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Allgemeinmedizin 10. Oktober 2007

Parkinson und Depression

Im Zuge des 11. Kongresses der europäischen Gesellschaften für Neurologie (EFNS) wurden neue Aspekte der Parkinson-assoziierten Depression und ihre Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt. Erste Ergebnisse der PRODEST-Studie zeigen, dass es bei fast der Hälfte (44,1 Prozent) aller Morbus Parkinson(PD)-Patienten mit Depressionen trotz Therapie mit herkömmlichen Antidepressiva, zur Persistenz der Beschwerden kommt. PD-assoziierte Verstimmungen zählen zur Gruppe der nicht-motorischen Symptome (NMS) der PD, zu der auch Schlafstörungen, Ahedonia, sensorische Dysfunktionen, Demenz und Schmerzen gerechnet werden. „Depression und Angst werden am häufigsten beschrieben und haben großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten, meist im gleichen Ausmaß wie die traditionellen motorischen Symptome (MS) Rigor, Tremor und Akinese“, erklärt Prof. Matthias Lemke, Medizinischer Direktor an den Rheinischen Kliniken, Bonn, Deutschland.
Das Nicht-Ansprechen der klassischen Antidepressiva legt einen pathophysiologischen Zusammenhang der Symptomatik mit PD nahe. Durch die Degeneration dopaminerger Neurone im mesolimbischen System können Depressionen eine Expression der Parkinsonkrankheit darstellen. „Es ist sehr wichtig für Ärzte, richtig differenzieren zu lernen. Nur so können sie Betroffenen die optimale Behandlung zukommen lassen“, erläutert Lemke. „Oft werden Verstimmungen leichtfertig als alters- oder krankheitsbedingte Erscheinungen abgetan.“
Die Behandlung mit dem Dopa­minagonisten (DA) Pramipexol kann, zusätzlich zu seiner guten Wirkung auf die MS, zu einer deutlichen Verbesserung der Depressionen führen und stellt eine Alternative zu den klassischen Antidepressiva dar. Grund für die Wirkung scheint die hohe Affinität des DA zu D3-Rezeptoren in Verbindungsneuronen zum limbischen System zu sein, erklärt Prof. Paolo Barone, Department of Neurological ­Sciences, University of Napoli- Federico 2, Naples, Italien, und leitender Wissenschaftler der PRODEST- und PRIAMO-Studie.
Diese Erkenntnisse und die Tatsache, dass NMS oft als erste neurologische Symptome noch vor der klassischen Symptomtrias auftreten, lassen Prof. Werner Poewe, Direktor des Institutes für Neurologie an der MedUni Innsbruck, künftig auf neue Behandlungsmöglichkeiten hoffen: „Durch neue Marker und Kriterien soll es in Zukunft möglich werden, PD-Risikopatienten schon im präklinischen Stadium zu erkennen. Derzeit wird die Diagnose ‚PD’ meist beim Auftreten der ersten motorischen Symptome gestellt, wo bereits 50 bis 80 Prozent der dopaminergen Neurone zu Grunde gegangen sind.“ Grundsätzlich gilt: Je größer der Bestand an intakten dopaminergen Neuronen, desto länger kann das Einsetzen der belastenden Funktionsverluste hinausgezögert werden. Eine frühere Diagnose würde eine frühere Therapie ermöglichen, die wiederum die beschwerdefreie Lebenszeit der Betroffenen ver­längert.

Quelle: Media Briefing im Zuge des 11th Congress of EFNS (European Federation of Neurological Societies), 28.8.07, Brüssel.

Dr. Sabine Zopf

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