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Allgemeinmedizin 24. Jänner 2008

Zur Unzeit eingestellt

An der Wiener Medizinischen Universität wurde ein eigenes Zentrum für Public Health eingerichtet, es gibt in Österreich mittlerweile diverse Möglichkeiten, eine Public-Health-Ausbildung zu absolvieren, und im letzten Jahr wurde auf dem Zahnärztekongress eine eigene Gesellschaft für Dental Public Health gegründet. Die einzige Public-Health-Zeitschrift Österreichs – die Mitteilungen der Sanitätsverwaltung – wurde jedoch nach 108 Jahrgängen vom Gesundheitsministerium eingestellt und durch einen elektronischen Newsletter ersetzt.

„Die Mitteilungen erschienen erstmals 1889 unter dem Titel Das österreichische Sanitätswesen“, weiß Prof. Dr. Willibald J. Stronegger, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der MedUni Graz. Die Zeitschrift diente als „Organ für die Publicationen des k.k. obersten Sanitätsrates“ und lag zunächst der Wiener Klinischen Wochenschrift bei. Schon bald enthielt sie auch einen nichtamtlichen Teil und etliche Jahre sogar einen Teil mit Empfehlungen für die praktische ärztliche Tätigkeit.
Der erste Jahrgang beschäftigte sich unter anderem mit der Qualität des Wassers der Wiener Hochquellenleitung, mit Blei in Sodawasser, der Pest in einer Provinz der Türkei und den zahlreichen Fällen von Dengue-Fieber in Griechenland. Ab 1918 hieß das Journal dann Mitteilungen des Staatsamtes für Volksgesundheit, ab 1919 Mitteilungen des Volksgesundheitsamtes. 1939 erfolgte die Einstellung, und erst im April 1950 erschien die Zeitschrift wieder. Sie hieß jetzt Mitteilungen der Österreichischen Sanitätsverwaltung. Ab 1999 lautete der Titel Mitteilungen der Sanitätsverwaltung.

Mangelndes Interesse

Die in den letzten Jahren zuständige Redakteurin bemühte sich zwar immer um eine ansprechende Mischung an Berichten aus den verschiedensten Bereichen, insgesamt litt die Zeitschrift aber unter der geringen Zahl an wissenschaftlichen Beiträgen und – seit der Pensionierung von Sektionschef Doz. Dr. Gunter Liebeswar – am mangelnden Interesse der leitenden Beamten im Gesundheitsministerium.
„Aus meiner Sicht wäre eine Verstärkung der wissenschaftlichen Ausrichtung der Mitteilungen notwendig gewesen, was auch das Erschließen neuer Lesergruppen möglich gemacht hätte“, so Stronegger. Während ein vergleichbar kleines Land wie die Schweiz mit der Sozial- und Präventivmedizin eine international anerkannte wissenschaftliche Zeitschrift im Bereich Public Health und Epidemiologie besitze und diese in den letzten Jahren noch aufwerten konnte, gebe es in Österreich kein vergleichbares Medium.
Stronegger: „Anstatt der Einstellung wäre es wünschenswert gewesen, die Zeitschrift mit erweiterter Zielsetzung und Zielgruppe auszubauen, um auf diese Weise wieder den Anschluss an europäische Verhältnisse zu finden. Gerade dieser Bereich der medizinischen Forschung besitzt einen starken regionalen Bezug und benötigt daher die Ergänzung der internationalen Zeitschriften um solche mit einem nationalen Schwerpunkt.“
Enttäuscht über die Einstellung äußert sich auch OA Dr. Hanns Moshammer, Institut für Umwelthygiene, Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien: „Bereits in meiner Zeit als Amtsarzt habe ich die Informationen der Mitteilungen geschätzt, auch wenn die Journale von Gesundheitsbehörden anderer Länder oftmals größeren wissenschaftlichen Ehrgeiz an den Tag legten.“

Wichtige Institution

Aus Sicht des Umwelthygienikers diente die Zeitschrift „erfolgreich und ausgewogen dem Gedankenaustausch zwischen Behörde und Ärzteschaft sowie zwischen Public-Health-Forschung und Gesundheitsverwaltung und war somit eine wichtige Institution des österreichischen öffentlichen Gesundheitsdienstes“.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 4/2008

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