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Allgemeinmedizin 1. Juli 2008

Männer sind furchtbar stark

Wann ein Mann ein Mann ist, definierte einst Herbert Grönemeyer anhand vieler Eigenschaften. Jedenfalls wenn er ein Präventionsmuffel ist, fügen Österreichs Urologen hinzu.

Prof. Dr. Georg Schatzl, FEBU Urologische Klinik und Medizinische Universität Wien, im Gespräch mit der Ärzte Woche über die erstaunliche Tatsache, dass urologische Themen im Turnus nur beiläufig behandelt werden und wie er dieses Manko durch die heuer erstmals stattfindende Fortbildungsveranstaltung für Allgemeinmediziner und Internisten wettmachen will.

Achten Österreichs Männer genügend auf ihre Gesundheit?
SCHATZL: Aufgrund der Erfahrungen, die wir im Laufe der letzten Jahre gesammelt haben, suchen Männer erst dann medizinische Betreuung auf, wenn der Hut brennt.

Woran liegt das?
SCHATZL: Das Thema Vorsorge ist nicht Thema, sondern eine Illusion. Männer sind stark, Männer weinen nicht und sind nicht wehleidig. Schon in der Kindheit wird ihnen suggeriert: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!“ Bloß sind in unseren Breiten nur wenige Indianer zu finden. Männer sprechen nicht über Krankheiten und Schwächen. Aber ihre Lebenserwartung ist um sechs Jahre geringer als die der Frauen, sie erleben vier Mal häufiger einen Infarkt und ertränken Insuffizienzgefühle und Depressionen in Alkohol.

Was können Ärzte dagegen tun?
SCHATZL: Industrie und Ärzte umwerben diesen „schwachen“ Mann als neuen Patienten, dessen Mythos der Stärke mit Anti-Aging und ewiger Potenz wieder aufgebaut werden soll. Sowohl zur Diagnose und Therapie als auch zur Prophylaxe und Lebensstiländerung sollte die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Allgemeinmedizinern, Urologen und Internisten intensiviert werden. Leider werden im Rahmen der Ausbildung zum Allgemeinmediziner urologische Probleme häufig nur beiläufig behandelt. So kam die Idee zur Veranstaltung WIE IST MAN(N) IN DER PRAXIS. Dort wollen wir eine Kurzfassung einiger ausgewählter urologischer Kapitel, wie z.B. die gutartigen und bösartigen Veränderungen der Prostata, bieten. Ein weiteres Highlight wird das Chronic pelvic pain Syndrom sein. Durch gezielte Abklärung und Therapie kann der Mehrzahl der Patienten geholfen werden. Beim Thema Testosteron ist die Frage: Wie viel braucht Man(n) tatsächlich? Antworten darauf liefern Indikation und Erfahrungen in der Nachsorge der Testosteronsubstitution. Wir möchten den Teilnehmern in kompakter Form sozusagen Kochrezepte für die tägliche Praxis mitgeben. Unterstützend gibt es Workshops, und jeder Vortrag wird mit einer zu diskutierenden Falldemonstration abgeschlossen. Wir konnten international anerkannte, deutschsprachige Spitzenmediziner gewinnen, die die jeweilige Problematik darlegen und anschließend im Rahmen der Diskussion für Fragen zur Verfügung stehen.

Wie ist der Man(n) in der Praxis?:
3. bis 4. Oktober, Wien
www.wcmh.info

Elisabeth Tschachler-Roth, Ärzte Woche 27/2008

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