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Allgemeinmedizin 14. Juni 2007

Der Schnelle Uhrendreier

Eine Variante des Screeninginstruments „Mini-Cog“ gibt Medizinern ein gutes Werkzeug in die Hand, den Verdacht einer beginnenden Demenz zu entkräften oder zu erhärten.

Der Allgemeinarzt ist bei der Früherkennung von Demenzerkrankungen in einer wichtigen Schlüsselposition. Deshalb gibt es einen Bedarf an standardisierten, wenig aufwändigen Tests, die mit minimalem Aufwand eine verlässliche Einschätzung darüber liefern, ob es einen Hinweis für eine beginnende Demenz gibt, wenn ein Patient über eine Gedächtnisschwäche klagt. Der „Schnelle Uhrendreier“, sagt Dr. Gustav Kamenski von der Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Allgemeinmedizin, Angern, könnte so ein Instrument sein. Beim 3. Kongress für Allgemeinmedizin berichtete er über eine Validierungsuntersuchung, die den „Schnellen Uhrendreier“ (SUD) auf seine Tauglichkeit unter Praxisbedingungen überprüfte.
In die Untersuchung wurden Patienten über 65 aufgenommen, die aus unterschiedlichsten Gründen den Arzt in der Allgemeinpraxis aufgesucht hatten. Ausgeschlossen waren jene, die bereits die Diagnosen Demenz oder „Mild Cognitive Impairment“ (MCI) hatten.
Der „Schnelle Uhrendreier“ ist eine deutschsprachige Variante des weltweit verwendeten Screeninginstruments „Mini-Cog“, eines Schnelltests zur Erfassung von kognitiven, demenzverdächtigen Störungen in der Allgemeinpraxis. Er kombiniert einen Uhrentest – die Aussagekraft von Uhrentests ist in der Demenzdiagnostik seit vielen Jahren belegt – und eine kurze Erfassung der Gedächtnisleistung mit Hilfe eines „Drei-Wörter-Tests“. Im Idealfall dauert so eine Überprüfung gerade einmal drei Minuten.

Drei Minuten Test

Eine einfache Ampel-Farbkodierung ermöglicht es dem niedergelassenen Allgemeinarzt, rasch zu einer qualitativen Einschätzung zu gelangen:
• Grün bedeutet Entwarnung – es genügt den Test nach einem Jahr zu wiederholen.
• Gelb zeigt einen Verdacht an. Eine Abklärung ist nötig.
• Rot heißt, der Patient sollte umgehend einen Neurologen aufsuchen.

Die Validierung in Zusammenarbeit mit Fachärzten für Neurologie und auf den Uhrentest trainierten Psychiatern zeigte, dass der „Schnelle Uhrendreier“ eine gute Sensibilität hat. „Der Test ist eher zur schnellen Entwarnung geeignet“, sagte Kamenski zum qualitativen Charakter des Schnelltests, „und weniger zu einer positiven Bestätigung des Verdachts auf eine Demenz.“
Steht die Diagnose Demenz fest, sollte die Behandlung im Rahmen eines integrativen Gesamtkonzepts durchgeführt werden. Dazu gehören die Medikation, psychologische Therapieansätze und eine Beratung der Angehörigen. Die frühe Diagnose ist für die betreuenden Personen wichtig, damit ihnen Zeit bleibt, sich auf die Erkrankung einzustellen und die Betreuung des dementen Angehörigen zu planen.
Für die Betroffenen selbst ist Demenz häufig ein Tabuthema. Schon die leiseste Andeutung, es könnte sich eventuell um eine Demenz handeln, ruft starke Abwehrreaktionen hervor. Gut ein Fünftel der in der Studie erfassten Patienten, die auf Grund der Ergebnisse zum Neurologen überwiesen wurden, sind nicht hingegangen.

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