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Allgemeinmedizin 7. März 2008

Süchtig nach Web-Infos?

Mit dem Stichwort „Sucht“ wurden bis vor kurzem vor allem illegale und legale Drogen verbunden. Neuerdings sind nicht-substanzgebundene Abhängigkeiten von Sex, Sport und auch Internet zu einem viel diskutierten Gesundheitsthema geworden. Die Ärzte Woche gibt einen Überblick über österreichische Websites, die sich mit den verschiedensten Formen von Sucht befassen.

Wer im Web nach „Sucht“ sucht, findet Informationen sonder Zahl. Die großen Suchmaschinen www.yahoo.at und www.google.at liefern zu diesem Recherchebegriff rund 100 Millionen bzw. 70 Millionen Treffer. Bei beiden steht auf den Resultatseiten jeweils derselbe Link ganz oben: de.wikipedia.org/wiki/Sucht, der Wikipedia-Artikel zum Thema „Missbrauch und Abhängigkeit“. Das spricht unserer Meinung nach sowohl für die Recherchequalität der beiden Suchwerkzeuge als auch für die inhaltliche Qualität der Online-Enzyklopädie. Denn Wikipedia ist in aller Regel sehr gut geeignet, sich einen ersten Überblick über sehr umfassende Themen zu verschaffen.
Der angesprochene Wiki-Artikel befasst sich unter anderem mit der Wortherkunft von „Sucht“ und damit, wie der Begriff historisch verwendet wurde. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verzichtet nämlich schon seit 1964 auf dessen Gebrauch, um die mit dem Terminus „Sucht“ oft einhergehenden Stigmatisierungen von Abhängigen zu vermeiden. Stattdessen, so die WHO, sollten die Begriffe „Abhängigkeit“ und „schädlicher Gebrauch“ verwendet werden.

Sex-, Solarium- und Sportsucht

Neben einer umfassenden Linkliste zu stoffgebundenen Abhängigkeiten wie Alkohol- oder Heroinsucht enthält Wikipedia auch eine solche zu nicht-stoffgebundenen Abhängigkeiten – von Arbeitssucht, Bibliomanie und Handy-Abhängigkeit über Kauf­sucht und „Messie-Syndrom“ bis zu Sex-, Solarium- und Sportsucht. Letztere wird laut dem Wikipedia-Artikel von Sportpsychologen übrigens wie folgt definiert:
• Ausdauersport ist ein zentraler Lebensinhalt
• bei erzwungenem Verzicht auf Sport treten körperliche Symptome wie Nervosität und Magenschmerzen auf oder psychische wie Schuldgefühle oder Depressionen
• die Belastung wird kontinuierlich gesteigert
• der Drang zu trainieren wird als innerer Zwang erlebt
• körperliche Warnsignale vor Überlastung werden ignoriert
• es wird auch bei Verletzungen weiterhin trainiert
• soziale Kontakte werden wegen des Sports vernachlässigt oder aufgegeben.

Drogensituation 2007

Wenn auch die Zahl der neuen, nicht-substanzgebundenen Formen von Abhängigkeit nach Aussagen von Fachexperten offenbar zunimmt, so steht doch fest, dass die substanzgebundenen bezogen auf die Gesamtbevölkerung nach wie vor einen wesentlich höheren Anteil an der „Krankheitslast“ – also dem Burden of Disease, wie das die WHO nennt – haben dürften.

Heimische Fakten

Grundlegende Informationen über den Konsum von illegalen Substanzen in Österreich liefert der Bericht zur Drogensituation 2007, der vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) alljährlich erstellt wird. Darin heißt es, dass 2006 insgesamt 197 direkt suchtgiftbezogene Todesfälle gezählt worden seien, womit in dieser traurigen Statistik das vierte Jahr in Folge ein Anstieg verzeichnet wurde. Weiters ist dem Bericht zur Drogensituation beispielsweise zu entnehmen, dass die Hälfte der Klienten der Drogeneinrichtungen weniger als 30 Jahre alt ist und dass es sich großteils, nämlich zu 70 bis 75 Prozent, um Männer handelt. Eine Zusammenfassung ist unter www.oebig.org im Bereich Publikationen nachzulesen. Wer sich für Details wie etwa den Zusammenhang zwischen Schuleschwänzen und Cannabiskonsum interessiert, kann hier auch kostenlos das komplette File herunterladen oder für zwölf Euro die Printversion des Dokumentes bestellen.

Österreichische Sites zum Thema Abhängigkeit

Da das Angebot an Internetinformationen zu „Sucht“ wie erwähnt sehr zahlreich ist, haben wir Ärzte Woche-Online-Rechercheure unsere Webtipps auf österreichische Seiten fokussiert. Für einen ersten Überblick über die Aktivitäten zur Suchtvorbeugung und Behandlung in Österreich kann help.gv.at genutzt werden, der Behördenführer des Bundeskanzleramtes im Internet. Wer hier aus der Themenliste „Sucht“ aufruft, kommt zur Subseite help.gv.at/Content.Node/152/Seite.1520000.html, wo sich neben allgemeinen Informationen über Abhängigkeitserkrankungen auch Links zu den Suchtpräventionsstellen in allen Bundesländern finden lassen.
Zahlreiche Kontaktinformationen von Hilfseinrichtungen finden sich unter dem Stichwort „Sucht“ auch auf www.social.at, einer Datenbank von Sozialorganisationen, die von S.O.S. Mitmensch betrieben wird – laut Eigendefinition eine „Pressure Group zur Durchsetzung der Menschenrechte“. Sehr übersichtlich und userfreundlich ist www.drogenhilfe.at, die Website der Sucht- und Drogenkoordination Wien. Hier wird unter anderem über die verschiedenen Hilfseinrichtungen in der Bundeshauptstadt wie niederschwellige Beratung und Betreuung, Drogenambulanzen, halbstationäre und stationäre Angebote sowie Selbsthilfegruppen informiert.

Forschung und Praxis

Über Suchtforschung und Suchttherapie an der Medizinischen Universität Wien informiert die flott gestaltete Website www.sucht-addiction.info. Eine gelungene Kombination aus theoretischer und praktischer Information ist auch www.suchtfragen.at, die Website der Steirischen Gesellschaft für Suchtfragen.
Das renommierte Anton-­Proksch-Institut, die „größte Suchtklinik Europas“, ist im Web unter www.api.or.at zu finden. Auf der Subseite www.api.or.at/akis werden zahlreiche interessante Daten speziell zum Thema Alkoholabhängigkeit zugänglich gemacht. www.suchtforschung.at ist die Website des Instituts für Suchtforschung der Innsbrucker Universität, auf der unter anderem sehr lesenswerte Dokumente wie Forensische Aspekte und Sucht oder Suchterkrankungen bei älteren Menschen zum Download angeboten werden.

Internetsüchtig?

Wer sich mit Webtipps zum Thema Abhängigkeitserkrankungen beschäftigt, kann die „Internetabhängigkeit“ nicht links liegen lassen. Näheres dazu ist wiederum auf Wikipedia nachzulesen, unter de.wikipedia.org/wiki/Internetsucht. Dort heißt es: „Internetabhängige vernachlässigen meist ihre normalen Lebensgewohnheiten, um die Zeit im Internet zu verlängern. Im Extremfall kann die virtuelle Welt zu einem Ersatz für die sonst üblichen realen sozialen Kontakte werden.“
Ein Angebot, das solchen Entwicklungen, speziell der Online-Spielsucht, entgegensteuern soll, findet sich ebenfalls im Netz. www.onlinesucht.at, die übersichtliche Website des Institutes zur Prävention von Onlinesucht, mit Sitz in Wien, enthält unter anderem Interviews mit Fachleuten wie Dr. Hubert Poppe. Der Facharzt für Psychiatrie und Neurologie beim Anton-­Proksch-Institut (API) setzt sich schon rund zehn Jahren mit dem Thema Computer- und Onlinesucht auseinander. In dem erwähnten Interview heißt es unter anderem: „Das Internet und der Computer ist für die Mehrheit der User ein Segen, viele Lebensbereiche sind dadurch deutlich einfacher geworden. Für eine Gruppe von Menschen sind das Internet und der Computer allerdings zum Problem mutiert. Dieses zu erkennen und entsprechend damit umgehen zu lernen, erfordert ein hohes Maß an Einsicht und Motivation.“

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche 9/2002

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