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Allgemeinmedizin 20. September 2007

Suchtexperten tagten in Wien

Nach den Kardiologen belebten die Suchtforscher Wiens Kongresstourismus. Die Konferenzteilnehmer der Europäischen Vereinigung für Suchttherapie (EAAT) kamen zwar nicht so zahlreich und dozierten daher im kleineren Rahmen des Palais Ferstl. Den Inhalten tat dies aber keinen Abbruch.

Dass Suchterkrankungen ebenso ernst zu nehmen seien wie kardiologische Leiden, belegte die Tagungspräsidentin Prof. Dr. Gabriele Fischer, Leiterin der Drogenambulanz, Suchtforschung und -therapie der Medizinischen Universität Wien, mit Zahlen: Rund zehn Prozent aller für das Gesundheitswesen aufgewendeten Kosten sollen europaweit in die Behandlung unterschiedlicher Abhängigkeiten fließen. Etwa 23 Millionen Menschen sind alkoholabhängig, 200.000 sterben an den Folgen des Abusus.
Die Experten präsentierten auf der Tagung interessante pathophysiologische Forschungsergebnisse. Denn dank neuer bildgebender Verfahren konnte belegt werden, dass die Aktivität der Neurotransmitter im Zentralnervensystem bei allen Süchtigen ähnlich abläuft, unabhängig davon, ob Substanzen oder bestimmte Verhaltensweisen wie exzessives Spielen das Suchtverhalten prägen. Fischer sieht darin eine große Chance: „Können wir diese neuronalen Prozesse entschlüsseln, so könnten wir mehrere Abhängigkeiten mit gemeinsamen Behandlungsansätzen therapieren.“

Alte Hüte auf neuen Köpfen

Pharmakologische Bemühungen, der Sucht ein Schnippchen zu schlagen, gibt es auch bei der Behandlung der Kokainabhängigkeit, die bislang nur verhaltens­therapeutisch getragen werden konnte. So prüfte das National Institute on Drug Abuse (NIDA) aus den USA rund 60 aktuelle Medikamente aus verschiedenen Bereichen auf ihre Wirkung gegen Kokain. Schließlich stießen die Wissenschaftler auch auf Disulfiram und waren mit dieser Substanz, die schon bei der Alkoholabhängigkeit reüssieren konnte, in klinischen Studien erfolgreich.

Die Nadel gegen das Kokain

Weitere Fortschritte machte man mit Konjugat-Impfstoffen. Dank dieser Stoffe scheint eine aktive Immunisierung gegen das Kokain möglich zu werden. Aber auch weitere Arzneien, etwa gegen Epilepsie- oder Narkolepsie, konnten in klinischen Studien erste Hoffnungen bestätigen.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 38/2007

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