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Allgemeinmedizin 12. Dezember 2007

Rote Nasen Clowndoctors helfen heilen ...

Menschen lachen gerne, überall auf der Welt. Aber manche haben gar nichts zu lachen. Eine schwere Krankheit, ein Aufenthalt im Krankenhaus oder eine schmerzhafte Therapie übersteigen schnell die seelischen Kräfte von kleinen und großen Patienten. Humor und Lachen öffnen in diesen Situationen die Tür zu frischer Zuversicht.

Mit Humor ist es möglich, schwierige Lebenslagen aus anderen Blickwinkeln zu entdecken und mit dem Lachen Ängste, Schmerzen und Traurigkeit abzubauen, so die Philosophie der ROTE NASEN Clowndoctors. Der „Verein zur Förderung der Lebensfreude für kranke oder leidende Menschen“ wurde 1994 unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Max Friedrich, Leiter der Uniklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und Jugendalters, gegründet. Die Vereinsarbeit konzentrierte sich erst auf kranke oder leidende Kinder und wurde 1999 auf Geria­trie- und 2003 auf Rehabilitationspatienten erweitert.

Humorforschung

Die tschechische Kinderpsychologin Mag. Irena Vlckova untersuchte im Jahr 2005 an der Uniklinik für Kinderheilkunde in Brünn die Auswirkungen der Besuche der tschechischen „Roten Nasen“ (Zdravotni Klaun) auf 36 kleine Krebspatienten ab einem Alter von sechs Jahren. Das Resultat: Mehr als 90 Prozent der „humoresk behandelten“ Patienten schätzen das Service positiv ein.
Für 92 Prozent der Vorschulkinder, 88,5 Prozent der Schulkinder und 69,3 Prozent der Jugendlichen waren die Clown-Visiten im Spital „wichtig für die Verbesserung des Allgemeinbefindens“. Durchschnittlich 75 Prozent der jungen Krebspatienten würden eine plötzliche Abwesenheit der Clowns vermissen, 97,2 Prozent berichteten von einer Verbesserung der Stimmung, 83,3 Prozent gaben an, dass die Clown-Visiten geholfen hätten, besser mit dem Spitals­aufenthalt umzugehen. Ist Humor also doch die beste Medizin?
Die Ärzte Woche sprach mit Hannes Urdl alias Dr. Wurl, dem Landesrepräsentanten der Roten Nasen in der Steiermark, über die Clowndoctors.

Gibt es eine besondere Zielgruppe für Clowndoctors?
URDL: Wenn der Clowndoktor auf einer Insel nur einen Menschen besuchen dürfte, dann wäre es ein Kind. Ein Kind, das lange krank ist – denn die sind unsere Hauptzielgruppe. Mittlerweile besuchen die Clowndoctors in sechs Bundesländern nahezu flächendeckend Kinder auf Krankenstationen. Wir besuchen aber auch alte und kranke Leute und ebenso Menschen, die aus psychischen oder sozialen Gründen einen besonderen Bedarf haben: Flüchtlingsheime, Behindertenorganisationen und Frauenhäuser. Mit einem Wort: Leute, die nichts zu Lachen haben.

Wird im österreichischen Gesundheitswesen zu wenig gelacht?
URDL: Ich glaube, dass wir in Österreich überall zu wenig lachen, außer bei Faschingsgilden, wo das Lachen ja auch ein geplantes Vorhaben ist. Wir Österreicher sind nicht mehr gemütlich. Das gab’s vielleicht vor langer Zeit. Die Österreicher sind – wenn man das so verallgemeinern darf – sehr arbeitsam, sehr fleißig und gewissenhaft. In den letzten Jahren fällt mir auch ein großer Lebensernst auf.
Lachen ist gesund – vor allem auch seelisch, indirekt wohl auch körperlich, da hat der Volksmund schon Recht. Mit Humor nimmt man eine andere Perspektive auf das eigene Lebensgeschehen ein, gewinnt Übersicht über das eigene Tun und Lassen. Ich glaube, dass humorvolle Selbstreflexion und Selbsterkenntnis die Selbstheilungskräfte stärken können.

Gibt es ein Erlebnis aus Ihrer Karriere als Clowndoctor, an das Sie sich besonders gerne erinnern?
URDL: Eine meiner schönsten Erinnerungen betrifft einen dem Tod geweihten Buben, der in meiner Gegenwart gefragt wurde, was sein größter Wunsch sei. Er wünschte sich nur, „dass der Doktor Wurl sich ein bisschen näher zu mir hinsetzt“. Dass der einzige Wunsch darin bestand, dass ich ein bisschen näher zu ihm hinkomme, das hat mich sehr berührt.

Wie finanziert sich der Verein?
URDL: Zu 99,95 Prozent aus privaten Spenden und durch Kooperationen mit Partnern aus der Wirtschaft, 0,1 Prozent sind Gelder der öffentlichen Hand.

Was verdient ein Clowndoctor verglichen mit einem echten Doktor?
URDL: Das Einkommensspektrum der echten Doktoren ist ja ziemlich breit, wenn ich nicht irre. Wir Clowndoktoren verdienen etwa so viel wie ein Junglehrer ohne volle Anstellung, das bedeutet etwa 1.400 Euro brutto im Monat, bei etwa 20 Wochenstunden. Die Arbeitszeit ist aber recht schwer zu erfassen, gilt es doch neben einer wechselhaften Auftragslage auch Supervision und allerhand künstlerische Vorbereitungsarbeit zu leisten.

Kann jeder ein Clowndoctor sein oder ist eine spezielle Ausbildung notwendig?
URDL: Die Roten Nasen versuchen, möglichst bewährte Künstler zu engagieren. Wer sich für ein Dasein als Clowndoktor interessiert, sollte schon eine zwei- bis dreijährige Theaterausbildung oder Theatererfahrung mitbringen. Artis­tische, tänzerische und musikalische Fähigkeiten sind gefragt, besonders mit Musik lässt sich schnell eine gute Atmosphäre schaffen. Die Bewerber müssen viel können, unsere Spender wollen die guten Clowns zu den Kindern schicken, und nicht deren Ausbildung finanzieren!
Daher bieten wir keine kompletten Ausbildungen an, aber wir machen Fortbildungen und Schulungen, wo’s um die spezielle Situation im Krankenhaus geht.

Machen die Clowndoctors auch Hausbesuche?
URDL: In ganz wenigen Ausnahmen: bei austherapierten Kindern. Diese besuchen wir auf Wunsch der Eltern oder der Kinder.

Spenden an:
PSK BANK 90 990 900, BLZ 60000

Das Gespräch führte Dr. Rainer Schröckenfuchs

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