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Allgemeinmedizin 27. September 2007

Phytopharmaka-Forschung

Die pharmazeutische Forschung ist zweifellos eine der Triebfedern des therapeutischen Fortschritts – in der Phytomedizin ebenso wie beim Einsatz synthetischer Arzneistoffe. Arzneipflanzen und Phytopharmaka erfreuen sich gestern wie heute großer Beliebtheit. Es geht daher mehr denn je darum, das naturheilkundliche Wissen mit anerkannten wissenschaftlichen Methoden auszubauen und zu bestärken. Arzneipflanzenforschung bringt laufend neue, praxisrelevante Erkenntnisse. Deshalb fördert Madaus Österreich junge Arzneipflanzenforscher seit drei Jahren durch den Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmaka-Forschung in Österreich. Zur Einreichung ihrer Arbeiten eingeladen sind alle Diplomandinnen und Diplomanden der Studienrichtung Pharmazie an österreichischen Universitäten. Der Madaus-Preis 2007 wurde Mitte September bei einer Feier im Wiener Hotel Bristol verliehen.
Die diesjährigen Preisträgerinnen kommen aus Innsbruck, Graz und Wien: In ihrer von Prof. Dr. Hermann Stuppner, Institut für Pharmazie, Abteilung Pharmakognosie, Universität Innsbruck, betreuten Diplomarbeit widmete sich Mag. pharm. Birgit Danzl, Innsbruck, Acetylcholinesterase-inhibieren­den Pflanzenextrakten. Es stellte sich heraus, dass die oberirdischen Teile der Weinraute Ruta graveolens eine solche Eigenschaft aufweisen. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob sich die Erwartungen in diese pflanzlichen Wirkstoffe, Morbus Alzheimer bessern zu können, erfüllen werden.
Mag. pharm. Rosemarie Pöschl, Graz, betreut von Prof. Dr. Franz Bucar, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Universität Graz, erhielt den Madaus-Preis für ihre Arbeit über die Isolierung von antimykobakteriellen Inhaltsstoffen aus der Blumenzwiebel Allium hollandicum. Die antibiotische Aktivität der gewonnenen Substanzen wurde gegen drei Mykobakterien- und drei Staphylokokken-Stämme getestet. Bei allen Stämmen konnte eine geringe minimale Hemmkonzentration, die zum Teil im Bereich oder sogar unter jener der Standard-Referenzantibiotika lag, ermittelt werden. Eine solche geringe minimale Hemmkonzentration bedeutet bekanntlich eine gute Wirksamkeit gegen die geprüften Bakterien. Ob damit ein probates Mittel gegen vermehrt antibiotikaresistente Bakterien gefunden wurde, wird die Zukunft weisen.
Die dritte Preisträgerin, Mag. pharm. Ulrike Jäger, Wien, betreut von Prof. DDr. Brigitte Kopp, Department für Pharmakognosie, Universität Wien, befasste sich in ihrer Arbeit mit der phytochemischen Charakterisierung und pharmakologischen Testung von Extrakten ausgewählter pflanzlicher Sedativa. Dabei erwies sich Actein aus der Traubensilberkerze als stark positiver Modulator am GABA-Rezeptor, Melisse hingegen zeigte eine deutliche negative Modulation, Passionsblume ergab eine sehr uneinheitliche Reaktion. Die Ergebnisse dieser Arbeit dienen als Basis für weiterführende Forschungen.
Der Madaus-Preis zur Förderung der Phytopharmaka-Forschung in Österreich ist mit je 1.000 Euro für jeden Preisträger und das zuständige Institut dotiert und wird jährlich verliehen.

Quelle: Presseaussendung von Madaus Ges.m.b.H.

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