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Allgemeinmedizin 30. Oktober 2007

Ein letzter Urlaub

Nach den Sternen greifen die Kinder nicht, die auf dem Sterntalerhof im burgenländischen Stegersbach ein paar erholsame Tage verbringen. Sie alle sind chronisch krank, Hoffnung besteht für sie keine.

 Sterntalerhof
Auf dem Pferderücken erleben die schwerkranken Kinder Unbeschwertheit.

Foto: Sterntalerhof

Der kleine Bub sitzt auf dem Pferd und reitet eine Runde, er ist glücklich. Ab und zu schaut er zu seiner Mutter und winkt ihr. So fröhlich hat sie ihr Kind schon lange nicht mehr gesehen. Es ist nicht absehbar, wie lange ihnen dieses Glück noch gegönnt sein wird, der Junge ist schwerkrank. Er verbringt eine Woche auf dem Sterntalerhof, um seine Krankheit und das damit verbundene Leid zu vergessen, einfach mal nur ein ganz normales Kind sein, das Spaß hat und seine Kindheit genießt. Seine Mutter erzählt: „Wir sind bereits das vierte Mal für eine Woche hier. Mein Sohn blüht hier richtig auf. Der Tag müsste 30 Stunden für ihn haben, so aktiv ist er. Ich spüre, dass er sich hier ganz normal fühlt, er ist einfach zufrieden.“

Einzige Einrichtung in Österreich

Der Sterntalerhof ist ein Kinderhospiz, ein Erholungsort für chronisch bzw. unheilbar erkrankte Kinder und deren Eltern und Geschwister. Durch die häufig intensive Pflege des Kindes kommen die Erholung der Eltern und die Geschwister oft zu kurz. Gegründet wurde der Hof im September 1999 von Regina Heimhilcher und Peter Kai. Aufgrund ihrer Ausbildung und beruflichen Erfahrung in den Bereichen Psychotherapie, Seelsorge und Reittherapie bzw. dem heilpädagogischen Voltigieren verwirklichten die beiden ihre gemeinsame Idee. Sie geben Kindern und deren Familien, die nicht wissen, wie lange es noch ein gemeinsames Morgen gibt, das Gefühl von Unbeschwertheit und Freude.
Das erste Kinderhospiz entstand Anfang der 80er Jahre in Großbritannien, wo eine Klosterschwester ein Kind, das nach einem Gehirntumor schwer behindert war, immer wieder bei sich aufnahm. In Deutschland gibt es derzeit sechs solcher Kinderhospize, in Österreich ist der Sterntalerhof die einzige Einrichtung dieser Art.
Ganzheitliche Betreuung und Begleitung wird hier geboten, das bedeutet Eingehen auf die körperlichen, seelischen und spirituellen Bedürfnisse. Neben heilpädagogischer Voltigiertherapie mit Therapie-Pferden gibt es auch personenzentrierte Psychotherapie, klinische Seelsorge, systemische Lebensberatung, Kunsttherapie, sensorische Integration, Sonder- und Heilpädagogik, Montessori-Pädagogik und Heilmassagen. Für jedes Kind wird ein individueller Therapie-Mix erstellt und auf die speziellen Erfordernisse abgestimmt. Im Mittelpunkt steht immer das Kind, doch die Familie wird stets miteinbezogen.
In natürlicher und liebevoller Atmosphäre finden die Familien wieder Ruhe und können Kraft tanken und Zuversicht gewinnen. Zwischen einer und drei Wochen können sie bleiben. Schwerkranke oder traumatisierte Kinder spüren hier die Wirkung von Therapie-Pferden, denn das Reiten schult die Fein- und Grobmotorik, die Verarbeitung von Sinnesreizen, Selbstwert und Selbstvertrauen. Besonderer Wert wird auf eine Abstimmung mit dem ständig behandelnden Ärzteteam und der ärztlichen Betreuung vor Ort gelegt.

Niemand wird abgewiesen

Nach Schätzungen gibt es in Österreich etwa 2.200 Familien, die von einer lebensbegrenzenden Erkrankung eines Kindes betroffen sind. Einige haben sich über Selbsthilfegruppen organisiert, um der Isolation in dieser Ausnahmensituation zu entgehen.
„Bei uns wird nie jemand abgewiesen, weil er sich den Aufenthalt nicht leisten kann. Die Betroffenen haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, der zumeist viel Zeit und Geld gekostet hat“, betont Peter Kai, Begründer und therapeutischer Leiter. Die Bilanz nach acht Jahren Kinderhospiz Sterntalerhof kann sich sehen lassen: 300 Kinder waren bisher mit ihren Eltern hier, 12.000 Begleitungs-, Beratungs- und Therapiestunden wurden abgehalten und die Pferde haben 10.000.000 Schritte mit den Kindern auf dem Rücken zurückgelegt.
„Wir sind dabei, bis 2010 die Infrastruktur fertigzustellen. Als Nächstes soll die Therapie-Reithalle bis Herbst 2008 realisiert werden, um endlich auch bei Schnee und Kälte Familien betreuen zu können. Die letzte Investition wird ein Familien-Haus sein. So besteht für noch mehr Kinder die Möglichkeit der Erholung bei uns am Sterntalerhof“, erklärt Geschäftsführer Mag. Harald Jankovits. Dieses Kinderhospiz wird als unabhängiger gemeinnütziger Verein geführt, der ohne jegliche öffentliche Finanzierung auskommt, daher ist er auf die Unterstützung von freiwilligen Helfern, Paten und Spendern angewiesen.

Sterntalerhof, Grazer Straße 58,
A-7551 Stegersbach,
www.sterntalerhof.at
Spendenkonto: Erste Bank,
BLZ 20111, Konto-Nr. 058 18028

Nina Martin, Ärzte Woche 44/2007

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