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Allgemeinmedizin 17. Oktober 2007

Gehirn und Harnblase

Am 12. Oktober 2007 wurde im Rahmen der 6. Tagung für Allgemeinmedizin und Geriatrie in Wien ein neues Konsensuspapier zum Thema „Gehirn und Harnblase“ vorgestellt. Unter dem Vorsitz von Prof. Franz Böhmer, Österreichische Gesellschaft für Ge­riatrie und Gerontologie, Prof. Helmut Madersbacher, Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich und Prof. Josef Marksteiner diskutierten namhafte Experten in Sachen Harninkontinenz und Demenz die mögliche Einflussnahme von Inkontinenzpräparaten auf die Demenz und ihre Therapie. Allgemeine Risikofaktoren für eine Harninkontinenz sind Lebensalter und Begleiterkrankungen wie Demenz, aber auch andere neurologische und kognitive Einschränkungen. Neben zahlreichen weiteren Faktoren können auch die Neben- oder Wechselwirkungen von Medikamenten eine (reversible) Harninkontinenz bedingen.
Zur Behandlung der Harninkontinenz kommen häufig Anticholinergika zum Einsatz. Über zehn Prozent aller älteren Patienten werden mit dieser Substanzklasse behandelt1. Mehrere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass Anticholinergika das Gedächtnis beeinträchtigen können. Dies ist mit ihrer ZNS-Affinität zu erklären2, weil sie aufgrund ihrer Größe, Löslichkeit und Polarität teils die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Die ZNS-Affinität der Anticholinergika Darifenacin und Oxybutinin ist hoch, die von Tolterodin und Solifenacin weniger hoch. Nur Trospiumchlorid* kann die intakte Blut-Hirn-Schranke nicht durchqueren.
Harninkontinenz ist gerade bei Patienten, die an einer Demenz leiden3, häufig. Demente Patienten bekommen zusätzlich zu Cholinesterasehemmern mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Anticholinergika zur Behandlung ihrer Inkontinenz verschrieben4. Die gegenseitige Beeinflussung von Anticholinergika und Cholinesterasehemmern wurde bereits mehrfach publiziert5,6,7. Anticholinergika können den Nutzen von Cholines­terasehemmern reduzieren oder egalisieren8. Da Trospiumchlorid* die Blut-Hirn-Schranke nicht passiert, sind zentralnervöse Wechselwirkungen mit Cholinesterasehemmern nicht zu erwarten.
Das Fazit: Unter den Experten herrscht in Bezug auf die medikamentöse Therapie der Harninkontinenz Einigkeit: insbesondere bei älteren Patienten ist auf ZNS-Nebenwirkungen (Gedächtnisstörungen) zu achten. Trospium* (nicht liquorgängig) bzw. Darifenacin (wenig Affinität zum M1 Rezeptor) haben diesbezüglich Vorteile.

* z.B. in Spasmolyt®

Quelle: Presseaussendung von Madaus Gesellschaft m.b.H.

Literatur:
1 Kemper RF et al., J. Gerontol. Nurs. 2007; 33 (1): 21-9.
2 Todorova A et al., J. Clin. Pharmacol. 2001; 41 (6): 636-44.
3 Hellstrom L et al., Arch. Gerontol. Geriatr. 1994; 19:11-20.
4 Gill S et al., Arch. Intern. Med. 2005; 165: 808-813.
5 Sheperd G et al., Ann. Pharmacother. 1999; 33: 812-5.
6 Lu CI, et al., Am. J. Geriatr: Psychiatry 2003; 11: 585-61.
7 Noyan MA et al., Biol. Psychiatry 2003; 27:885-7.
8 Lu CI et al., Am. J. Geriatr: Psychiatry 2003; 11: 585-61.

Rückfragehinweis:
Madaus Gesellschaft m.b.H.
Mag. Angelika Schwarzbach
01/505 80 08

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