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Allgemeinmedizin 2. Mai 2007

„Rauchverbot in allen Gastronomiebetrieben!“

Österreichische Pulmologen machen sich stark für ein generelles Rauchverbot. Wirtschaftliche Einbußen der Gastronomiebetriebe seien bei einer ubiquitären Durchsetzung nicht zu erwarten.

Durch das Scheitern der freiwilligen Nichtraucherschutz-Vereinbarung scheint eine gesetzliche Regelung unumgänglich. Lungenfachärztin Dr. Sylvia Hartl vom SMZ Baumgartner Höhe, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) und der European Respiratory Society (ERS), warnt, den wirksamen Nichtraucherschutz durch halbherzige Maßnahmen weiter zu verzögern. „Internationale Beispiele belegen“, so Hartl, „dass es keine Alternative zum generellen Rauchverbot in allen Gastronomiebetrieben gibt – vorausgesetzt, man nimmt den Schutz der Nichtraucher und das Rauchverbot am Arbeitsplatz ernst.“ Denn nur ein ausnahmsloses Rauchverbot in allen Lokalen gewährleiste den wirksamen Schutz der dort Beschäftigten, betonte Hartl. Es sei auch kein Zufall, dass der Nichtraucherschutz nur in jenen Ländern gut funktioniert, die ein generelles Rauchverbot am Arbeitsplatz – also inkl. Gastronomie – erlassen haben, wie etwa Italien, Irland und Norwegen. Hartl appellierte in diesem Zusammenhang an die Gesundheitsministerin, das ausnahmslose Rauchverbot in der Gastronomie rasch gesetzlich festzuschreiben. Dafür brauche es keine Übergangsfristen und keine Investitionen der Betriebe. Einer sofortigen Einführung stünde daher auch nichts im Wege.

EU voran, Österreich hinterher

„Österreich darf nicht auch beim Nichtraucherschutz EU-Schlusslicht werden, wie dies beim Verbot der Nikotinwerbung bereits der Fall war“, warnte die Lungenfachärztin. Dabei, betonte Hartl, könnten wir von den Erfahrungen anderer Länder wie etwa Norwegen, Italien und Irland, einiges lernen. So habe es überall zu Beginn die Diskussion um Nichtraucherbereiche bzw. abgeschlossene Nichtraucher-Räumen gegeben. Alle Länder hätten letztlich erkennen müssen, dass nur ein generelles Rauchverbot in allen Gastronomiebetrieben die einzig umsetzbare Alternative ist. Die Argumente: 1. Es ist inakzeptabel, dass bei Arbeitnehmern hinsichtlich Passivrauchens verschiedene Risikograde toleriert werden. 2. Für ein Rauchverbot in allen Betrieben braucht es keine zusätzlichen, die Betriebe belastenden Investitionen. 3. Die Überwachung des Rauchverbots ist außerdem einfacher und bietet weniger Anlässe für Streitigkeiten zwischen Beschäftigten und Gästen als Nichtraucherbereiche.

Keine Angst vor Einbußen

Hartl weist auf 21 internationale Studien hin, die sich mit der Frage nach den wirtschaftlichen Konsequenzen eines Rauchverbots für die Gastronomie befasst haben: „Keine einzige Studie berichtete über negative Auswirkungen von Rauchverboten auf Einnahmen und Arbeitsplätze. Vier Studien berichteten sogar über positive Auswirkungen auf den Umsatz von Restaurants, Bars, Hotels und Touristikunternehmen.“ In New York beispielsweise ist seit 2003 das Rauchen an allen Arbeitsplätzen gesetzlich verboten. Ein Jahr nach dem Inkrafttreten wurde ein Anstieg der Umsätze in der Gastronomie, eine Zunahme der Beschäftigung und eine Zunahme der ausgegebenen Lizenzen für den Alkoholausschank nachgewiesen. In Norwegen beobachtet man eine ähnliche Entwicklung.

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