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Allgemeinmedizin 30. April 2008

Dicke Luft im Büro

Während Europas Feinstaub auf den Straßen mit Argusaugen betrachtet wird, bleibt selbiger in unmittelbarer Umgebung – nämlich im Büro – fast unter der Wahrnehmungsgrenze. Eine Studie beleuchtet diesen Aspekt nun etwas genauer.

Seit nunmehr drei Jahren versucht das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu klären, inwieweit feine und ultrafeine Partikel aus Büromaschinen, wie etwa Laserdrucker und Kopierer zu Bindehautreizungen, Beschwerden des Atemtraktes sowie Rachenschleimhautreizungen führen könnten. Die Wissenschaftler bewiesen einen signifikanten Anstieg der lungengängigen Teilchen, sobald die Geräte in Betrieb gehen. Wie die Stäube mit Eisen- und Siliziumkomponenten im Detail entstehen, blieb indes unklar.
Hinsichtlich eines Gesundheitsrisikos hält das BfR in seinem Anfang April veröffentlichten Abschlussdokument fest: „In seiner Bewertung kommt das Institut zu dem Ergebnis, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Exposition gegenüber Emissionen aus Büromaschinen nicht ausgeschlossen werden können. Die Prävalenz für das Auftreten gesundheitlicher Beeinträchtigungen schätzt das BfR als gering ein. Schwerwiegende Gesundheitsschäden sind nach den Daten, die dem BfR bisher vorliegen, von Ärzten nicht beobachtet worden.“
Gesunde Rahmenbedingungen
Aber was kann konkret aus dieser Aussage geschlossen werden? Nach Ansicht von Prof. Dr. Bernhard Schwarz vom Institut für Sozialmedizin der Universität Wien sieht kommt die BfR-Untersuchung zu der derzeit vernünftigsten Schlussfolgerung, nämlich nicht sorglos mit der Aufstellung der Bürogeräte umzugehen: „Eine hohe Belastung verführt die Arbeitnehmer oft dazu, die gesundheitlichen Rahmenbedingungen ihres Arbeitsplatzes zu ignorieren. Die andere Botschaft der Untersuchung, die sich vor allem an überängstliche Menschen richtet, lautet, dass eine besondere Gesundheitsgefährdung nach derzeitiger Kenntnis wiederum auszuschließen ist.“
Es sei daher wichtig, die richtigen Schlüsse zu ziehen, erklärt Schwarz, denn eine Verbannung der Drucker aus den Räumen ist arbeitstechnisch selten durchzusetzen. So sollte die Abluft des Gerätes nicht in Richtung der Menschen gehen, beim Tonerwechsel sollte die gebrauchte Kassette nicht geschüttelt, die Hände danach gereinigt und das Zimmer gelüftet werden. „Diese kleinen Dinge können schon viel bewirken. Wichtig ist, das Bewusstsein zu erhöhen, denn diese Substanzen sind nicht harmlos“, sagt der Arbeitsmediziner und wünscht sich auch bei der Industrie mehr Sensibilität: „Es wäre schon ein Fortschritt, die Produktdeklaration zu forcieren und den Kunden die Möglichkeit zu geben, die Geräteemissionen mit den Empfehlungen zu vergleichen. Gütesiegel, wie der in Deutschland vergebene ‚Blaue Engel’, könnten die Situation in dieser Hinsicht deutlich verbessern.“
Viele Einflussmöglichkeiten
Eines konnte die BfR-Studie schon in den vergangenen Jahren beweisen: Die Emissionsbelastung ist nicht immer gleich hoch. So spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa das technische Kopier- bzw. Druckverfahren, die Art der eingesetzten Papier- und Tonersorten sowie Bauweise und Alter der Geräte.
Letztendlich ist aber eine gravierende Gesundheitsgefährdung auszuschließen, entwarnt Schwarz, denn diese Geräte sind schon lange und intensiv im Einsatz: „Eine Gefährdung wäre schon längst aufgefallen. Freilich kann Menschen mit einer erhöhten Empfindlichkeit des Respirationstraktes und Allergikern eine erhöhte Vorsicht nicht schaden.“

Internettipp:
www.bfr.bund.de

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 18/2008

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