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Allgemeinmedizin 8. November 2007

Wider den blauen Dunst

Aller Anfang ist schwer. Und das gilt ganz besonders für den Anfang vom Ende der Nikotinabhängigkeit. Die Raucherentwöhnung ist eine wichtige Aufgabe der vorsorgenden Medizin.

Tabakrauchen ist international die häufigste vermeidbare Ursache von Krankheit und vorzeitigem Tod. Weltweit werden durch Rauchen jährlich 3,5 Millionen Todesfälle verursacht, in Deutschland geschätzte 100.000, in Österreich 10.000. Tabakrauchen wird von der WHO als Krankheit eingestuft und ist im ICD-Code aufgelistet.
Acht bis neun von zehn Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) haben als Hauptursache ihrer Erkrankung das Tabakrauchen.
Im Rahmen der 23. Internationalen Sportärztewoche, die heuer vom 2.-7. Dezember traditionellerweise in Zell am See stattfindet, wollen die Mediziner das Übel bei der Wurzel packen. Die einzige wirksame Therapie, die nikotinassoziierte COPD zu verhindern, ist die Rauchabstinenz. Wer das Rauchen beendet, hat innerhalb von 24 Stunden das gesamte Kohlenmonoxid ausgeschieden. Nur 48 Stunden benötigt der Körper, um sich vom Nikotin zu befreien. Hus­ten und Auswurf können in wenigen Tagen bis Wochen verschwinden. Das Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken, sinkt innerhalb von nur 2 Jahren vom 3-fachen zur Norm. Also eine Menge guter Gründe, den Griff zur Zigarette dankend abzulehnen.
Sind auch die durch COPD verlorenen Alveolen nicht mehr ersetzbar, so kann doch die Leis­tungsfähigkeit durch das Training der peripheren Muskulatur innerhalb von Wochen und Monaten deutlich verbessert werden. Hier setzen die von den Sportmedizinern empfohlenen pulmologi­schen Trainingsprogramme den Hebel an.

Entwöhnung fällt schwer

Nikotin induziert die Freisetzung von Neurotransmittern im Gehirn. Über Dopamin, Acetylcholin und andere Neurotransmitter ist die Substanz am Belohnungsverhalten, der Wachsamkeit, der Stimmungslage und dem Appetitverhalten beteiligt.
Ein Raucher würde die Frage, warum er raucht, vielleicht folgendermaßen beantworten: weil es schmeckt, weil eine Phase der Müdigkeit besser überbrückt werden kann, weil es zu einem Glas Bier oder weil es zu einer Tasse Kaffee nichts Besseres gibt. Eine der Aufgaben des Rauchertherapeuten ist es, diese positiven Aspekte des Rauchens gelten zu lassen, den gesundheitsschädigenden Teil aber daneben zu stellen. Zum Beispiel, indem triftige Gründe gegenübergestellt werden, für die es sich lohnt, auf das Rauchen zu verzichten. Dazu gehören der Gewinn an Gesundheit und die Leistungssteigerung ebenso wie die Rücksicht auf die Mitmenschen sowie das ersparte Geld.

Rauchen erzeugt binnen Monaten starke Abhängigkeit

50 bis 80% der Raucher werden im Verlauf von Wochen bis Monaten mehr oder weniger stark vom Nikotin in der Zigarette abhängig. Und die damit verbundene Entzugssymptomatik macht es dem Raucher so schwer, das Rauchen aufzugeben.
Die typischen Nikotinentzugssymptome sind: Unruhe, Gereiztheit, Ungeduld, Durchschlafstörungen, Konzentrationsstörungen, aber auch Appetitsteigerung und Gewichtszunahme. Am stärksten ausgeprägt sind diese Symptome 24 – 48 Stunden nach Konsum der letzten Zigarette. Im Laufe von 2 bis 4 Wochen verschwinden sie meistens. Daher ist dieser Zeitraum für den Großteil der Raucher die schwierigste Phase der Entwöhnung. In dieser Phase benötigt er die meiste Hilfe.
Die medikamentösen Hilfsmittel Nikotinersatz und Bupropion richten sich in erster Linie gegen die Entzugssymptomatik. Die Hilfestellung des Rauchertherapeuten zur Überwindung der Abhängigkeit besteht in der Bestimmung des Schweregrades der Abhängigkeit durch den Fagerströmtest; darin, Mut zu machen, dass die Abhängigkeit zu bewältigen ist; und in der Begleitung des Rauchers durch die Höhen und Tiefen des Entzugs.

Zielgruppe der Entwöhnung

Viele Fachgesellschaften empfehlen, jedem Raucher auf kurze und prägnante Art und Weise zu raten, das Rauchen aufzugeben.
Das könnte etwa folgendermaßen ausschauen: „Sie kommen wegen Husten und wegen häufiger Infekte. Dahinter steckt als Ursache eine chronische Bronchitis. Die wichtigste Maßnahme zur Besserung, vielleicht auch Abheilung der Bronchitis ist das Beenden des Rauchens. Ich rate Ihnen, das Rauchen aufzugeben.“ Oder noch kürzer: „Denken Sie daran, in absehbarer Zeit aufzuhören? “
Wenn ja, ist es wichtig, sogleich einen neuerlichen Termin zur weiteren Planung der Raucherentwöhnung zu vereinbaren. Wenn der Arzt selbst keine Raucherentwöhnungen durchführt, wird an eine Institution oder einen Kollegen, der eine Entwöhnung anbietet, zugewiesen. Diese kurze und nicht sehr zeitaufwendige Intervention erhöht nachweislich die Zahl erfolgreicher Raucherentwöhnungen. Und natürlich ist nicht jeder Raucher bei der Erstvisite so weit, sich schon den weiten Schritt vom Raucher zum Nicht-mehr-Raucher vorzustellen, geschweige denn, diesen großen Schritt auch schon umzusetzen. Für viele Raucher ist der oftmalige Griff zur Zigarette nicht mehr vom Alltagsleben wegzudenken.

Strukturierte Raucherentwöhnung

Jeder kurze und klare Rat von ärztlicher Seite erhöht die Erfolgsquote einer Raucherentwöhnung. Die Erfolgsrate steigt naturgemäß mit der Zahl an Interventionen und der investierten Zeit. Das Optimum stellt eine Raucherentwöhnungstherapie mit 5 bis 6 Sitzungen zu je 10 bis 15 Minuten dar. Die zeitliche Abfolge der strukturierten Raucherentwöhnung beinhaltet 2 Sitzungen innerhalb der 1. Woche nach dem Stoppdatum, dann wöchentliche Kontrollen. Ob der Arzt eine zeitökonomische Entwöhnungsgruppe oder individuelle Einzeltherapien anbietet, verändert die Erfolgschance nicht wesentlich. Der einzelne Arzt ist hier in erster Linie seiner persönlichen Arbeitsweise sowie seinem Zeitplan verpflichtet.

Quelle:
23. Internationale Sportärztewoche
Workshop Prim. Dr. A. Lichtenschopf

Prim. Dr. A. Lichtenschopf

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