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Allgemeinmedizin 27. März 2008

Lebensrhythmen

Das moderne Leben bringt es mit sich, dass viele mit der Ressource Schlaf sorglos umgehen. Wer jedoch abends stets spät zu Bett geht und morgens sehr früh aufstehen muss, könnte aus diesem Grund langfristig erkranken.

Dr. Hans Wögerbauer ist Allgemeinmediziner, Sportarzt und Arzt für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin in Perchtoldsdorf. Im Interview mit der Ärzte Woche spricht er über die Bedeutung der Chronobiologie.

Herr Dr. Wögerbauer, welche Rolle spielen Tages-, Wochen- und Jahresrhythmen für die Gesundheit?
Wögerbauer: Die chronobiologischen Forschungen von Prof. Dr. Maximilian Moser in Graz und die Messung der Herzfrequenzvariabilitäten zeigen die Bedeutung dieser Faktoren. Viktor von Weizsäcker formulierte es treffend: „Gesundheit ist kein Kapital, das man aufzehren kann. Gesundheit ist überhaupt nur dort vorhanden, wo sie jeden Augenblick erzeugt wird.“ Tägliche, wöchentliche, monatliche und jahreszeitliche Rhythmen von Anspannung und Entspannung, von Belastung und Erholung, egal ob es sich dabei um Arbeit, Freizeit, Ernährung oder Bewegung handelt, haben große Bedeutung für unsere psychoneuroimmunologische Stabilität. Insofern stehe ich auch der alljährlichen Umstellung auf die Sommerzeit sehr kritisch gegenüber.

Welche Folgen können chronisches Schlafdefizit, Ein- und Durchschlafstörungen haben?
Wögerbauer: Die Bedeutung des Schlafs und die Auswirkung des chronischen Schlafmangels finden in der täglichen medizinischen Arbeit noch zu wenig Beachtung. Dabei zeigen die Forschungsergebnisse der Psychoneuroimmunologie den negativen Zusammenhang zwischen Schlafdefiziten und der Aktivität der Natural Killer Cells. Weiters sind Schlafstörungen auch für ein verändertes Ausschüttungsmuster an Zytokinen und neuroendokrinen Faktoren und dadurch für immunologische Veränderungen verantwortlich.

Wie gehen Sie diesbezüglich bei Ihrer täglichen Arbeit in der Praxis vor?
Wögerbauer: Die wichtigste Maßnahme ist es, den Betroffenen die Bedeutung des Schlafs klar zu machen. Tagesmüdigkeit, Konzen­trationsstörungen, Infektanfälligkeit, Häufung von Sportverletzungen, Libidoverlust, Übergewicht, kardiovaskuläre Erkrankungen und viele weitere Leiden können in Zusammenhang mit chronischem Schlafdefizit stehen.
Bei schweren Einschlaf- oder Durchschlafstörungen ist neben dem Bewusstmachen der Ursache und der Diagnostik eine medikamentöse Therapie notwendig – meist mit SSRI und anfangs Tranquilizern, damit der Patient wieder in einen natürlicheren Schlaf-Wach-Rhythmus kommt. Aber auch Techniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können eine wichtige therapeutische Ergänzung sein.

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 13/2008

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