zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 17. April 2008

Reaktive Substanz

Zum Schutz vor der Einschleppung schädlicher Insekten muss bei Containern vor einer Verschiffung eine Holzentwesung durchgeführt werden. In Holland kam eine Medikamenten-Charge wegen einer Reaktion mit dem Mittel nicht zum Vertrieb.

Der zunehmende weltweite Handel birgt die Gefahr der Verschleppung standortfremder Insekten mit sich. Seit dem Jahr 2005 fordert daher die EU, dass bei Verwendung hölzerner Stau- und Verpackungsmaterialien eine Entwesung durchgeführt werden muss. Diese erfolgt zumeist durch Begasung mit Methylbromid. Das farblose Flüssiggas, das Haut, Augen und Atemwege reizt, ist in Form von Kartuschen oder Druckgasflaschen verfügbar und kommt im Exporthafen zum Einsatz. Nach mehrstündiger Einwirkzeit sind die Container vor der Verschiffung zu belüften, sodass im Importhafen keine Rückstände mehr nachweisbar sein sollten.
Offensichtlich erfolgt die Entlüftung der Container zum Teil aber nur unvollständig. Rückstände im Transportgut und eine Reaktion von Methylbromid, sofern es sich dabei um Arzneimittel handelt, können daher nicht ausgeschlossen werden. Aus Holland wurde berichtet, dass es bei einem Medikament mit dem Wirkstoff Chinidin zu einer irreversiblen Absorption und chemischer Veränderung gekommen sei. Die entsprechende Charge wurde vom Markt genommen.
„Unser Kontrolllabor hatte bislang noch keinen derartigen Verdachtsfall zu untersuchen“, heißt es von Seiten der AGES PharmMed. Das Risiko einer Methylbromid-Entwesung sei bei richtiger Anwendung sehr gering, aus diesem Grund werde eine Rückstandbestimmung nicht routinemäßig durchgeführt. Es gebe auch keine Empfehlungen in den entsprechenden Qualitätsleitlinien. „Allerdings ist die Toxizität dieser Verbindung wegen ihrer hohen Reaktivität groß“, betont die AGES PharmMed.
In einer deutschen Studie* wurde der Einfluss von Methylbromid auf ausgewählte Medikamente untersucht. Prinzipiell erscheint eine Reaktion mit Alkenen, Alkoholen, Aminen, Carbonsäuren und Thiolen möglich, so die Forscher. Als Modellsubstanzen wurden daher Chinin-HCl-2 H2O, Diclofenac-Natrium, Metformin-HCl, Salicylsäure, Procain-HCl sowie das an sich obsolete Phenacetin ausgewählt.
Nach einer 24-stündigen Exposition gegenüber 67 bis 80 Gramm Methylbromid pro Kubikmeter fand sich im Fall von Phenacetin ein Bromidgehalt von bis zu 0,02 Prozent. Bei allen anderen Wirkstoffen lag der Bromidgehalt unter 0,002 Prozent – nach den Qualitätsanforderungen des Europäischen Arzneibuches keine relevante Qualitätsbeeinträchtigung.

* Langfermann C et al, Bundesgesundheitsblatt-Gesundheitsforschung-Gesundheitsschutz 50, 2007, 492-499.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 16/2008

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben