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Allgemeinmedizin 14. Juni 2007

Pflege ohne Zwänge

Eine deutsche Studie ermittelte die Häufigkeit freiheitsentziehender Maßnahmen in Alten- und Pflegeheimen. Die Ergebnisse bestätigen die Dringlichkeit eines Paradigmenwechsels.

An Schlagzeilen mangelt es nicht, über die Patienten, die „festgebunden“ und „ruhig gestellt“ im Heim auf „ihren Tod warten“. Prof. Dr. Gabriele Meyer von der Universität Bremen berichtete beim Kongress für Allgemeinmedizin & Integrierte Gesundheitsversorgung über eine kürzlich abgeschlossene Erhebung, die 2.367 Bewohner aus 30 Einrichtungen in Hamburg und Bremen in die pflegewissenschaftliche Studie einbezogen.
Mechanische freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bettgitter (auf beiden Seiten des Bettes), Gurtsysteme, oder, subtiler, den Rollstuhl unter den Tisch fahren und die Bremse feststellen, gehören demnach zur Regelversorgung. Am häufigsten wurden Bettgitter angebracht, körpernahe Maßnahmen wie Gurte sind eher selten. 51 Prozent der Bewohner erhielten eine Verordnung für eine psychotrope Medikation, am häufigsten Neuroleptika.
Prof. Meyer: „Wer soll hier wovor geschützt werden?“ Studien zeigten, so die Pflegewissenschafterin, dass diese „Schutzmaßnahmen“ zu Strangulation und Erstickung führen können. Deshalb soll nun eine evidenzbasierte Praxisleitlinie ausgearbeitet werden. Das Ziel: nachhaltig freiheitsentziehende Maßnahmen zu reduzieren und in der Pflege ohne Zwänge auszukommen.

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