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Allgemeinmedizin 13. November 2007

Wachstumsfaktoren lassen Nervenzellen sprießen

Neue Ansätze in der Behandlung der Alzheimerdemenz zielen darauf ab, das Wachstum, die Funktion und dadurch die Überlebens­chancen von Nervenzellen zu fördern. Priv.-Doz. OA Dr. Michael Rainer von der Gedächtnisambulanz am Sozialmedizinischen Zentrum Ost, Wien, erklärt im Vorfeld des 2. Wiener Alzheimertages, wie man über diese neuen Ansätze dem schleichenden Vergessen bereits sehr früh und erfolgreich begegnen kann. Die medizinisch-pharmakologische Forschung arbeitet seit vielen Jahren daran, krankhafte Umwandlungs- und Abbauprozesse im menschlichen Gehirn zu erforschen und medikamentöse Behandlungsstrategien gegen einen fortschreitenden geistigen Abbau zu entwickeln. Die derzeitigen antidementiven Behandlungsstrategien wirken vor allem auf die Symptome, die mit der Alzheimerkrankheit verbunden sind, können aber bislang den zugrunde liegenden Abbauprozess nur verlangsamen.
Einen besonders interessanten Ansatz bieten Medikamente, die sich im Gehirn auf vielfältige Weise gegen den Verlust geistiger Leistungsfähigkeit stemmen. So steht heute Cerebrolysin®, ein Medikament zur Behandlung der Alzheimerkrankheit zur Verfügung, das sich durch seinen einzigartigen Wirkmechanismus auszeichnet. Die Substanz ist ein Gemisch aus verschiedenen Eiweißmolekülen, die wie ein natürlicher Nervenwachstumsfaktor die Nervenfunktion anregen. Nervenzellen werden in ihrem Stoffwechsel angeregt, neue Nervenzellen zum Wachstum sowie zu einer verbesserten Verschaltung ihrer Kommunikation mit anderen Nervenzellen. Durch diese Effekte bewirkt Cerebrolysin®, dass bei degenerativer Nervenschädigung, wie es bei Alzheimer der Fall ist, vermehrt neue Nervenzellen gebildet und bestehende vor einem weiteren Abbau geschützt werden. ­Diese Prozesse führen letztendlich dazu, dass die Überlebenschancen der Nervenzellen deutlich verbessert werden.
In zahlreichen klinischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass Cerebrolysin® einerseits die Nervenzellen vor weiterer Schädigung schützt, andererseits auch schädliche Effekte, die im Rahmen einer Alzheimerkrankheit auf Nervenzellen einwirken, abschwächt. Es konnte auch nachgewiesen werden, dass das Medikament bei der Alzheimerdemenz in der Lage ist, das weitere Fortschreiten zu verlangsamen und die geistige Leis­tungsfähigkeit zu stabilisieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie von Alvarez et al. aus dem Jahr 2006 wurden 279 Patienten mit
Cerebrolysin® in Dosierungen von 10 ml, 30 ml und 60 ml fünf Mal in der Woche für vier Wochen und danach zwei Mal pro Woche über acht Wochen behandelt. Nach 24 Wochen wurde eine signifikante Verbesserung der Gedächtnisleistungen unter der 10 ml Dosierung beobachtet. Der klinische Eindruck war in jeder Parallelgruppe signifikant besser als in der Placebogruppe. In der 60 ml-Dosierungsgruppe wurde eine signifikante Besserung der neuropsychiatrischen Symptome erreicht.
Das Medikament wurde letztes Jahr neben den Standardmedikamenten in der Therapie der Alzheimerdemenz (Cholinesterasehemmer und Memantine) in den Empfehlungskatalog der Österreichischen Alzheimergesellschaft aufgenommen. Diese Empfehlung hat insofern eine besondere Bedeutung, da bei einem Teil der standardmäßig behandelten Patienten aufgrund von Unverträglichkeiten oder ausbleibender Wirkung, Cerebrolysin® als zusätzliche Therapieoption zur Verfügung steht. Zusammenfassend stellt Cerebrolysin® eine sichere und effektive Therapie für die Alzheimerdemenz dar und sollte als Kur über mindestens 20 Infusionen (circa fünf Mal pro Woche) gegeben werden.

Quelle: Presseaussendung Alzheimertag.

Weitere Informationen:
www.alzheimertag.at
Info-Hotline: 01/ 53 22 758

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