zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 5. Dezember 2007

Insulin glargin und Myokard­infarkt-Inzidenz

Der Einstieg in die Insulintherapie mit Insulin glargin geht im Vergleich zu NPH-Insulin mit einer niedrigeren Inzidenzrate von Myokardinfarkten (MI) im weiteren Krankheitsverlauf einher. Dies ergab eine retrospektive Analyse medizinischer Versorgungsdaten aus einer integrierten, nationalen US-Datenbank mit über 20.000 Typ-2-Diabetikern. Diese Ergebnisse, die auf der wissenschaftlichen Jahrestagung der American Heart Association (AHA) 2007 vorgestellt wurden, zählen zu den ersten ihrer Art, bei denen die MI-Häufigkeit auf Basis einer Datenbank von Insulin-glargin-behandelten Patienten untersucht wurde. Mit Hilfe einer nationalen Datenbank der US-Gesundheitsbehörde zur medizinischen Versorgung wurden Daten von 14.730 Typ-2-Diabetikern, die eine Therapie mit Insulin glargin und 5.461 Patienten, die eine NPH-Insulin Behandlung im Zeitraum von März 2001 bis März 2005 begonnen hatten, ausgewertet. Vor Beginn der Insulintherapie waren alle Patienten sechs Monate mit oralen Antidiabetika behandelt worden. Anhand von Risikomodellierungen nach Cox wurden die MI-Ereignisraten (Definition nach ICD-9-Code) nach Therapiebeginn mit Insulin glargin versus NPH-Insulin verglichen. Berücksichtigt wurden dabei Unterschiede in den Patientenausgangsdaten, Zeitpunkt des Insulintherapiebeginns, Begleitmedikation, Art des Gesundheitsplans und Anteil der Zuzahlung zu den Medikamenten. Das durchschnittliche Alter lag in beiden Insulin-Gruppen bei 56 Jahren, der Anteil der Frauen betrug 49 Prozent; die Patienten wurden im Durchschnitt über 24 Monate nachuntersucht. Von den Patienten, für die ein HbA1c-Wert vorlag (n = 2.514), hatten diejenigen der Insulin-glargin-Gruppe im Vergleich zur NPH-Gruppe einen höheren Ausgangswert (9,3 versus 8,9; p < 0,0001). Im ersten Jahr nach Beginn der Insulintherapie hatten 7,4 Prozent der mit Insulin glargin behandelten Patienten (versus 8,7 Prozent in der NPH-Gruppe) mindestens eine medizinische Behandlung wegen Unterzuckerung (Odds-Ratio = 0,85; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,76 - 0,95). Obwohl die Inzidenz einer Hypoglykämie mit einer über 40-prozentigen Zunahme des MI-Risikos verbunden war (relatives Risiko = 1,42; 95-Prozent-Konfidenzintervall: 1,11 - 1,83), wurde der Zusammenhang zwischen Einstieg in die Insulintherapie und Inzidenz nachfolgender MI-Ereignisse durch die Unterschiede in der Unterzuckerungshäufigkeit zwischen beiden Insulin-Patientengruppen nicht wesentlich abgeschwächt. Diese retrospektive Datenanalyse sollte nicht als Grundlage für endgültige Beurteilungen zum potenziellen Nutzen von Insulin glargin oder NPH-Insulin bei kardiovaskulären Folgeerkrankungen herangezogen werden. Um diese Ergebnisse zu bestätigen, sind weitere prospektive Studien notwendig.
Die nicht-adjustierte MI-Inzidenzrate betrug in der mit Insulin glargin behandelten Gruppe 11,5 Ereignisse pro 1.000 Patientenjahre und 17,6 pro 1.000 Patientenjahre in der mit NPH-Insulin behandelten Vergleichsgruppe bei einer Beobachtungsdauer von bis zu fünf Jahren und einer mittleren Beobachtungsdauer von zwei Jahren. Das nicht-adjustierte relative Risiko für MI-Ereignisse war 0,640 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,539 - 0,761). Auch unter Berücksichtigung mehrerer patientenbezogener Faktoren lag das adjustierte MI-Risiko in der Patientengruppe, die eine Therapie mit Insulin glargin begonnen hatten, mit 0,73 (95-Prozent-Konfidenz­intervall: 0,60 - 0,89) unter dem der Gruppe mit NPH-Insulintherapie. „Seit Markteinführung wird Insulin glargin weltweit zur Behandlung der Hyperglykämie bei Diabetikern eingesetzt; bis heute fehlen allerdings noch Daten zur langfristigen kardiovaskulären Sicherheit“, sagte Dr. Mikhail Kosiborod, Kardiologe am Mid America Heart Institute in Kansas City (Missouri, USA) und einer der Studienleiter. „Obwohl diese Ergebnisse noch durch zukünftige, prospektive Studien bestätigt werden müssen, deuten sie darauf hin, dass die Therapie mit Insulin glargin im Vergleich zu NPH Insulin mit einem niedrigeren MI-Risiko verbunden ist.“
Die INTENSIVE-Studie (Intensive Insulin Therapy and Size of Infarct as a Validated Endpoint by Cardiac MRI) wird mit Hilfe der Magnetresonanztomografie die Effekte einer Blutzuckereinstellung mit Insulin glargin und Insulinglulisin auf die Herzfunktion bei MI-Patienten mit ST-Hebung (gemessen als Größe des Infarktareals) im Vergleich zur Standardbehandlung untersuchen. Die Ergebnisse werden 2009 erwartet. Darüber hinaus werden derzeit in der ORIGIN-Studie (Outcome Reduction with Initial Glargine InterventionN) die Effekte von Insulin glargin auf kardiovaskuläre Folgeerkrankungen bei mehr als 12.000 Patienten untersucht. Die eingeschlossenen Patienten sind 50 Jahre oder älter, haben einen Prä- oder manifesten Typ-2-Diabetes im Anfangsstadium und mindestens einen weiteren Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen. ORIGIN ist eine auf fünf Jahre angelegte randomisierte, multizentrische offene Studie mit einem 2x2 faktoriellen Design. Die Ergebnisse dieser Studie werden 2010 erwartet.

Quelle und Rückfragehinweis:
sanofi-aventis GmbH, Österreich, Ines Windisch
Saturn Tower, Leonard-Bernstein-Straße 10, A-1220 Wien
01/ 801 85 - 1110

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben