eine behandlungsbedürftige COPD auf. Nur jeder Zweite wird diagnostiziert bzw. nur fünf Prozent wissen, dass sie daran leiden“, berichtet Prim. Prof. Dr. Otto Burghuber, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie. Dabei sei die COPD eine zu 100 Prozent verhinderbare Krankheit. Zur Früherkennung und Prävention fordert Burghuber eine Lungenfunktionsmessung vor allem bei Rauchern ab dem 40. Lebensjahr sowie ein absolutes Rauchverbot in Lokalen und öffentlichen Räumen.

Geißel Asthma

„Heute sind sieben bis zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung Asthmatiker. Lediglich 20 Prozent der Patienten werden angemessen behandelt“, sagt Otto Spranger, Sprecher der Österreichischen Lungenunion. Etwa 80 Prozent dieser Patienten leiden auch an einer Allergie. Spranger kritisiert: „Die Lunge spielt in der derzeitigen Vorsorgeuntersuchung keine Rolle.“ Er fordert ein Umdenken von Seiten der Krankenkassen und tritt darüber hinaus für mehr Präventionsmaßnahmen ein, wie Lungenfunktionstests beim Allgemeinmediziner und Schulungen für Betroffene, etwa zum Umgang mit Medikamenten.

Sport als therapeutische Maßnahme

Das Symptom der Atemnot schränkt den Bewegungsumfang der Patienten ein. Dies führt dazu, dass die Patienten Anstrengungen meiden, Aktivitäten des Alltags vernachlässigen und sich in vielen Fällen sozial zurückziehen. „Ein gesunder Mensch ist eineinhalb Stunden pro Tag in Bewegung, ein COPD-Patient in der Frühphase der Erkrankung dagegen nur die Hälfte dieser Zeit“, erklärt Prof. Dr. Paul Haber, Leiter der Abteilung Sport- und Leistungsmedizin sowie der Klinischen Abteilung für Pulmologie, Klinik für Innere Medizin IV, Medizinische Universität Wien.
Sein Appell an die behandelnden Ärzte: Ein regelmäßiges, individuell an die Leistungsfähigkeit angepasstes Patiententraining soll als Teil des medizinischen Managements gesehen werden. „Mittels Ausdauertraining kann die Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Patienten erhöht und mittels Muskelaufbautraining eine altersentsprechende Muskelmasse aufgebaut werden“, so Haber. Zusätzlich senkt eine hohe körperliche Leistungsfähigkeit das Risiko, an COPD zu versterben.3 Die Leistungsfähigkeit eines Patienten kann mit Ergometertests eruiert werden. Im Training gilt es die individuelle Kapazität zu 60 Prozent auszunutzen. Optimal ist ein einstündiges Workout an drei Tagen in der Woche. Spranger ergänzt, dass die Trainingstherapie möglichst ambulant und unter medizinischer Anleitung sowie wohnortnah stattfinden sollte.

Literatur:
1 Schirnhofer et al. Chest 2007.
2 Pitta et al. AJRCCM 2006.
3 Myers J et al. NEJM 2002.

Emanuel Munkhambwa, Ärzte Woche 18/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben