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Allgemeinmedizin 28. November 2007

Schutz in der Lawine

Allein in den Jahren 2001 bis 2002 hat es bei Rettungseinsätzen in Europa fünf Lawinentote unter den Helfern gegeben. Wie sind die­se Unglücksfälle zu verhindern? In einer Studie wurden nun die beiden im Handel am meisten vertretenen Notfall­ausrüstungen genauer untersucht: das Lawinenverschüttetensuchgerät und der Lawinenairbag.

Jährlich werden in Europa und Nord­amerika ca. 140 Lawinentote gezählt, fast ausschließlich Skifahrer und Snowboarder. Im Vergleich zur akuten obstruktiven Asphyxie durch Verlegung der Atemwege spielen Unterkühlung und mechanisches Trauma als Todesursachen eine geringe Rolle. Von den im Handel befindlichen Notfallausrüstungen sind zwei Geräte am weitesten verbreitet: das Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS) und der Lawinenairbag.
Das Lawinenverschüttetensuchgerät ist ein elektronisches Ortungsgerät, das bei einer Ganzverschüttung die Verschüttungsdauer verkürzen soll. Da die Überlebenswahrscheinlichkeit umso höher ist, je früher geborgen wird, kann damit die Mortalität reduziert werden. Bisher wurden zwei Studien zur Beurteilung dieses Geräts publiziert.
Der Lawinenairbag besteht aus zwei Ballons, die im Fall eines Lawinenabgangs durch Aktivieren einer Reißleine aufgebläht werden und eine Ganzverschüttung und drohende Asphyxie verhindern sollen.
Nun wurde in einer Studie der Einfluss dieser beiden Notfallausrüstungen auf die Mortalität untersucht, um deren Wirksamkeit beurteilen zu können. (Brugger H, Etter HJ, Zweifel B et al. (2007) The impact of avalanche rescue devices on survival. J: Resuscitation) 1.504 Personen, die in der Schweiz (1990–2004, n=1296) und in Österreich (1998–2005, n=208) im freien Gelände von Lawinen erfasst wurden, wurden in diese retrospektive Studie einge­schlossen.

Effizienter Schutz

Von 1.469 Personen ohne Airbag wurden 500 (34 Prozent), von 35 Personen mit Airbag hingegen 6 (17 Prozent, p=0,037) ganz verschüttet (Verschüttung von Kopf und Oberkörper). Ohne Airbag betrug die Mortalität 18,9 Prozent, mit Airbag 2,9 Prozent (p=0,026; OR 0,09). Dies entspricht einer relativen Reduktion der Mortalität durch die Anwendung des Airbags um 91 Prozent. Weiterhin wurde festgestellt, dass die Mortalität über den Untersuchungszeitraum hinweg abgenommen hat (p=0,005). Die LVS-Analyse zeigte, dass durch die Verwendung des LVS (181 von insgesamt 317 ganz verschütteten Personen) die mediane Verschüttungsdauer von 125 auf 25 Minuten (p<0,001) und die Mortalität von 70,6 Prozent auf 55,2 Prozent (p<0,001; OR 0,26) gesenkt wurde. Somit wurde diese relativ um 74 Prozent (CI 52–86 Prozent) reduziert. Die mediane Verschüttungsdauer hat im Verlauf des Untersuchungszeitraums abgenommen. Die Untersuchung zeigt, dass sowohl Airbag als auch LVS imstande sind, die Mortalität des Lawinenunfalls signifikant zu senken. Das positive Ergebnis des Airbags wird durch den Umstand geschmälert, dass auch bei funktionierendem Airbag eine Ganzverschüttung möglich ist. Dies sollte zum Anlass genommen werden, die Konstruktion so zu verbessern, dass Verschüttungen von Kopf und Oberkörper sicherer vermieden werden.

Quelle:
Der Originalartikel erschien in voller Länge in:
Notfall Rettungsmed 2007
DOI 10.1007/s10049-007-0973-9
© Springer Medizin Verlag 2007

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