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Allgemeinmedizin 5. Juni 2007

Effektiver Schutz

Der Welt-Nichtrauchertag in der vergangenen Woche war Anlass für neuerliche Aufrufe in Richtung allgemeines Qualmverbot.

Nichtraucherzonen ohne räumliche Trennung von Raucherzonen seien etwa so wirkungsvoll wie Nicht-Urinier-Zonen in Schwimmbecken, zog Hans Rauscher im „Standard“ einen deftigen Vergleich. Wegen der Gesundheitsgefahren durch Passivrauchen fordern immer mehr Organisationen ein generelles Rauchverbot in öffentlichen Räumen. So mahnte der Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer Dr. Peter Niedermoser in einer Aussendung, „die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gastronomie ist zu wertvoll für gesundheitspolitische Spielchen“ und forderte ein Rauchverbot für alle Lokale.
Kritikpunkt war der Regierungsplan, räumlich abgetrennte Bereiche für Raucher nur in größeren Lokalen zu verlangen. Auch der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen gemahnte an die 1.029 Todesfälle aufgrund von Passivrauchen pro Jahr. „Österreich liegt jedoch in der Umsetzung von wirksamen Maßnahmen der Tabakprävention im europäischen Vergleich weit abgeschlagen“, monierte der stellvertretende Generaldirektor Dr. Josef Probst.

Appell an Gesundheitspolitiker

Die österreichische Lungenfachärztin Dr. Sylvia Hartl, Generalsekretärin der European Respiratory Society (ERS), appellierte auf einer Pressekonferenz an die europäischen Gesundheitspolitiker, allen voran an die heimische Gesundheitsministerin Dr. Andrea Kdolsky, den Kampf gegen das Passivrauchen zu verstärken. Die positiven Auswirkungen eines Rauchverbots auf die Gesundheit wurden in vielen Studien nachgewiesen, so Hartl, die eine kürzlich von schottischen Wissenschaftern durchgeführte Untersuchung zitierte: Während vor Einführung des Verbots 79 Prozent der Beschäftigten an Beschwerden (u.a. Kurzatmigkeit, Husten, gereizte Augen, rinnende Nase, Niesen) litten, waren es zwei Monate später nur noch 47 Prozent.
Im Bewusstsein der Gesundheitsgefährdung durch Passivrauchen hat sich kürzlich das „Global Smokefree Partnership“ gebildet, ein strategisches Bündnis führender Gesundheitsorganisationen aus aller Welt. Ziel ist, strenge und wirkungsvolle Leitlinien für den effektiven Schutz vor Passivrauchen zu verabschieden (siehe Kasten).
Dass die Österreicher einem Rauchverbot nicht abgeneigt sind, zeigen die Ergebnisse einer Anfang Mai vom Marktforschungsinstitut market im Auftrag der Merkur Versicherung durchgeführte Umfrage: 63 Prozent der über 18-Jährigen würden ein strengeres Gesetz zum Thema Rauchverbote durchaus begrüßen. 35 Prozent plädieren sogar sehr stark dafür. Und sie versprechen sich auch etwas davon: 67 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, dass es sich positiv auf die öffentliche Gesundheit auswirken würde, wenn in öffentlich zugänglichen Räumen gar keiner mehr raucht.

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