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Allgemeinmedizin 9. April 2008

Schädlich oder ungefährlich?

Patienten mit Amalgamplomben berichten immer wieder über verschiedene gesundheitliche Beschwerden. Vor dem Hintergrund eines Gerichtsverfahrens gegen einen Amalgamhersteller führte das Klinikum rechts der Isar der TU München, ein interdisziplinäres Forschungsprojekt durch – German Amalgam Trial. Die Wissenschaftler untersuchten zwölf Jahre lang das Schädigungspotenzial von Amalgam, die diagnostischen Möglichkeiten sowie geeignete Therapien. Die Ergebnisse liegen nun vollständig vor.

„Ob und wie schädlich Amalgam wirklich ist, muss aus wissenschaftlicher Sicht sehr differenziert betrachtet werden“, erläutert Dr. Dieter Melchart, der als Leiter des Zentrums für naturheilkundliche Forschung am Münchner Klinikum rechts der Isar für die Studie verantwortlich war. „Eine eindeutige Aussage, ob es gefährlich oder harmlos ist, können wir daher nicht machen. Jedoch können wir fundiert empfehlen, welche Therapiemöglichkeiten es bei einer subjektiv empfundenen Amalgamschädigung gibt.“
Zunächst befragten die Forscher rund 5.000 zufällig ermittelte Patienten von Zahnärzten nach ihren Beschwerden. Dabei konnte kein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Amalgamfüllungen und dem Auftreten bestimmter Symptome nachgewiesen werden. Bei der Analyse der Fallberichte von Klägern des oben genannten Gerichtsverfahrens zeigten sich jedoch deutliche Hinweise darauf, dass sowohl zwischen Amalgamversorgung und Auftreten der Symptome als auch zwischen Amalgamsanierung und Besserung der Beschwerden ein zeitlicher Zusammenhang vorliegt.
Um der Frage nachzugehen, welche Schäden durch geringe Amalgamdosen im Körper entstehen können, untersuchten die Wissenschaftler den Effekt auf verschiedene menschliche Zelltypen. Melchart: „Während sich Monozyten insbesondere gegenüber geringen Dosen von Quecksilber als unempfindlich erwiesen, reagierten Lymphozyten deutlich empfindlicher. Wir haben auch festgestellt, dass sich Zellen nach einer Amalgamexposition weniger gut auf Fieber oder Umweltgifte einstellen können. Die Reaktion der Zellen im Labor muss aber nicht unbedingt der im menschlichen Körper entsprechen.“

Diagnostische und therapeutische Möglichkeiten

Ein weiteres Teilprojekt widmete sich der Amalgamdiagnostik. Hier zeigte sich, dass gängige Testverfahren nicht zwischen Probanden mit Amalgambeschwerden und solchen, die keine Beschwerden verspüren oder ganz frei von Amalgam sind, unterscheiden können. Eine Ausnahme bildet die Messung von Quecksilber in Speichel und Blut, die zumindest zwischen Amalgamträgern und amalgamfreien Probanden eindeutig differenziert.
Die aktuellste veröffentlichte Studie vergleicht verschiedene Therapiemöglichkeiten für subjektiv amalgamgeschädigte Patienten. Das Ergebnis war für die Forscher recht überraschend: Einerseits führt die Entfernung der Amalgamfüllungen tatsächlich zu deutlich niedrigeren Quecksilberwerten in Speichel und Blut und auch zu einer klinisch relevanten Verbesserung der subjektiven Beschwerden. Ob eine zusätzliche Ausleitungstherapie durchgeführt wird oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Andererseits brachte ein spezielles Gesundheitstraining den Betroffenen eine ähnlich positive Linderung ihrer Beschwerden, auch wenn sich die Quecksilberwerte dadurch nicht veränderten.

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